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Gelobt sei das Internet: Gay-Portale sind ein Stelldichein der weltweit schönsten, besten und geilsten Schwulen.

Von Jürgen Friedenberg

Gelobt sei das Internet, hoch gelobt seien vor allem die Webseiten, auf denen sich Gays, also Männer wie du und ich, mehr oder minder einfallsreich, meist leider minder einfallsreich, der Szene präsentieren!

Manche Selbstdarstellung verblüfft durch schlichte Einfalt und stille Größe, etwa wenn einer bekennt: "Eigentlich weiß ich gar nicht, was ich hier schreiben soll", aber als Wunsch angibt: "Suche einen Mann, der weiß, was er will." Der Gesuchte soll offenbar dem Einfaltspinsel erst noch "zeigen, wo es lang geht." Etwa nach dem Motto: "Komm, Süßer, tu mir was, der Park ist bald zu Ende!"

Andere Selbsteinschätzungen zeugen von solch überschäumendem Selbstvertrauen, dass man sich wundern muss, warum der Wunderknabe mit der Riesenwichskraft sich im Internet profilieren muss und im wirklichen Leben, also in der Bar, in der Sauna oder in der Disco, nicht längst Anschluss gefunden hat: "Ich bin was ganz Besonderes", verspricht er und lässt den Leser raten: "Was mein Besonderes ist? Finde es heraus!" Nein, danke, diese Mühe wollen wir dann doch lieber anderen überlassen.

Wenn der folgende Vergleich auch ein bisschen respektlos klingt, er drängt sich förmlich auf: Die Wortwahl der Angebote auf schwulen Internetseiten ähnelt nämlich manchen Grabsteininschriften. Gewinnt man auf unseren Friedhöfen leicht den Eindruck, dass immer nur die Besten abberufen werden und infolgedessen immer mehr die weniger Guten, ja Bösen übrig bleiben und uns das Erdendasein mitunter zur Hölle machen, so lassen uns die virtuellen Bekanntschaftsmärkte glauben, dass sich hier die weltweit schönsten, besten, geilsten Schwulen ein Stelldichein geben. Schaut man genauer hin, erkennt man freilich, dass auch die flott formulierenden, reizvoll posierenden Herrschaften keine Übermenschen sind, sondern nur Menschen. Darauf deutet jedenfalls die häufig verwendete Floskel"Aussehen heterolike" hin. Mittelmaß ist gefragt. Nur nicht auffallen!

Auffallend ist es freilich, dass es unter den Besuchern von Gayseiten viele Analphabeten gibt! Obwohl ein gestandenes Mannsbild junge Springer ausdrücklich bittet, ihm nicht zu schreiben, da er=20 ausschließlich auf Senioren steht, kriegt er immer mal wieder Post von Teens und Twens. Andererseits soll es auch schon vorgekommen sein, dass ein Oldie einen Youngster suchte ("Taschengeld nicht ausgeschlossen"), aber bei einem "netten Rentner von nebenan" gelandet ist und dort sein Glück gefunden hat.

Hi, Alter, heute noch nicht gesurft? Dann wird es aber höchste Zeit. Der PC läuft schon. Viel Spaß und viel Erfolg!

Jürgen Friedenberg (74) war ehemals stellvertretender Chefredakteur der "Allgemeinen Zeitung" und ist Autor des Gedichtbands "Männerliebe pur" und des Journalistenromans "Nach Redaktionsschluss".



79 Kommentare

#1 HannibalEhemaliges Profil
  • 30.07.2008, 10:20h
  • Meiner Meinung nach ist Gayromeo nichts anderes als ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Und da unterscheidet sich nichts von Heteroportalen.
    Anal-phabetismus, Persönlichkeitsstörungen und Selbstüberschätzung kommt bei den Heten genauso oft vor wie bei uns Schwulen.

    Ich lese aus diesem Kommentar eher eine gewisse Frustration heraus, nichts mehr abzukriegen. Denn ich gebe zu, dass man bei GR ab einem Alter von spätestens 50 ziemlich "raus" ist.
    Aber auch bzgl. Jugendwahn und "Schönheit" sind die Heten keinen Furz beser als Homos. Das ist halt ein gesellschaftliches Phänomen, mit dem man sich arrangieren muss oder es sein lässt. Dann soll man sich aber bitte auch nicht beklagen, dass man/n durch gewisse (sexuelle) Raster fällt. That's life!
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#2 RabaukeAnonym
  • 30.07.2008, 10:28h
  • Sehr schöner Beitrag @Redaktion. Es ist, zumindest in der Homoszene doch immer das gleiche. Ob in der Disco, der Sauna, in der Kneipe............überall taxieren sich Homos, Heteros............... Das hier bei weitem nicht immer alles soooooo golden ist, kennt wohl ein(e) Jede(r) selbst. Da stehen "Sie" rum.......ziehen den Bauch ein oder wirken "unnnwahrscheinlich" >>>"heterolike". Spricht man so ne geile Fresse an, wird man spätestens beim Vokabular erstaunt sein. So ne richtige "Holzfällerstatur", geile Fresse und dann kommt von "ihm"."Hachhhhhhh nein". Das ist mir so passiert. Nich das ich damit verallgemeinern möchte. Dennoch könnte ich mir vorstellen, daß beim Lesen dieses Kommentares, der Ein oder Andere nickend schmunzeln wird.*g*
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#3 stromboliProfil
  • 30.07.2008, 11:04hberlin
  • "Aussehen heterolike" -- Mittelmaß !
    Wie man doch mit drei worten einen ganzen komplex beschreiben kann...
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#4 gatopardo
  • 30.07.2008, 11:18h
  • Antwort auf #1 von Hannibal
  • Nein lieber @Hannibal, ich glaube nicht, dass ein 74jähriger sexuell frustriert ist. Ab 60 gelten bei durchschnittlich begabten Schwulen oder Heteros andere Kriterien, als "etwas abzukriegen". Das kannst Du aber erst nachempfinden, wenn Du dieses Alter erreicht hast, glaub´s mir !
    Freund Friedemann legt den Finger genau in die Wunde, wie ich es kürzlich irgendwo las: Da werden
    Anforderungen im Internet an andere gestellt, denen man nie selber gerecht werden kann, sich aber bereits eine Parallelwelt geschaffen hat,die nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun hat. Kürzlich hörte ich von einer virtuellen Vermählung von Mann und Frau, die sich nur über den Computer kannten und sich nie gesehen haben. Vielleicht war das auch besser so, um sich Enttäuschungen zu ersparen. Und wir gehen noch ganz anderen Cyber-Zeiten entgegen, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können !
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#5 HannibalEhemaliges Profil
  • 30.07.2008, 11:43h
  • Antwort auf #4 von gatopardo
  • Wenn man die virtuelle Welt, in diesem Falle GR, einfach nicht so ernst nimmt, sondern einfach nur nutzt um sich lustig zu unterhalten, vielleicht mal ein Date abzumachen oder auch nur um drüber zu lachen, hat man kein Problem damit.
    Ärgern tut man sich darüber nur, wenn manzu hohe Erwratungen daran stellt und es zu ernst nimmt.

    Hallo! Es gibt auch noch ein Leben jenseits von GR!

    Ich zitiere: "Ab 60 gelten bei durchschnittlich begabten Schwulen oder Heteros andere Kriterien, als "etwas abzukriegen"."

    Wenn DAS tatsächlich zutreffen sollte, bestünde für Herrn Friedemann doch gar kein Anlass, sich in seiner Polemik über GR auszukotzen. Es gibt wichtigeres, wofür man seine Zeit verschwenden könnte.
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#6 gatopardo
  • 30.07.2008, 11:44h
  • Antwort auf #3 von stromboli
  • Hahahahaha,mein Gutster. Die besonders Gewitzten sind "muskulös, maskulin und man sagt, ich sähe gut aus". Bin ganz wild darauf, solch eine Besonderheit an der Angel zu haben, denn ich bin ja auch etwas Besonderes, laufe wie ein Kerl und habe den Traumprinzen verdient, den keine von den Schwuchteln abkriegen soll.....
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#7 HannibalEhemaliges Profil
  • 30.07.2008, 11:49h
  • Antwort auf #4 von gatopardo
  • @ MadridEU: "Freund Friedemann legt den Finger genau in die Wunde"

    Welche Wunde? Ich konnte bei mir die von dir beschriebene Wunde bisher noch nicht diagnostizieren. daher fühle ich mich auch von seinem Artikel null angesprochen. Mich nervt nur diese (in diesem Fall wirklich) schwule Art und Weise, alles was nicht ach so anspruchsvoll und vielleicht ein bisschen oberflächlich ist in Grund und Boden zu kritisieren.
    Menschen sind halt (zum Glück) manchmal oberflächlich. Es wäre ja grottenlangweilig, wenn alle immer nur auf hochintellektuellem Niveau herumdiskutieren würden.
    Wenn Herrn Friedmann GR nicht gefällt, soll er doch einfach fern bleiben. Ganz einfach! Es wird ja neiemand gezwungen, an dieser Oberflächlichkeit/Verlogenheit teilzunehmen.
    Daher verstehe ich die ganze "Aufregung" nicht!
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#8 KonstantinEhemaliges Profil
  • 30.07.2008, 11:54h
  • Antwort auf #6 von gatopardo
  • Zitat: "und habe den Traumprinzen verdient, den keine von den Schwuchteln abkriegen soll....."

    Haben wir das nicht alle?
    Obwohl ich meine Männer gerne mit anderen teile. Und dafür ist Gayromeo manchmal recht hilfreich!
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#9 gatopardo
  • 30.07.2008, 11:59h
  • Antwort auf #5 von Hannibal
  • Hatte nicht den Eindruck, dass Herr Friedemann sich über GR auskotzt, sondern lediglich mahnt, diese website besser zu nutzen. Ich kenne Gayromeo nicht, denke aber, dass unser queer.de-Forum als ausgezeichnete Alternative wenigstens für mich persönlich sehr wichtig geworden ist, um unter anderem den Kontakt zu meiner Muttersprache nicht zu verlieren. Ich vermisse allerdings die Möglichkeit des direkten Chat-Kontaktes, wo man sich auch einmal privat mit Teilnehmern unterhalten könnte, was sicher Missverständnisse ausräumen würde.
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#10 gatopardo
  • 30.07.2008, 12:05h
  • Antwort auf #8 von Konstantin
  • Wohlgemerkt: Es soll niemand auf GR verzichten, was meines Erachtens auch nicht Herrn Friedemanns Absicht war. Ich denke, dass wir als Teilnehmer bei queer.de souverän genug sind,darüber unaufgeregt und humorvoll zu diskutieren.
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