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Der Lebensgefährte des in Istanbul ermordeten schwulen Aktivisten Ahmet Yildiz fordert Aufklärung – und beschuldigt die Familie des Opfers.

Abi (Name geändert), hat sich an den Lesben- und Schwulenverband gewandt und über Umstände und Hintergründe des Mordes berichtet. Abi geht von einem Ehrenmord aus, da es seitens der männlichen Familienmitglieder und des Clans im Vorfeld des Verbrechens zahlreiche Drohungen gegeben hatte. Auch habe die Familie es abgelehnt, die Leiche des Opfers abzuholen, was eindeutig auf einen Ehrenmord schließen lasse.

Der Physikstudent Yildiz ist vor rund zwei Monaten in Istanbul von Unbekannten angeschossen worden, als er gerade ein Café verlassen hat. später verstarb der 26-Jährige im Krankenhaus (queer.de berichtete).

Sein Partner Abi, der deutscher Staatsbürger ist, fürchtete nach dem Verbrechen selbst um Leib und Leben und wandte sich an das deutsche Konsulat. Dort habe man ihm alle nötige Unterstützung zukommen lassen. Unter Polizeischutz begab sich Abi zum Flughafen und verließ Istanbul in Richtung Deutschland.

Die Istanbuler Staatsanwaltschaft hat Abi zwar verhört. Auskünfte über den Mord, die Ermittlungen oder das Ergebnis der Autopsie habe man ihm allerdings nicht erteilt. Auch die Leiche habe er nicht im Empfang nehmen dürfen, da er mit dem Opfer nicht verwandt gewesen sei. Später musste er erfahren, dass ein Onkel die Leiche abgeholt hat, um sie anonym an einem unbekannten Ort bestatten zu lassen. Begründung: Die Familie wolle keinerlei Beileidsbekundungen entgegen nehmen.

Abi, der nach Angaben des LSVD den Mord seines Lebenspartners noch nicht verarbeitet hat, besteht auf Verfolgung und Aufklärung des Verbrechens. Bis heute ist nicht geklärt, wer die Täter sind. Es könne nicht angehen, dass die Tat als Ehrenmord unter den Teppich gekehrt werde und die Täter straffrei ausgehen, erklärte er. "Die Täter müssen verfolgt, geschnappt und wie andere Mörder auch vor Gericht gestellt werden. Andernfalls droht vielen anderen Schwulen in Istanbul und der Türkei überhaupt das gleiche Schicksal."

Allerdings setzt er wenig Hoffnung in die Istanbuler Polizei. Mit ihr machte er schlechte Erfahrungen: So wurde er vor einem Jahr wurde er Zeuge, wie die Polizei Razzien in Schwulenkneipen wie Tekyön und Pasam durchführte und brutal gegen die schwulen Gäste vorging. Immer wieder kommt es in Istanbul zu Willkürmaßnahmen gegen schwule Einrichtungen und Lokale, Personenkontrollen finden statt, persönliche Daten werden notiert. (pm)

Das Opfer Yildiz war auch Mitarbeiter bei der Homo-Organisation Lambda Istanbul, die im Mai von den Behörden verboten wurde (queer.de berichtete). Sein Partner Abi ruft zu Spenden für die Organisation auf, die mit über 50 ehrenamtlichen Mitarbeitern eine der wenigen Anlaufstellen für Schwule in der Türkei ist. Spenden an Lambda Istanbul leitet die Hirschfeld-Eddy-Stiftung eins zu eins weiter.

Bankverbindung:
Hirschfeld-Eddy-Stiftung
Stichwort: Istanbul
Konto Nr. 5010000
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ / BIC: 37020500 / BFSWDE33XXX
IBAN: DE64370205000005010000



#1 DURAL DELUXEAnonym
#2 hwAnonym
  • 06.08.2008, 17:03h
  • Antwort auf #1 von DURAL DELUXE
  • Traurigerweise solche, dass die Menschenrechte von Lesben, Schwulen und Transsexuellen in der Türkei laut Human Rights Watch ausgerechnet unter der vor kurzem noch vor einem Verbot stehenden “islamistischen” AKP ihre ersten Schritte vorwärts gemacht haben, bei riesigen Defiziten,
    gemessen an z.b. deutschen Standards.

    Die Schließung der türkischen Lesben- und Schwulengruppe Lambda Istanbul erfolgte durch ein kemalistisches Staatsgericht.
    Die »Gefährdung für die öffentliche Moral«, verstoße gegen türkisches Recht.
    Moniert wurde zudem, daß der Vereinsname Lambda »kein türkisches Wort« sei.
    Angestoßen hatte das Verfahren der kemalistische Gouverneur von Istanbul, der in der 1993 gegründeten Beratungsorganisation eine »Bedrohung angestammter Familienwerte« sieht – eine Sichtweise, der sich die kemalistischen Richter angeschlossen haben.
    Natürlich ist es nicht zu erwarten, dass eine türkische
    CSU, wie die AKP dagegen Fürbittgottesdienste organisiert.
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#3 FloAnonym
  • 06.08.2008, 17:27h
  • Die geforderte Aufklärung wird es in diesem Homohasserstaat wohl leider nicht geben. Die Regierung verbietet Homogruppen (queer.de berichtete) und auch auf Bezirksebene herrscht Homohass: da werden Schwule auch mal gerne für ein paar Tage eingesperrt, etc.

    Dieser Staat gehört definitiv nicht in die EU. Wenn nach Polen und den baltischen Staaten noch mehr Homohasser in die EU kommen, sind sie endgültig stark genug, um nicht nur weiteren Fortschritt zu verhindern, sondern auch Erreichtes rückgängig zu machen.

    Wenn selbst Amnesty International gegen einen EU-Beitritt der Türkei ist, sollte einen das sehr nachdenklich stimmen...
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#4 ErikAnonym
  • 06.08.2008, 19:44h
  • Antwort auf #3 von Flo
  • Wieso wird immer wieder vom EU-Beitritt gesprochen, obwohl der doch eindeutig in weiter Ferne ist:
    „Als 'Notbremse' wird der Brüsseler Gipfelbeschluss eine Ausstiegsklausel enthalten: Wenn ein Drittel der EU-Mitgliedsstaaten es fordert oder wenn der Reformprozess in der Türkei in den Kernbereichen Menschenrechte, Minderheitenschutz und Meinungsfreiheit ins Stocken gerät, können die Verhandlungen ausgesetzt werden.“
    Sprich ohne entsprechende Unterstützung der Menschenrechte kommt die Türkei nicht in die EU und das ist auch gut so. Sobald die entsprechenden Reformen umgesetzt wurden und gegriffen haben, freu ich mich auf die Türkei in der EU.
    Und bis dahin kann man die Energien für Polen und die baltischen Länder einsetzen.
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#5 hwAnonym
  • 09.08.2008, 15:55h
  • MORD AN SCHWULEM TÜRKEN
    "Du wirst sterben, wenn du nicht normal wirst"
    Von Ferda Ataman

    www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,570714,00.html

    Zur Autorin:

    “Du bekommst bestimmt einen Job”
    Journalisten können ihren Migrationshintergrund nutzen

    "..Mein Fazit: Die deutsche Vorstellungsschablone in Bezug auf Türken ist nicht besonders differenziert. Vieles dreht sich um festgeschriebene „kulturelle Unterschiede“, die angeblich verhindern, dass die muslimischen Südländer sich in die deutsche Gesellschaft integrieren.

    Nachdem ich meine Abschlussarbeit fertig geschrieben hatte, bekam ich Angst, dass ich Deutschland zwar als meine Heimat verstehe, seine Ureinwohner mich jedoch als Ausländerin betrachten, die sie bisweilen höflich „Migrantin“ nennen. Ich bin dabei, diese Sorge zu überwinden..."

    journalistik-journal.lookingintomedia.com/?p=59
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