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Der Lesben- und Schwulenverband kritisiert, dass Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) mit geplanten "Lehrer-Handreichungen zum Umgang mit muslimischen Schülern" erneut vor islamischen Hardlinern kapituliere – die Senatsverwaltung widerspricht der LSVD-Darstellung.

Der rot-rote Senat plant derzeit, Informationsmaterial für Lehrer im Umgang mit muslimischen Schülern zu erstellen. Darin wird in einer noch nicht veröffentlichten Fassung auch "erzkonservativen" Imamen wie Ferid Heider eine Plattform geboten, in dem er Vorstellungen eines islamischen Schulalltags propagiert. Nach Angaben des "Tagesspiegels" gibt es in dem 100-seitigen Leitfaden ein achtseitiges Interview mit dem Fundamentalisten. "Damit wird letztlich der Einführung von Regeln der Scharia an Berlins Schulen Vorschub geleistet", erklärte dazu Alexander Zinn, Sprecher des LSVD Berlin-Brandenburg. Auch Vertreter der Oppositionsparteien CDU und Grüne kritisierten die Vorlage.

Die Senatsverwaltung für Bildung sieht das anders. Pressesprecher Kenneth Frisse weist auf queer.de-Anfrage darauf hin, dass die Lehrer Informationen erhalten sollten, die sie befähigt, mit der Religion umzugehen. Daher "soll eine Handreichung für Lehrkräfte zum Islam alle aktuellen und wichtigen Aspekte und Strömungen des Islam in Berlin darstellen". In der Arbeitsgruppe Islam und Schule werde derzeit ein Entwurf für eine solche Handreichung diskutiert. "Dieser Entwurf ist von der Bildungsverwaltung bisher weder genehmigt noch gar freigegeben. Wir werden die in der Öffentlichkeit diskutierten Aspekte vor einer Freigabe genau abwägen", so Frisse. In dem Entwurf solle der Islam nicht beschönigt werden: "Es ist nicht sinnvoll, den Lehrern einen Text zu geben, der besagt, wie wir uns den Islam wünschen, sondern womit sie es zu tun haben."

Sorge um Sexualkundeunterricht

Der LSVD glaubt, in dem geplanten Papier eine besorgniserregende Tendenz zu erkennen: "Statt islamischen Hardlinern die Türen zu Berlins Schulen immer weiter zu öffnen, sollte Bildungssenator Jürgen Zöllner dafür sorgen, dass der reguläre Unterricht an Berlins Schulen überhaupt noch stattfindet. Aufgrund falscher Rücksichtnahme auf ‚religiöse Gefühle’ können die Lehrpläne in einigen Fächern kaum noch eingehalten werden", erklärte Zinn. Zum Beispiel finde der Sexualkundeunterricht an vielen Berliner Schulen faktisch nicht mehr statt.

Auch diesen Vorwurf weist die Senatsverwaltung zurück. Pressesprecher Frisse erklärte, dass das Grundgesetz der Religionsfreiheit einen hohen Stellenwert zuspreche: "Das ist teilweise nicht unser Wunsch, aber Gerichte haben gegen uns entschieden". Zudem würden bei Abmeldungen aus dem Sexualkundeunterricht, aber auch aus Klassenfahrten oder dem Sportunterricht, in Berlin "sehr restriktiv" gehandhabt. "Ich halte den Vorwurf für nicht korrekt", so Frisse.

Generell glaubt der LSVD, dass der Bildungssenator "die Diskriminierung homosexueller Schüler und Lehrer tatenlos" hinnehme. "Homosexuellenfeindlichkeit ist unter Berlins Schülern erschreckend weit verbreitet. 69 Prozent der türkischen und 48 Prozent der deutschen Jugendlichen halten es für "abstoßend", wenn sich zwei Männer auf der Straße küssen. ‚Schwule Sau’ zählt zu den beliebtesten Schimpfwörtern auf Berlins Schulhöfen", so Zinn. Allerdings werde dieses Problem in der Hauptstadt "ignoriert". (dk)



58 Kommentare

#1 Fred_IsraelEhemaliges Profil
  • 06.08.2008, 18:34h
  • man man man, was ist denn mit queer los, alles themen die mich interessieren und wo man viel schreiben könnte.

    diese nachricht habe ich heute schon im tagesspiegel gefunden.

    vielleicht ein tick ausführlicher:

    Lehrer-Fortbildung in Scharia

    www.tagesspiegel.de/berlin/;art270,2587039

    bleibt nur zu hoffen,dass die gutmenschen bald zur besinnung kommen und nicht alle ideale verraten aus falsch verstandener toleranz.
    es werden vollkommen die falschen muslime unterstützt -wieso merkt denn das keiner. nicht liberale und säkulare, sondern die hardcore konservativen.

    es ist echt zum heulen.

    LSVD unterstützen und mitglied werden!
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#2 hwAnonym
#3 InfernoProfil
  • 06.08.2008, 18:52hBerlin
  • Antwort auf #1 von Fred_Israel
  • Ich muss da immer Schmunzeln.

    Wenn es um die Ablehnung von Homosexuellen, ja sogar vielmehr deren Stigmatisierung, geht wird immer betont, dass das Nichts mit den Islam zu tun hätte, sondern mit schlechter Bildung. Also schiebt man das Thema den sowieso schon überforderten Lehrern zu die heute Polizei, Familie, Sozialarbeiter usw. sein sollen und nebenher, halte man sich fest, sogar noch unterrichten sollen.

    Nun stellt sich heraus, das genau das Themenfeld, von dem man mir einreden will, dass man damit Homophobie am besten bekämpfen könne, von islamischen Hardlinern in beschlag genommen wird, denen man in naivster Dummheit auch noch eine Plattform gibt.

    Das ganz erinnert an die Hofierung des Abu Bakr Rieger, der schonmal öffentlich den Holocaust gutheißt, durch Politiker.

    Fred hat es gesagt, falsch verstandene Toleranz die vor allem eines bewirkt: Das Homosexuelle Jugendliche (Also wehrlose Teenager) noch mehr als heute zur Zielscheibe ihrer Mitschüler werden.

    Sharaia, und das sollte ejder homosexuelle wissen, ist trotz regionaler Differenzierung nichts anderes als ein Todesurteil für alle die ein selbstbestimmtes Leben neben der Heterosexualität führen wollen.

    Wehret den Anfängen gilt also nicht nur für Nazis, sondern genauso für die totalitätren Menschenverachtenden Tendenzen die vermehrt im Islam anzutreffen sind.

    Denkt an solche Forcierungen religiöser Indoktrinierung an Schulen, wenn ihr das nächste mal den Parteien die Stimme gebt, die genau das zulassen.
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#4 Stimme der VernunftAnonym
  • 06.08.2008, 19:08h
  • 1. An sich ist ein Lehrerleitfaden keine schlechte Idee - der LSVD fordert ja auch immer, nicht nur Schüler sondern auch Lehrer zu Homosexualität fortzubilden. Und es gibt, gerade in diesen Zeiten der Islamophobie, genügend Aufklärungsbedarf.

    2. Es ist unglücklich, wenn in dem Leitfaden ein Hardcore-Imam zu Wort kommen sollte und niemand gemäßigtes. Christen möchten ja auch nicht gerade an Ratzinger oder kreuz.net gemessen werden.

    3. Es geht sich hier nicht um einen Lehrplan.

    4. Es geht sich erst recht nicht um die Einführung der Scharia (wie das wohl im Hirn von Zinn aussieht? Auspeitschen für Kreischen oder den Ball nicht treffen, Hängen für pubertäres Rumfummeln in der Umkleide?). Zinn sollte lernen, seine Kritik vernünftig und verhältnismäßig anzubringen.

    5. Er sollte auch lernen, besser zu argumentieren. Jener Imam spricht in einem Interview in dem Leitfaden tatsächlich ausführlich lange über die Scharia (siehe Tagesspiegel-Link von Fred).
    In Zinns Pressemitteilung

    www.berlin.lsvd.de/cms/index.php?option=com_content&task=vie
    w&id=384&Itemid=80


    taucht Scharia nur als Zitat Zinns auf und ansonsten hängt er sich an Aussagen des Imams über Fasten auf (birgt "Gesundheitsrisiken"). Ist es so schwer, eine Aussage zu finden, die Ratzinger anstelle des Imams nicht gebracht hätte?

    5. "69,2 Prozent der türkischen und 28,9 Prozent der deutschen Jugendlichen halten es für 'abstoßend', wenn sich zwei Männer auf der Straße küssen. "
    Oh ja, lass mal wieder Stimmung gegen Türken machen. Zieht man Mädchen ab, fanden 78,9 Prozent der Türken einen solchen Kuss "abstoßend", aber auch 47,7 Prozent der Deutschen (und 75,8 Prozent von Jungen mit russischem Migrationshintergrund). Und das sind die höchsten Prozentzahlen, bei anderen Fragen werden alle Gruppen deutlich weniger "schwulenfeindlich". Quelle:

    www.berlin.lsvd.de/cms/files/Zusammenfassung%20Simon-Studie.
    pdf


    6. Wenn Zinn weiter so dümmlich bis provozierend rumwettert, dürften sich Lesben und Schwule und Angehörige anderer Minderheiten noch weiter voneinander entfernen.
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#5 antos
  • 06.08.2008, 19:13h
  • Wäre jemand so nett, diese geplanten Handreichungen mal zu suchen und zu verlinken?

    Ohne Textkenntnis ist eine Diskussion hier sonst nur peinlich.
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#6 apfelmaikProfil
  • 06.08.2008, 19:16hHerford
  • Antwort auf #3 von Inferno
  • "Sharaia, und das sollte ejder homosexuelle wissen, ist trotz regionaler Differenzierung nichts anderes als ein Todesurteil für alle die ein selbstbestimmtes Leben neben der Heterosexualität führen wollen."

    Was müssen wir also jetzt befürchten?
    Dass schwule Schüler in Berlin jetzt unter Mitwirkung ihrer Lehrer enthauptet werden?

    Was wollen die ganzen Islamophobiker überhaupt?
    Ich möchte ja nicht bestreiten, dass es ein gewaltiges Problem mit islamischen Hardlinern gibt, unter dem gerade wir als Schwule zu leiden haben.

    Aber was ist denn die Antwort?
    Wie soll man auf diese Situation reagieren?
    Glaubt denn tatsächlich jemand, dass man mit der Verteufelung dieser Religion etwas erreicht, ohne zu Mittel greifen zu müssen, die dem widersprechen, was eine liberale Gesellschaft ausmacht.

    Wir sollten lieber versuchen, den sich radikalisierenden Jugendlichen Angebote zu machen.
    Es muss sich einfach lohnen, in Deutschland ein liberaler (nicht falsch verstehen) Demokrat zu sein.
    Allerdings müssten wir sie erstmal da abholen, wo sie sind und vor allem wissen, wes Geistes Kind sie sind.
    Das sollten auch die Lehrer wissen, weshalb es eigentlich nicht schlecht ist, dass die auch mit reaktionäreren Positionen "gefüttert" werden.
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#7 KonstantinEhemaliges Profil
#8 InfernoProfil
  • 06.08.2008, 19:28hBerlin
  • Antwort auf #6 von apfelmaik
  • "Was müssen wir also jetzt befürchten?
    Dass schwule Schüler in Berlin jetzt unter Mitwirkung ihrer Lehrer enthauptet werden?"

    Du meinst, ein bisschen Sharia schadet schon nicht? Quasi Sharia light? Damit man auch ja kein "Islamophobiker" wird?

    Grenzenlose Kompromissbereitschaft mit jedem und allem? Bloß nicht klare Grenzen ziehen.

    Einige scheinen nicht verstanden zu haben, dass es auch eine Grungesetzlich verankerte negative Religionsfreiheit, besonders für Schüler gibt. Soll heißen, dass man die Schüler vor jedweder religiösen Einflußnahme im Rahmen des staatlichen(!) Schulunterrichts schützt.

    Das ganze wurde durch ein Urteil des Berliner Landgerichts bereits fahrlässig relativiert, in dem man die Schulen in Belin verpflichtet hat "Gebetsräume" in Schulen einzurichten. Da passt diese Initiative ganz richtig hinein.

    Im übrigen verstehe ich unter "dort abholen wo sie sind" nicht gearde, dass man den Leuten die sie erst in die Lage gebracht haben abgeholt werden zu müssen auch noch eine Plattform gibt die z.T strengste Auslegungen der Sharia beführwortet. Nehmt es mir nicht übel, und bwertet mich, wenn es euch dann besser geht, ruhig schlecht. Aber unter Integration stelle ich mir etwas anderes vor.

    Ich zumindest bin verdammt froh, nicht mehr auf die Schule gehen zu müssen. Ich hoffe aber, das der ein oder andere noch etwas mitdenkt. Gerade was die Zahlen des LSVD angeht.

    Solcher Homophobie muss nicht noch vorschub geleistet werden, egal von wo sie kommt!

    Wie schade übrigens, dass man uns nicht verraten möchte welche Ansichten zum gemeinsamen Sportunterricht dieser "Prediger" hat. Das hätte mich ja sehr interessiert!
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#9 FloAnonym
  • 06.08.2008, 19:32h
  • Extremisten aller Arten sollten prinzipiell kein Forum zum Verbreiten von Hass bekommen, aber erst recht nicht im Bildungsbereich.

    Das zeigt, dass die SPD sich in ihrer Verzweiflung über ständig neue Umfragetiefs wirklich überall anbiedert. Damit ist die SPD genauso unwählbar wie manch andere Partei...
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#10 apfelmaikProfil