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  • 10. August 2008, noch kein Kommentar

Nicole J. Küppers biographischer Roman "Fette Henne in Acryl".

Von Sandra Wagner

Entgegen der vermuteten Assoziation beim ersten Blick auf das Cover handelt es sich bei "Fette Henne in Acryl" nicht um einen Arztroman aus der Trivialliteratur, sondern um die Autobiographie einer vierzigjährigen Lesbe mit einem sehr bewegten Leben.

Eine Frau, die über viele Ängste verfügt und diese durch "Konfrontationstherapien" überwindet. Eine Reise durch das soziale Umfeld und das Zusammenleben mit diversen Lebensgefährtinnen, welche sehr exzessive Einflüsse auf die Autorin ausüben. Schließlich ihre Versuche, diesen Irrungen durch einen "Selbstheilungsprozess" zu entkommen.

"Fette Henne in Acryl" vereint humorvolle und zynische Schilderungen von der Kindheit bis dato. Nicole J. Küppers beeindruckt dabei durch einen ungewöhnlichen Schreibstil, der durch die vielen Verniedlichungen (an mancher Stelle vielleicht ein wenig zuviel) die Schwere des Inhalts überspielt.

Nach dem Lesen der ersten zehn Seiten hatte ich zwar den unschönen Eindruck, dass die Autorin auf einen Lektor verzichtet hatte, bis mir in der Mitte des Buches eine Erklärung für die bewusst eingebauten Fehler gegeben wurde: Dort erklärt die Autorin, dass sie in der Schule als Legasthenikerin tituliert wurde und daher als Botschaft an einen "Leerkörper" einige Rechtschreibfehler eingearbeitet hat. Ungewöhnlich, aber nicht ohne Selbstkritik und Humor.

Küppers Leben schlägt viele Kapriolen, und während des Lesens habe ich mehrfach schallend gelacht. Ein sehr tiefgründiger Humor, den man verstehen muss und der sicherlich zum Nachdenken anregt. Durch den außergewöhnlichen und bildnerischen Schreibstil kann jede Leserin und jeder Leser an der rasanten Reise der Autorin teilnehmen, wie sie ihre unterschiedlichen Ängste zu überwinden lernt. Keine trockene Biographie, sondern ein ungewöhnlicher, erheiternder Lebenslauf. Ein Beitrag zum lesbischen Leben und den damit verbundenen Katastrophen.

Ich habe "Fette Henne in Acryl" zweimal gelesen, um jedes Detail nochmal mit zu erleben. Wie gesagt: Leichte Kost, aber keine Trivialliteratur.

Nicole J. Küppers: Fette Henne in Acryl, Pavoni Verlag 2008, 153 Seiten, 14,90 Euro