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Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin ist in der Nacht zu Samstag demoliert worden.

Unbekannte schlugen das Sichtfenster ein, durch das man den Film zwei sich küssender Männer sehen kann.

Wie die Polizei mitteilte, bemerkte ein Passant am Morgen einen umgeworfenen Bauzaun und das zerschlagene Fenster. Täter und Hintergründe der Tat sind laut Polizeiangaben unklar. Das erst Ende Mai eingeweihte Denkmal erinnert an die etwa 100.000 von den Nationalsozialisten verfolgten schwulen Männer, von denen 50.000 nach Paragraph 175 verurteilt und zwischen 5.000 und 15.000 in Konzentrationslager deportiert wurden.

Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) verurteilt den Anschlag aufs Schärfste: "Er ist ein Schlag ins Gesicht aller Opfer des NS-Terrors. Ein schwulenfeindlicher Hintergrund ist aus Perspektive des LSVD kaum von der Hand zu weisen. "Offenbar fühlten sich die Täter von dem Kuss zweier Männer zu der Tat provoziert."

Die Beschädigung des Denkmals sei eine "feige Tat" und "Ausdruck von Menschenverachtung", sagte der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck. "Wer das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus angreift, will das Wiederaufleben der kollektiven Menschenfeindlichkeit der Nazis wieder denkbar machen." Über den Schutz des Denkmals und eine verbesserte Einbindung in die Topografie der Stadt werde ohnehin noch zu reden sein, so Beck.

Der LSVD-Bundesverband hat unterdessen zu einer Mahnwache am Denkmal aufgerufen Diese soll am kommenden Montag, dem 18. August 2008, um 17 Uhr stattfinden. Ort: Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Ebertstraße, Höhe Hannah-Arendt-Straße, Berlin-Tiergarten. (cw)



44 Kommentare

#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 17.08.2008, 11:13h
  • Kann mir vorstellen, daß da Neonazis und andere so genannte "Gaybasher" am Werk waren! Schande über Euch!
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#2 FloAnonym
  • 17.08.2008, 11:33h
  • Tja, wenn Politik und Kirche immer wieder Hass verbreiten, darf man sich nicht wundern, wenn sowas passiert. Das endet ja nicht dort, sondern es gibt ja auch wirklich Angriffe gegen Schwule mit teils erheblichen Auswirkungen. Da brauchen wir gar nicht erst in Richtung USA (Matthew Shepard und all die anderen Fälle) zu sehen, sondern das ist auch hier Alltag.

    Und Politik und Kirche tragen daran Mitschuld, denn die Hetzer und Täter der Worte sind keinen Deut besser als diejenigen, die das dann ausführen.
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#3 stephan
  • 17.08.2008, 12:45h
  • @Flo

    Volle Zustimmung!

    Die Täter sind vermutlich nur ein paar hirnlose, dumme Schwachköpfe, die kaum erfassen können, was sie da tun. Aber wenn sie ihr tun auch kaum erfassen können, so haben sie sicherlich doch das unbestimmte Gefühl, dass es breite gesellschaftliche Kreise gibt, die genauso denken und fühlen und dass sie von einer vermeintlichen Mehrheit gerechtfertigt sind.

    Die Brandstifter sind andere und es ist mir völlig unbegreifbar, warum diejenigen die sich gerne und immer wieder abfällig über Minderheiten äußern, nicht konsequent mit den Mitteln des Strafrechts verfolgt werden. Das sind diejenigen, die sich nach meiner Meinung der Volksverhetzung und der Zerstörung des gesellschaftlichen Friedens schuldig machen.

    Insbesondere denke ich an zahlreiche röm.-kath. Bischöfe mit ihren wiederholten Gleichsetzungen von Homosexualität und Kindesmissbrauch, den Herabsetzungen homosexueller Beziehungen, etc. aber auch manche politische Kreise! Das ist der Schoß, aus dem das immer wieder kriecht und dieser Schoß ist (wie schon Brecht wusste) immer noch fruchtbar.

    Hier ist nun die Politik gefordert:

    1. Umfassender Diskriminierungsschutz und konsequente Anwendung der Gesetze auch gegen sogenannte Würdenträger. Wenn Herr Meisner u.a. wieder ihre Zunge nicht im Zaum halten können, dann muss die Strafe auf den Fuß folgen und im Wiederholungsfall sollte man auch nachträgliche Zurücknahmen nicht mehr als ernste Entschuldigungen akzeptieren.

    2. Polizeischutz auch für Gedenkstätten für Homosexuelle.

    3. Homosexualität (und andere Minderheitsthemen) als wesentlicher Teil im Schulunterricht.

    4. Ein deutliches Bekenntnis aller gesellschaftlichen Kräfte zu den Minderheitsrechten und scharfe Verurteilung von Gewalt gegen Menschen und Sachen.

    5. Diskriminierungsschutz für sexuelle Identitäten in den Artikel 3.3 GG

    6. Vollkommene Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe.

    etc.

    Für mich ist die Verhöhnung der Opfer des NS-Regimes ein klares Bekenntnis zum Nationalsozialismus und so muss es auch geahndet werden. Aber ich befürchte, selbst wenn man der Täter habhaft wird, reduzieren 'kluge' Juristen, das Ganze auf Sachbeschädigung oder groben Unfug!
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#4 SaschaEhemaliges Profil
  • 17.08.2008, 12:57h
  • Antwort auf #2 von Flo
  • Tja, und dann kommt wie immer die übliche geheuchelte Empörung, dabei sollte doch inzwischen allen klar sein, woher der Wind in dieser Gesellschaft weht.

    Die Zahlen und Fakten liegen nicht erst seit heute auf dem Tisch. Xenophobie jeder erdenklichen Prägung nimmt gerade unter jungen Menschen immer mehr zu, aber das Einzige, was Gesellschaft und Politik dazu einfällt, ist völlige Ignoranz und Untätigkeit.

    Es ist schon erschreckend und bezeichnend zugleich, dass man in diesem für die gesellschaftliche Enticklung so essentiellen Punkt nicht einmal 1% der Energie aufbringt, die bei Themen wie z.B. dem Nikotinkonsum im Überfluss vorhanden ist.
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#5 MarcAnonym
  • 17.08.2008, 13:14h
  • Das ist aber auch ein Stück weit eigene Schuld:

    Ich war von Anfang an gegen diese Gestaltung des Mahnmals, weil dort der schwule Kuss verschämt im Inneren der Stele versteckt wird und man ihn nur sieht, wenn man durch das kleine Fensterchen schaut.

    Wie können wir Selbstverständlichkeit für Schwule und Lesben fordern, wenn wir selbst Schwulsein im Inneren einer kleinen Stele verstecken?

    Stattdessen hätte man ganz selbstbewusst dasselbe Motiv als große Steinskulptur o.ä. zeigen sollen, die von jedem gesehen wird. Das hätte mehr Selbstbewusstsein und Selbstverständlichkeit gezeigt. (Und es hätte auch keinen Strom gekostet und keine Scheibe gehabt, die man einschlagen kann.)

    Wer sich so versteckt zeigt und selbst in die Opferrolle begibt, darf sich dann auch nicht über sowas wundern. (Das soll den Vandalismus natürlich weder entschuldigen noch rechtfertigen, aber wie gesagt, hätte man das ganz anders aufziehen sollen.)
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#6 SmartiSaar
  • 17.08.2008, 13:22h
  • @stephan: Ich denke auch, dass selbst wenn die Täter gefunden und angeklagt werden das ganze auf eine simple Sachbeschädigung reduziert wird.

    Was mich mir ganz besonders zu denken gibt ist jedoch die Tatsache, das weder die Überfälle im noch die Denkmalsschändung in irgendeiner Art und Weise in den TV-Medien erwähnt wurde.
    Es wird einfach ignoriert. Das eines der Opfer immer noch im Koma liegt zählt da scheinbar auch nichts.

    Und der Familienvater der vor ein paar wochen ebenfalls zusammengeschlagen wurde hat ja ganz klar gesagt das die Täter ihn für schwul hielten und dies auch verbal geäußert haben während sie auf ihn eingeschlangen haben. Auch diese Tat wurde in den TV-Medien nicht mit einem Wort erwähnt.

    Für mich zeichnet sich da ein klares Bild ab, solange es nicht schrill und lustig ist wird im Fernsehen das Thema totgeschwiegen das gleiche gilt für die Politischeführung (schwarz/rot) die einfach nicht reagieren.

    Solange die Politik es weiterhin nicht für nötig hält die Gleichstellung endlich einschränkungslos voranzutreiben, solange werden wir einfach ignoriert, eben Menschen 2. Klasse das wird gerade in den letzten Wochen immer deutlicher.
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#7 SmartiSaar
  • 17.08.2008, 13:31h
  • Antwort auf #5 von Marc
  • Das Problem ist ja nicht das man die Gestaltung das Mahnmals nicht hätte anders machen können. Das Problem ist das es dann wohl nicht genehmigt worden wäre.
    Allein dieser schwule Kuss hat ja im Vorfeld schon für einige Diskussionen gesorgt.

    Und wenn man dann noch bedenkt das sich auch im Vorfeld schon einige Politiker gegen das Mahnmal ausgesprochen haben braucht man auch nicht gorß zu spekulieren, das wenn das Mahnmal anders gestaltet worden wäre, dies keine Zustimmung von seiten der Politik gefunden hätte.
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#8 Krzyszek
  • 17.08.2008, 13:45h
  • Antwort auf #5 von Marc
  • Ich denke, dass auch ein anders gestaltetes Mahnmal beschädigt werden kann: Farbschmierereien, Köpfe abschlagen etc.; der Hirnlosigkeit sind keine Grenzen gesetzt.

    Mich interessiert nun, ob und wie "das offizielle Berlin" auf diese Zerstörung reagiert oder ob die Proteste wieder nur von schwulen Verbänden kommen. Weiter wird es interessant sein zu beobachten, ob in "den Medien" doch noch etwas über diese Schändung zu hören, sehen oder lesen sein wird.

    Leider kann ich morgen nicht in Berlin sein, um an der Mahnwache teilzunehmen. Ich hoffe aber, dass sich alle, die es irgendwie einrichten können, sich dort einfinden werden.
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#9 Krzyszek
  • 17.08.2008, 13:56h
  • Antwort auf #6 von SmartiSaar
  • Bezüglich der Denkmalschändung hat das Hamburger Abendblatt heute um 12:41 Uhr mit einer Meldung reagiert. Als Aufhänger wurde dabei der Aufruf des LSVD zur morgigen Mahnwache genommen.

    ARD, ZDF, Focus, Spiegel - alles Fehlanzeige. Dafür erfahren wir dort aber, welche Chancen die Deutschen der neuen Verbindung von Boris Becker und seiner Verlobten geben.
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#10 MarcAnonym
  • 17.08.2008, 14:57h
  • @smartisaar:

    Das einige Politiker mit dem Denkmal Probleme hatten/haben ist schlimm genug, aber eh man so ein kleines verstecktes Ding macht, hätte man besser ganz verzichtet. Dann wäre vielleicht irgendwann der Druck so groß geworden, dass die Politik auch einem größeren und expliziteren Denkmal zugestimmt hätte.

    Wobei ich eh finde, dass EIN Denkmal für alle Opfer besser gewesen wäre. Durch die unterschiedlichen Größen der Denkmäler für Juden, Schwule, Sinti & Roma, etc. entsteht evtl. der Eindruck einer Gewichtung, dass manche Opfer größere Opfer als andere sind.

    Die sind alle Opfer und ein Denkmal für alle Opfer wäre besser gewesen.

    @Krzyszek:

    Naja, Farbschmierereien, aufgesprühte Hakenkreuze, etc. kann man überall anbringen - sowohl auf Skulpturen, als auch der jetzigen Stele. Aber glücklicherweise gibt es mittlerweile Spezialbeschichtungen, die man auftragen kann und die Graffitis, etc. sehr leicht entfernbar machen.

    Was Abschlagen von Köpfen etc. betrifft:
    1. Man kann das Denkmal so groß machen, dass keine so dünnen Stellen auftreten, dass man einfach mit einem Tritt oder so etwas brechen kann.
    2. Auch mit sehr festem Material kann man viel machen. Ich kenn mich nicht so aus damit, aber es gibt sicher Unterschiede in der Bruchfestigkeit bei verschiedenen Materialien.
    3. Man hätte das Ganze auch auf einen glatten Sockel stellen können, der so hoch ist, dass man nicht einfach ohne Hilfe raufkommt.
    4. Ich denke, dass das Absägen eines Kopfes auffälliger ist, als mal eben mit einem Baseballschläger oder so eine Scheibe einzuschlagen (was aufgrund der geringen Maße sogar nicht laut ist). Da ist vielleicht die Hemmschwelle größer bzw. man wird auch leichter entdeckt.

    Aber selbst wenn es passiert wäre:
    dann würde es wenigstens jeder sehen, wie homofeindlich dieses Land immer noch ist. Beim jetzigen Mahnmal sieht keiner, der nicht explizit guckt, den schwulen Kuss und auch jetzt sieht keiner, der nicht explizit guckt, den Vandalismus.

    Fazit:
    Ein größeres expliziteres Denkmal, das man nicht übersehen kann und das man beim Passieren sehen muss, wäre sicher viel besser gewesen.
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