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RTL II zelebriert in seiner neuen Doku-Soap "Der Bluff" eine stereotype Rap-Welt, in der Frauen allenfalls "Schlampen" und männliche Hassobjekte immer "Schwuchteln" sind.

Von Dennis Klein

"Der Bluff" ist an sich kein schlechtes Konzept, wie die Vorbild-Show "Faking It" zeigt. Sie lief bereits 2000 im britischen Sender Channel Four über den Äther. Innerhalb von vier Wochen muss ein unbedarfter Kandidat in einer Welt bestehen, die er in seiner Umwelt nie kennen gelernt hätte. So wurde auf Channel Four mal ein schwuler Student zum Türsteher in London gemacht oder aus einem Schafshirten ein Frisör. In Deutschland adaptierte bereits das WDR-Fernsehen 2003 das Format und machte in drei Folgen unter anderem eine Flötistin zur DJane – eine bahnbrechende Sendung, die zeigt, dass jeder Potenzial dazu hat, zu werden, was er will.

Dann kam RTL II. Der Sender hat das besondere Talent, gute Konzepte zu verhunzen. Die Show "Big Brother", die in anderen Ländern ein Kultformat mit liebenswerten Kandidaten ist, wurde hier zu Proletenshow mit Würgereflex. Das bahnbrechende US-Format "Queer Eye For The Straight Guy" machte der kleine Bruder des übermächtigen RTL zu einem Klischee-Sammelsurium namens "Schwul macht cool".

Zwar hat RTL II das gute Recht, schlechte Sendungen auszustrahlen. "Der Bluff" geht allerdings zu weit. In der am Montag gezeigten Sendung wird eine Welt präsentiert, in der es in Ordnung ist, alles Schlechte als "schwul" und alle hassenswerten Menschen als "Schwuchteln" zu bezeichnen. Es stellt sich die Frage, ob der gerade bei Jugendlichen beliebte Kanal propagieren darf, dass Schwule quasi keine Männer und daher Freiwild sind? Und ist es wirklich notwendig, diese Sendung jetzt auszustrahlen, da in Berlin Jugendgangs Jagd auf Schwule im Tiergarten machen oder das Homo-Mahnmal von Vandalen kaputt gemacht wird?

Die präsentierten Musik-Texte haben "Erfolg": Nach einer LSVD-Studie halten es 69 Prozent der türkischstämmigen und 48 Prozent der deutschstämmigen männlichen Schüler für "abstoßend", wenn sich zwei Männer auf der Straße küssen. Die Kids saugen den Hass quasi wie die Muttermilch auf. Ohne jeden sachlichen Grund wird eine Minderheit "gedisst" und somit – in den Augen der jugendlichen Hörer – zum Abschuss freigegeben.

Wie will RTL II das Konzept weiterführen? Will man aus einem Waldorfschüler einen NPD-Aktivisten machen? Oder aus einem Kriegsdienstverweigerer einen DDR-Mauerschützen? Immerhin scheinen sich die nächsten Folgen an dem britischen Original zu orientieren. Nächste Woche ist "Von der Burgerbraterin zur Sterneköchin" angekündigt. Mal sehen, wie RTL II diese Sendung verhunzt.



28 Kommentare

#1 DURAL DELUXEAnonym
  • 19.08.2008, 11:45h
  • danke für den artikel, dieser denkwürdige tiefpunkt deutscher fernsehunterhaltung darf nicht unkommentiert bleiben.

    mein eigentlicher kommentar folgt später!
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#2 DURAL DELUXEAnonym
  • 19.08.2008, 11:56h
  • "RTL II zelebriert in seiner neuen Doku-Soap "Der Bluff" eine stereotype Rap-Welt, in der Frauen allenfalls "Schlampen" und männliche Hassobjekte immer "Schwuchteln" sind."

    stimmt nicht ganz. frauen waren entweder "huren", "nutten", "schlampen" oder "fotzen" ODER eben "heilige", die man dann auch heiratet.

    männliche hassobjekte waren immer "schwul" und "schwuchteln", das stimmt. aber nicht nur männliche hassobjekte waren "schwul", alles schlechte war pauschal erst mal "schwul". besonders schön war es, als "Samy Deluxe", der ja gern als nachdenkliches, Geschichten erzählendes Hip-Hop-Genie dargestellt wird, meinte, "normale" Männer wollen eben keine "Schwuchteln" sein.

    die ganze sendung war von anfang bis ende absolut unglaublich und ein absoluter tiefpunkt bzw. höhepunkt. schade, dass diese kriminellen ihre meinung so offen äußern dürfen und rtl2 dies 2,5 stunden gebetsmühlenartig wiederholt.

    ich bin gespannt, was noch für reaktionen folgen.
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#3 skydiverProfil
  • 19.08.2008, 12:02hStuttgart
  • Na toll (...) Homophobie zur "besten" Sendezeit bei RTL II in bundesdeutsche Wohn und Kinderzimmer ausgestrahlt !!! Man(n) sollte die "Homo-Gurke" den Programmachern von RTL II um die Ohren hauen, wenn diese weiterhin auf so "provokante" Art & Weise versuchen ihre Quote zu "puschen" ...

    Ich habe diese Doko-Soap auf RTL II nicht angeguckt, weil die ständigen, nervigen Trailer zum "Bluff" die im Vorfeld gelaufen sind, diesem Bericht vom Inhalt (homophob) her bereits vorausgeeilt sind ...
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#4 RabaukeAnonym
  • 19.08.2008, 12:37h
  • Mann sollte diesen Sender belagern und nicht mehr einschalten. Ich möchte mal sehen, ob ein anderer Sender der privaten TV- Landschaft, demnächst ne Sendereihe bringt wie: " Ein Türke frißt Schweinefleisch". Dazu wird er auf einem Stuhl gebunden und wenn er nicht will........ . Diese und andere "bunte, unterhaltsame Nettigkeiten wären doch auch mal was fürs Auge? Wäre mal gespannt, wem wir dann alles, in Deutschland zu "Besuch" aus Protest hätten. Nein , liebe Radio und TV Aufsicht in Deutschland, weiter genehmigen.............Wir sind doch "Nur" ne Randgruppe..........nich wahr?
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#5 BeobachterAnonym
  • 19.08.2008, 13:27h
  • ... Nach einer LSVD-Studie halten es 69 Prozent der türkischstämmigen und 48 Prozent der deutschstämmigen männlichen Schüler für "abstoßend", wenn sich zwei Männer auf der Straße küssen ...

    Man(n) sollte mal eine Studie machen, wie viele der 69 Prozent türkisch und 48 Prozent der deutschstämmigen Schüler früher oder später "komoerotische" Erlebnisse haben/ hatten !!!

    Ich glaube - Man(n) wäre verblüfft !!! :-)

    Als Grundschüler hätte ich es auch "doof" gefunden, von einem Klassenkamaraden "geküsst" zu werden :-)

    Im Übrigen - sind es nicht überwiegend die "hetero" Männer die sich im Pornokino experimentell mal an den Dödel fassen lassen, oder Glory Holes benutzen ?!? Eben !!!

    Ich hab da kein Problem damit !!! Ich will damit eigentlich bloss sagen, das derartige Studien eigentlich für den "Arsch" sind !!!
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#6 BeobachterAnonym
#7 SaschaEhemaliges Profil
  • 19.08.2008, 14:37h
  • Danke für diesen hervorragenden Kommentar!

    Insbesondere wurde das alles entscheidende Datum auf den Punkt gebracht, dessen Bearbeitung umfassende Maßnahmen in allen Bereichen unseres Erziehungs- und Bildungssystems sowie klare Regeln und Grenzen auch für mediale Darstellungen dringend erforderlich macht:

    "...halten es 69 Prozent der türkischstämmigen und 48 Prozent der deutschstämmigen männlichen Schüler für "abstoßend", wenn sich zwei Männer auf der Straße küssen."

    Zieht man hierzu die Variablen "Bildungschancen" und "soziale Lebensperspektiven" heran, so zeigen die Zahlen für deutsch- und türkischstämmige Jugendliche keine nennenswerten Unterschiede.

    Ein weiterer Beleg dafür, dass das Ganze nichts mit Abstammung oder (nationaler) Herkunft per se, sondern mit einer in dieser Gesellschaft insgesamt verfehlten, Xenophobie befördernden "Erziehung" und "Bildung" zu tun hat und daher auch jede Debatte, die den vielzitierten "Migrationshintergrund" in den Vordergrund spielt, an einer wirklichen Problemlösung vorbeigeht.
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#8 alexander
  • 19.08.2008, 14:47h
  • die homophobe entwicklung bei jugendlichen ist seit jahren fakt und wird durch solche "realitätsbezogenen" formate glänzend gefördert !
    der berühmte "zeitgeist" schlägt mal wieder zu, es ist schon sehr bedenklich, wenn man in den medien immer öfter mit männlein/weiblein klischees der 50ziger jahre konfrontiert wird, als hätten die letzten 50 jahre nicht stattgefunden ?
    einfach nur ätzend !!!! bestätigt aber die gesellschaftliche entwicklung in den köpfen.
    und es steckt offensichtlich system hinter dieser diskriminierenden tv.fäkalie, denn die vereinzelten, positiven sendungen über integration, multikulti und auch homosexuelle hintergründe, ich meine damit auch serien, waren immer ein erfolg.
    auch private sender haben eine verantwortung ! an schlechten beispielen leiden wir keinen mangel !
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#9 SaschaEhemaliges Profil
  • 19.08.2008, 14:56h
  • Antwort auf #5 von Beobachter
  • Oh nein, @Beobachter, genau dort beginnt die in unserer Gesellschaft fest verankerte Stigmatisierung und Diskriminierung homosexueller Identität, die an ihrem extremen Ende dann zu roher körperlicher Gewalt führen kann, und in ihrer weit verbreiteten Ausprägung zumindest mit tiefreichenden Ängsten vor dem Anderssein, vor Ablehnung und Ausgrenzung im Falle eines "Coming Outs" etc. einhergeht.

    Wenn männliche Jugendliche so empfinden, wie durch zahlreiche jüngere Studien belegt, dann zeigt das, wie sehr sie durch eine massiv heteronormative und homophobe Umwelt in ihrer Freiheit der sexuellen Selbstentdeckung und Selbstbestimmung eingeschränkt werden.

    Und dabei handelt es sich nicht um irgend etwas, sondern um ein fundamentales Menschenrecht und um eine notwendige Voraussetzung für ein psychisch gesundes, erfülltes, glückliches Leben. Millionen schwuler Coming-Out-Biographien, in denen erst Jahre und Jahrzehnte mit der Bewältigung eben der genannten Konflikte vergeudet wurden, können ein Lied davon singen.

    Und die zitierten Zahlen zeigen, dass es in diesem Punkt nicht vorwärtsgeht in unserer Gesellschaft, sondern wieder zurück!
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#10 Tufir
  • 19.08.2008, 16:23h
  • Antwort auf #9 von Sascha
  • "Und die zitierten Zahlen zeigen, dass es in diesem Punkt nicht vorwärtsgeht in unserer Gesellschaft, sondern wieder zurück!"

    Ändere "in unserer Gesellschaft" in "in einem Teil unserer Gesellschaft" und ich stimme dir vollkommen zu.
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