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"Russen WG": Konstantin Kropotkins witziger Roman über drei schwule Männer in einer Wohngemeinschaft in Russlands Hauptstadt

Von Carsten Weidemann

Ein flotter Dreier gelingt am besten, wenn man drei völlig unterschiedliche Personen zusammenpackt. Der smarte und karriereorientierte Banker Kyrill, der aufsässige und schrille Mark sowie der experimentierfreudige Ilja bieten genau diese Mischung, die für ziemlich viel Feuer sorgt. Nein, gemeint ist hier nicht Sex. Es geht um die Aufregungen, die drei Jungs mit unterschiedlichem Temperament in einer Wohngemeinschaft in Moskau erzeugen können. Und davon gibt es jede Menge im Erstlingswerk von Konstantin Kropotkin

Aber zunächst muss sich der Leser von ein paar Irritationen lösen. An der ersten ist das Cover schuld. Die Verpackung ist die halbe Miete beim Verkauf, aber in den Geschichten von Konstantin Kropotkin handeln keine Teenager, wie man sie auf dem Umschlag sieht, es sind Männer, die problemlos auf jeder Ü30-Party eingelassen würden. Zum zweiten stolpert man über eine mitunter antiquierte Wortwahl. Seit den Brüdern Grimm wird umgangssprachlich eigentlich nicht mehr "Maulaffen feilgehalten". Da ist die Übersetzung für eine moderne Geschichte doch merklich konservativ.

Diese Kleinigkeiten sind es aber auch schon, die es zu bemängeln gäbe. Ansonsten überwiegt das Schmunzeln beim Lesen, denn hier herrscht wirklich Sodom und Gomorrha, wie die fiktiven Nachbarn der fiktiven WG pikiert feststellen. Lautstarke Streits wegen versehentlich zerdepperter Lieblingskaffeetassen, die kreischende Drag Queen, die so gerne Schlagerstar geworden wäre, Existenzsorgen, die durch das Verkuppeln mit einem reichen unattraktiven Schwulen gelöst werden sollen, Liebeskummer in der Familiengroßpackung, und natürlich ganz viel Liebe zwischen den Dreien. Das sind die Elemente, die in einem irren Tempo zünden. Ganz plötzlich hat man die letzte Seite erreicht, auf der es einen melancholischen Abschied gibt, und man wünscht sich, dass es ganz einfach weitergeht.

Die Episoden in "Russen WG" wurden in den Jahren 2003 bis 2004 im Internet auf der Seite gay.ru veröffentlicht und erreichten dort Kultstatus. Jede Folge der Online-Seifenoper wurde von hunderten Lesern kommentiert. Der in Sibirien geborene Autor ist 2001 von Moskau nach Frankfurt/Main gezogen und arbeitet dort als Korrespondent für diverse russische Medien. Mit "Russen WG" hat er sein witziges Debüt in Deutschland geschafft. Bitte mehr davon.

Konstantin Kropotkin, Russen WG, Bruno Gmünder Verlag, 240 S., 14,95 Euro.