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Zum Tod von Ellen Geßner. Die bekannte DJane aus der Kölner Club-Szene starb im Alter von 69 Jahren.

"Plötzlich und unerwartet" – selten hatte dieses Klischee-Phrase aus den Traueranzeigen so seine Berechtigung wie in diesem Fall. Ellen Geßner, in der Kölner Club-Szene viel eher unter dem klangvollen Namen Elli Pirelli berühmt, starb mit 69 Jahren am 24. August. Sie wachte nach einer dringend nötigen Operation einfach nicht mehr auf.

Schon einmal schien ihr Leben fast zu Ende. Sie arbeitete als Set-Ausstatterin beim Film, als nacheinander zwei ihrer Söhne innerhalb von vier Jahren starben. Ellen Geßner drohte daran zu zerbrechen. Ihr dritter Sohn hatte damals, 1997, die rettende Idee für sie, um wieder ins Leben zu kommen und ihr eine neue Aufgabe zu geben. Schon als 17-Jährige hatte sie gerne Platten aufgelegt und im Mittelpunkt aller Partys gestanden. Andreas, als "Disco Geßner" selbst schon lange eine angesagte Größe in der DJ- und Club-Szene und gemeinsam mit seinem langjährigen Lebensgefährten Theo Siegfried erfahrener Event-Veranstalter, richtete seiner neuen DJ-Kraft einen eigenen Partyraum beim "Funky Chicken Club" ein. Erst im Apollo-Club, dann nach dem Umzug ins Lulu III in einer eigenen "Klo-Disco".

Ihr DJ-Name Elli Pirelli "stammt aus den späten 70ern und bezieht sich auf mein sportliches Fahrverhalten, den zu dieser Zeit fuhr ich noch Crash-Car-Rennen in St. Augustin", erklärte sie zu Lulu-Zeiten in einem Interview. Ähnlich rasant und ungehemmt präsentierte sich auch ihre Musik-Mischung – ihre treue Fan-Gemeinde wuchs stetig. "Egal ob zu Rock, Twist, Disko oder Schlager, bei mir lässt man sich hemmungslos gehen", freute sie sich. Ihr persönlicher Höhepunkt eines Lulu-Abends sei es, "wenn die Stimmung so klasse ist, dass die Gäste vor lauter Tanzen das Pinkeln vergessen".

Ihr Publikum war im Schnitt doch um so einiges jünger als sie selbst – was sie herzlich wenig störte. "Sie konnte mit Leuten in ihrem Alter nichts anfangen, für sie waren die scheintot", erinnert sich Andreas Geßner.

So schnell stieg ihr Stern, dass auch andere Betreiber auf sie aufmerksam wurden, doch den Abwerbeversuchen "zum Teil mit den unmöglichsten Summen" widerstand sie stoisch, bekundete sie damals. "Denn hier spiele ich aus Liebe und Leidenschaft zur Veranstaltung, außerdem so etwas Besonderes wie mich gibt es doch nicht im Ausverkauf." Fanden auch ihre Stammgäste, die häufig mit dem persönlichen Lieblingslied begrüßt wurden. Elli hatte immer ein offenes Ohr für ihre Sorgen. Dafür revanchierten sie sich schon mal mit seltenen Sammlerstücken. Auch dank eigener "Recherchen" auf Flohmärkten wie Tauschbörsen und neu gefundenen Kontakten wuchs ihre Sammlung nach eigenen Angaben auf 10.000 Vinyl-Singles an: "Sie stand echt im Leben, ich war ihr noch nie so nahe und sehr stolz auf sie", bekräftigt Andreas. Und Elli Pirelli beschallte nicht nur die Partys ihres Sohnes, sie stand auch regelmäßig bei der Kölner AIDS-Gala hinter ihren Plattentellern.

Nicht nur ihre neue Laufbahn ließ Elli Pirelli aufblühen, auch privat tat sich einiges. Sie traf eine alte Liebe wieder, mit dem sie in den Sechzigern schon ein Stück gegangen war, und verliebte sich noch einmal sehr glücklich. Im The O, dem neuen Club von Theo und Andreas, bekam sie mit Elli’s Pop-Club im Sommer 2007 noch einmal eine eigene Party-Reihe am Freitag. Mittlerweile residiert hier die Heroes. Was Elli nicht daran gehindert hat, den Kontakt zu "ihren" Jungs zu halten. Noch am 25. Juli verbrachte sie die ganze Nacht bei der Heroes im The O, traf alte Freunde, tanzte und lachte und half morgens um sechs noch dem Team beim Spülen.

Ihre eigenen Krankheiten ertrug sie mit Haltung. "Ich habe mir nach ihrem Tod ihre Krankenakte angeschaut, sie hat nicht einmal halb so viel gejammert, wie sie es gekonnt hätte", meint Andreas Geßner. "Du warst die einzigartigste Mutter und großartigste Freundin, der ich voller Stolz verdanke, was ich bin", so seine Widmung in der Traueranzeige. Ihr Abschied von dieser Welt soll standesgemäß ausfallen. Am 11. September sind alle Freunde und Bekannte erst für 14.30 Uhr zu Elli’s Abschiedsfest auf dem Südfriedhof in Köln-Zollstock eingeladen (kleiner Tipp: gelbe und weiße Rosen liebte sie besonders), anschließend darf zu Elli’s Pop-Mischung im The O "gelacht, geweint und getanzt werden so wie sie es mag". (pm)