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Wer die sonnige Idylle in Spanien besucht, dem wird eines sofort auffallen: Hier beherrscht die Musik jeden Winkel der Insel. Eine Reise mit Tonproben zum schwulsten Eiland der Balearen.

Von Christian Scheuß

Der Flieger dreht eine langgezogene Kurve, bevor er sanft vom Meer her auf die Baleareninsel hinab sinkt. Die Stewardess schaltet schon mal die Berieselungsmusik an, die bereits vor dem Start aus den Lautsprechern dudelte. Das soll die Passagiere mit Flugangst beruhigen, die erst in wenigen Minuten wieder festen Boden unter den Füßen haben werden.

Song: I believe, i can fly, Interpret: R. Kelly

Die Luft ist warm, es weht eine leichte Brise, Ibiza zeigt sich seinen Besuchern von der besten Seite, mit viel himmelblau und weißen Tupfern oben und viel Grün auf dem eher karg braunen Untergrund. Der September, so sagt man, sei die beste Jahreszeit für den Urlauber. Dann ist es weder zu heiß noch zu kalt, und auch nicht mehr so voll, denn die Spanier haben ihre Sommerferien hinter sich. Insgesamt ist man zwischen Juni und Oktober vom Klima her auf der sicheren Seite.

Mit dem Bus geht es in Richtung Ibiza Town und weiter zum Stadtteil Talamanca, wo auf einer kleinen Anhöhe die "Casa Alexio" steht. Einchecken im schwulen Gästehaus, dessen Markenzeichen ein rosafarbener Baum ist sowie ein Küchenchef wie aus dem Tuntenbilderbuch. Mit abgeknickten Händen schwebt er zwischen den Gästen umher, und ist erst zufrieden, wenn seine Besucher es auch sind. Die mediterrane Anlage mit den modern eingerichteten Zimmern und einer abgeschirmten Poolanlage, in der auch FKK möglich ist, lädt zum längeren Verweilen ein. Doch dazu ist jetzt keine Zeit. Es gilt, die Stadt zu erkunden.

Ibiza ist seit 1999 Weltkulturerbe. Einer der Gründe dafür ruht unübersehbar auf dem höchsten Punkt der Stadt, es ist die Festung von Dalt Vila. Eines der wenigen ummauerten Gelände dieser Welt, das seine Form und seine Bauten aus dem 16. Jahrhundert intakt hält. An diesem Ort findet man Spuren so ziemlich jeden Volkes, das die Insel in der Vergangenheit besetzt und geprägt hat. Besetzt halten übrigens auch Schwule Teile der Anlage, zumindest in der Nacht. Cruising mit Blick auf die Insel, das Meer und die Sterne, wo hat man das sonst schon. Allerdings soll es - so erzählen Einheimische - dort nicht mehr so wild zugehen wie früher. Ein Teil der Festungsanlagen wird zurzeit saniert, demnächst soll ein Hotel in die geschützten Gemäuer integriert werden. Zum cruisen kann man alternativ aber auch den nahegelegenen "Men's Club La Muralla" nutzen. Wie überhaupt einige der Szeneläden im Bereich der Festung zu finden sind.

Song: Where Is The Love, Interpret: Kamasutra, Album: All Time Ibiza Classics

Ein in die Jahre gekommener Hippie sitzt in der Nähe des großen Tores der Befestigungsmauer, und trommelt versonnen auf seinen Instrumenten, eine Frau in Batikkleidern singt dazu. Tatsächlich ist die Insel das Refugium vieler ehemaliger Aussteiger, die heute ihren Unterhalt mit dem Bedienen von Hippiefolklore und -Klischees sowie dem Verkauf asiatischer Handwerkswaren auf dem Hippiemarkt "Las Dalias" verdienen. Auch hier geht es höchst melodiös zu. Ein Mann mit Rastalocken spielt auf einem Didgeridoo, begleitet von einem Langhaarigen, der seinem Macbook elektronische Samples und Rhythmen entlockt, während ein Dritter Bassläufe mit der E-Gitarre improvisiert. Gleich dahinter der große Stand mit den Musik-CDs, die den "Sound of Ibiza" auf hunderten von Tonträgern gepresst offerieren.

Song: Doux mysthre VII, Interpret: Alain Sylvain, Album: Chillout Ibiza 3 - Balearic Lounge

Von Las Dalias noch einmal kurz zurück in die Altstadt, in der es inzwischen dunkel ist. Der trommelnde Hippie hat Feierabend gemacht, dafür stellen sich jetzt unauffällig gekleidete Männer vor dem Tor auf. Sie fassen sich mit einer eindeutigen Geste an die Nase, wenn man ihnen in die Augen schaut. Auch wenn Ibiza seit Jahren versucht, sich vom Image des "Drogenparadieses" zu lösen und sich stattdessen lieber als "Familienidylle" präsentiert, an Kokain und Co. zu gelangen, scheint nach wie vor kein Problem zu sein. Wo die Party tobt, da sind die Drogen nicht fern. Und da passt der versuchte Imagewechsel auch einfach nicht. Ibiza ist nach wie vor die Top1-Partydestination mit mehreren Megadiscotheken, die allabendlich mit tausenden von Amüsierwilligen gefüllt werden wollen. Top-DJs wie Paul von Dyk oder Sven Väth, die für die Hochsaison verpflichtet werden, sollen die Menge zum Brodeln bringen.

Die Konkurrenz zwischen Space, Pascha, La Troya, Amnesia, Privilege und Co muss mörderisch sein. Nur so ist es zu erklären, das im zehnminütigem Abstand schrill gekleidete Promoteams und leicht bekleidete Muskelmänner mit Flyern durch das ehemalige Nuttenviertel, das jetzt zahlreiche schwule Bars beherbergt, schwadronieren. Sie verteilen Eintritts-Gutscheine, denn nicht alle können sich die horrenden Eintrittspreise der Discotheken (bis zu 50 Euro ohne jedes Getränk) leisten. Die Partys selber sind in der Regel grandios mit jeder Menge Show drum herum und bombastischem Sound aus den Boxen, da gibt es nichts zu meckern. Aber wer sein Urlaubsbudget knapp geplant hat, der sollte sich nach einem ausgedehnten Partywochenende für eine Weile auf trockenes Toastbrot mit Mineralwasser einrichten.

Titel: The deejay's an alien (The Layabouts Remix), Album: In Bed With Space Part 10

Ja, Ibiza wird seinem Ruf gerecht, teuer zu sein. Dafür bekommt man aber in der Regel seinen Gegenwert in Luxus und Exklusivität. Das gilt auch und gerade für das Essen. Wer hier keine Abstriche machen muss und will, der sollte ausgiebig die Restaurants in der Altstadt aber auch in der näheren Umgebung ausprobieren. Spanische Tapas, jede Menge Meeresfrüchte und frischer Fisch dominieren das Angebot. Dazu gibt es exzellente Weine des Landes. Es gibt aber auch günstigere Essens-Alternativen überall in der Stadt, man muss sich nur ein wenig umschauen.

Wer Ibiza Town kennengelernt hat, den drängt es natürlich an den Strand. Vamos a la Gay Playa! Das man beim "Platja des Cavallet" an der richtigen Stelle angelangt ist, das merkt man spätestens dann, wenn nach einer zehnminütigen Wanderung vom Strandparkplatz aus zwischen den Dünen die hölzerne Chiringay-Bar auftaucht, vor der in der Meeresbrise die Regenbogenflaggen knattern. Mediterrane Küche oder kühle Getränke locken die Männer unterschiedlichen Alters und zahlreicher Nationen unter das schattige Dach der Anlage im Balistil. Am Strand selber kann man sich einen Sonnenschirm ausleihen und muss dann nur noch entscheiden, ob man das FKK-Angebot nutzen möchte, oder ob man lieber das schicke neue Badehöschen anbehält. Von der Bar weht der Chillout-Sound von Ibiza herüber, während der muskulöse Masseur im Rhythmus der Musik und mit vollem Körpereinsatz seine Kunden direkt am Strand einölt. Wer genug gegafft und gegammelt hat, der kann sich in die Dünen verkrümeln, wo man ab und an auf einsame Männer mit körperlichen Bedürfnissen trifft.

Es heißt, kein Ort in Spanien ist eine bessere Gay-Destination als Ibiza. Das spanische Fremdenverkehrsamt wird dem natürlich widersprechen und auf viele weitere Orte verweisen. Aber eines stimmt auf jeden Fall: Es ist ein schwules Paradies mit ganz viel Musik.

Titel: Deeper love (Album Version), Album: Ibiza Beach Anthems

Galerie:
Schwules Ibiza 2008
16 Bilder


39 Kommentare

#1 gatopardo
  • 04.09.2008, 12:11h
  • Wir gehörten 5 Jahre nach Francos Tod 1980 zu den ersten Spiessern, welche die neue sexuelle Freiheit und nackte Prominente aus Film und Fernsehen des Landes am jedermann zugänglichen FKK-Strand in Ibiza gaffen kamen. Erinnere mich noch an Buñuels Muse Lola Gaos, die splitternackt am Strandkiosk ein Bier trank und Susana Estrada mit raushängender Brust neben dem damaligen Madrider Bürgermeister Tierno Galván durch die Presse ging. Was waren das für wilde Zeiten nach der Wende, als wir mit fast 40 schon fast zu alt für diese freizügige Insel waren. Heute fliegen wir in vollen Rentnermaschinen ins mittlerweile beschauliche Palma de Mallorca ohne Strand,Club oder Disko, "weil das mediterrane Klima vom Onkel Doktor empfohlen wurde".....
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#2 jochenProfil
  • 04.09.2008, 12:21hmünchen
  • ein netter artikel , der lust macht wieder mal hinzufliegen (oder der lust machen soll)

    mit den musiktipps und den amazon-links
    fragt sich der leser :
    ist der artikel anzeigenwerbung oder redaktioneller anteil oder beides?
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#3 SaschaEhemaliges Profil
#4 gatopardo
#5 bananasEhemaliges Profil
  • 04.09.2008, 13:10h
  • Einmal dort hin, geht in Ordnung. Den Entschluß habe ich gefasst, nachdem ich im "Space" 50 Euro Eintritt bezahlt habe, das billigste alkoholfreie Getränk nicht unter 8 Euro zu haben war (in Super-Mini-Flaschen) und das Wasser auf der Toilette blau eingefärbt.Und die Matinee-Group Dj's, die Besten, kann ich auch in BCN haben. Ausserdem kannte ich bald jeden 10ten.
    Seitdem also, nur noch BCN unter die Einheimischen, die ganz nett sind. Dann noch blonde Haare, tageslichttauglich und man bekommt, für ein paar Gefälligkeiten, alles was man haben will.
    Ach, das "Anfora" auf Ibiza ist ganz nett, die einzige Gay Disco, zu humanen Preisen und dies und jenem, was das schwule Herz höher schlagen läßt.
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#6 SaschaEhemaliges Profil
  • 04.09.2008, 13:30h
  • Antwort auf #4 von gatopardo
  • Eben!

    Ich bin eher überrascht, dass das jemanden überrascht...

    Das ist allgemein so üblich in der kommerziellen Medienwelt, und inwieweit das einem "kritisch-investigativen Journalismus" zuträglich ist oder nicht, möge jeder für sich beurteilen!
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#7 SamiroAnonym
  • 04.09.2008, 15:39h
  • Antwort auf #1 von gatopardo
  • sei froh, wer will schon hängetittige tussis und unbeschnittene typen nackt vor sich haben. also ich finde fkk peinlich wie sonstwas. ich kann einfach nicht so tun, als wär derjenige mit dem ich mich unterhalte nicht nackt.
    zu ibiza: stimmt schon dass dort den supergays das geld aus der tasche gezogen wird, sprich warmes oder blaues wasser auf den toiletten, damit man sich nicht dort erfrischt. und pillen werfen macht ziemlich durstig...und die preise sind horrent. kenn leute die 300-400 Euro am abend da lassen. für was?selbst schuld. dann der ganze körperkult.horror pur. ich meine so´n ganz durchtrainierten typen will doch kein mensch haben, ist das nicht zu schwul? denken übrigens auch viele frauen. naja, ich leb wohl in einer anderen welt, wo party machen anders aussieht.
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#8 HannibalEhemaliges Profil
#9 HannibalEhemaliges Profil
  • 04.09.2008, 16:50h
  • Antwort auf #7 von Samiro
  • ".. kenn leute die 300-400 Euro am abend da lassen. für was? selbst schuld."
    Schuld, wofür? Wenn du es dir nicht leisten kannst, bleib doch einfach weg! Solange ich mein Geld selber verdiene kann ich es auch ausgeben wofütr ich will. Und wen ich 30 Euro für ein Bier zahle, ist das ganz allein mein Ding! Andere zahlens vielleicht lieber in einen Bausparvertrag oder eine Lebensversicherung ein! Sollen sie ruhig machen. DAS ist dann halt nicht meins!

    "..dann der ganze körperkult. horror pur."
    Wenn man 'ne fette Wanze ist [wie du?], sicherlich!
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#10 gatopardo
  • 04.09.2008, 17:13h
  • Antwort auf #7 von Samiro
  • Bin nicht sicher, was Du mir in Bezug auf welche Kultur vermitteln willst ? Ich bin auch kein absoluter FKK-Fan, gestehe es aber denjenigen zu, die das mögen. Abtreibung würde ich auch ablehnen, sie Frauen in Not aber zugestehen.
    Zu Ibiza fällt mir nur ein, dass man das Kulturerbe der Insel entdecken sollte. Aber wer sich dort lediglich amüsieren will, soll es doch ruhig können und dafür auch bezahlen, denn das stärkt unsere labile Wirtschaft. Offen zur Schau gestellte Sexualität und muskulöse Protze stören doch nicht,
    wenn man selber gefestigt ist ? Übrigens schreibt @bananas mir aus der Seele, wenn er BCN und damit das schöne Katalonien erwähnt, wo ich einheimische Freunde habe, die ich demnächst wieder aufsuche.
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