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Der wichtigste Film nach "Brokeback Mountain" startet am 26.11. in den USA. Gus van Sant verfilmte das Leben von Harvey Milk aus San Francisco, dem ersten offen schwulen Stadtrat der Staaten.

Von Christian Scheuß

Acht Jahre nach Stonewall und trotz aller Flowerpower-Bewegung mit sexueller Revolution waren es noch immer keine leichten Zeiten für Schwule und Lesben. Konservative Kräfte versuchten mit allen Mitteln, die Emanzipation der sexuellen Minderheiten aufzuhalten. So zum Beispiel Anita Bryant, eine leidlich bekannte Schlagersängerin, die vor allem durch ihre trällernden Auftritte in Orangenhainen bekannt wurde, wo sie "Come to the Florida Sunshine tree" sang, und verkündete, ein Tag ohne Orangensaft sei wie ein Tag ohne Sonnenschein. 1977 setzte sie sich an die Spitze der Kampagne "Save Our Children" und warnte vor den Gefahren für Kinder durch Homosexuelle. Während einer Pressekonferenz bekam sie als Antwort darauf von einem Schwulenaktivsten eine Torte ins Gesicht geworfen.

Im selben Jahr initiierte der kalifornische Politiker John Briggs eine Unterschriftensammlung für eine Volksabstimmung über ein Gesetz, mit dem künftig homosexuelle Lehrer aus öffentlichen Schulen entfernt werden sollen. Eine halbe Million Unterschriften kamen für "Proposition 6" zusammen, 1978 stand die Volksabstimmung darüber an. Das war die Stunde des gerade frisch gewählten Stadtrates Harvey Milk. Er war der erste offen schwule Politiker der Staaten, der ein solches Amt bekleidete, was an sich schon eine Sensation war. Er wollte mit aller Macht diesen Rückschritt verhindern, mobilisierte seine Freunde, darunter auch der Tortenwerfer, sowie die Community und forderte alle Schwulen und Lesben auf, sich ihren Familien, Freunden und Kollegen gegenüber zu bekennen um die Vorurteile zu beseitigen. Tatsächlich stimmte am Ende eine Mehrheit gegen das Gesetz.

Youtube | Der legendäre Tortenwurf gegen die Orangensaftsängerin Anita Bryant

Regisseur Gus van Sant hat im Film "Milk", der genau 30 Jahre nach dem Tod von Harvey Milk in die amerikanischen Kinos kommen wird (für Deutschland ist noch kein Starttermin bekannt gegeben worden) das Leben des Politikers in der Zeit von 1971 bis 1978 nachgezeichnet. Es ist der erste Spielfilm über einen schwulen Helden. Viele werden die Dokumentation "The Times of Harvey Milk" aus dem Jahr 1984 kennen oder die Biographie "The Mayor of Castro Street" (dt. Version: "Im Namen der Hoffnung") vom Journalisten Randy Shilts. Sean Penn spielt in dem emotionsgeladenem Drama über ein wichtiges Kapitel der homosexuellen Emanzipation den Harvey Milk.

Die Produktion selbst hat bereits für Schlagzeilen gesorgt. So wurde Ende Januar 2008 für eine Weile die Castro Street gesperrt und umgebaut. Das Zentrum der schwulen Szene in San Francisco sollte wieder genau so aussehen wie in den Siebzigern. Und für die Massenszenen meldeten sich mehrere tausend Menschen freiwillig und ehrenamtlich.

"Milk" hat kein Happy End, denn das hat es auch im wahren Leben nicht gegeben. Harvey Milk und Bürgermeister George Moscone wurden am 27. November 1978 vom ehemaligen Stadtrat Dan White im Rathaus erschossen. Der hatte kurz zuvor aus Frust über die Politik sein Amt niedergelegt, es sich dann aber anders überlegt. Moscone und Milk lehnten aber seine Wiedereinsetzung ab.

Youtube | Der Trailer zu "Milk" auf YouTube


Trauer um Frank M. Robinson

Der schwule US-Schriftsteller und frühere Redenschreiber von Harvey Milk ist am Montag in seiner Heimatstadt San Francisco gestorben. Er wurde 87 Jahre alt.
Entwurf von Harvey-Milk-Briefmarke veröffentlicht

Die Fachzeitung "Linn's Stamp News" hat den Entwurf der amerikanischen Sonderbriefmarke zu Ehren des Schwulenaktivisten Harvey Milk veröffentlicht.
#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 05.09.2008, 15:10h
  • Der Trailer zu "Milk" ist sehr vielvesprechend. Ich bin über Sean Penn mehr als überrascht! Ich werde mir den Film auf jeden Fall ansehen, wenn er bei uns in Deutschland ins Kino kommt.
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#2 FloAnonym
  • 05.09.2008, 17:13h
  • "Konservative Kräfte versuchten mit allen Mitteln, die Emanzipation der sexuellen Minderheiten aufzuhalten."

    Da hat sich ja nicht viel geändert bis heute. Auch heute sehen konservative Politiker, Kirchen und andere Ewiggestrige uns als Untermenschen, die keine Rechte haben und denen sie bei jeder Gelegenheit Schaden zufügen wollen, in der Hoffnung und auszurotten. (Sorry, aber so deutlich muss man das leider sagen.)

    Aber wir sind stärker als sie!! Und wir werden siegen, wenn wir alle zusammenstehen!!
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#3 MarekAnonym
  • 05.09.2008, 19:31h
  • Ein sehr wichtiges Thema und wenn der Film so gut wird wie andere Gus van Sant Filme (My private Idaho, Good Will Hunting, etc.) kann man damit sicher sehr viele Leute erreichen und wachrütteln.

    Werde ich mir auf jeden Fall ansehen. Wäre doch geil (und auch ein politisches Zeichen), wenn nach Brokeback Mountain wieder ein schwuler Film auf Platz 1 in die Charts käme...
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