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Europas erstes Gay-Event abseits der Metropolen und Homo-Hochburgen hat seine Feuertaufe mit Bravour bestanden: Das Pink-Wave-Festival wird auch im kommenden Jahr im österreichischen Pörtschach stattfinden.

Von Micha Schulze

"Noch nie waren so viele Schwule und Lesben am Wörthersee", brüllt DJ James am Samstagabend auf der "Boat Cruise Party" ins Mikrofon. Die Menge klatscht und johlt, und James legt nach: "Da ist den Rentnern hier das Gebiss rausgefallen." Wobei sein nächster Song sicher auch den älteren Stamm-Urlaubern gefallen hätte, die sonst bei Kirschtorte und Kaffee Hag die Strandcafés im beschaulichen Pörtschach dominieren: "Die Rose vom Wörthersee" schallt durch die Boots-Lautsprecher – die "inoffizielle Hymne" des Pink-Wave-Festivals, die schon bei der Eröffnungsparty am Donnerstag für mächtig Stimmung sorgte.

Es war ein gewagtes Experiment, das sich Jeff Wahl und Michael Drescher von der deutschen Agentur Communigayte da ausgedacht hatten: Ein international schwul-lesbisches Event abseits der Metropolen und schwulen Urlaubs-Hochburgen, erstmals mitten in der Provinz, wo man auf keine Szene-Infrastruktur zurückgreifen kann. Zudem in einem österreichischen Bundesland, dessen Landeshauptmann Jörg Haider, vorsichtig formuliert, nicht gerade zu den fortschrittlichsten Politikern gehört. "Die Idee, abseits der Trampelpfade ein Event zu veranstalten, ist sicher ungewöhnlich", gibt denn auch Jeff Wahl zu, "aber das ist genau der Reiz von Pink Wave."

Homos sollen die Saison verlängern

Bei Gernot Riedel, dem Geschäftsführer der Wörthersee Tourismus GmbH (WTG), rannten die beiden Communigayte-Macher offene Türen ein. Zusammen mit Kärnten Werbung und der Stadt Pörtschach spendierte das Fremdenverkehrsamt stolze 100.000 Euro für die rosa Welle. "Unser Hauptziel ist, Gäste außerhalb der Urlaubszeit nach Kärnten zu holen", begründet WTG-Geschäftsfrüher Gernot Riedel das Engagement. Im Klartext: Schwule und Lesben sollen die Saison verlängern, die sich am Wörthersee sonst schon Ende August zu Ende neigt.

Pörtschach hat sich denn auch prächtig pink herausgeputzt. An den Ortseingängen heißen riesengroße Transparente die schwul-lesbischen Besucher bekommen, an vielen Geschäften und Restaurants wehen die rosa Festival-Fahnen. Gäste aus Berlin und Hamburg staunen: Kein einziges Pink-Wave-Poster wurde beschmiert oder zerstört. Im Vorfeld hatte es in der Lokalpresse auch negative Stimmen zum "Homo-Tsunami" gegeben, queer.de-User hatten sogar Aufmärsche von Rechtsextremen befürchtet.

"Die Leute sind alle unglaublich freundlich", berichtet Pink-Wave-Besucher Michael Lohmeier, der aus München angereist ist. "Ich fühle mich hier absolut willkommen". Von Homofeindlichkeit ist in Pörtschach tatsächlich nichts zu spüren, auch Organisator Jeff Wahl ist kein einziger Zwischenfall bekannt geworden. "Rund 18.000 Menschen haben die Pink-Wave-Homepage besucht, doch wir haben nur eine einzige böse Email bekommen", sagt er nicht ohne Stolz. Und trotz DJ James’s Gebiss-Witzchen lassen sich selbst die überwiegend deutschen Rentner-Hetero-Pärchen vom internationalen Tucken-Aufmarsch nicht aus der Fassung bringen. "Endlich ist hier mal was los", bringt es eine Verkäuferin im Billa-Supermarkt auf der Hauptstraße auf den Punkt.

Der Anstum der Kamera-Teams

Melli und Mataina haben sich ihren Job etwas einfacher vorgestellt. In knappen Dirndl und pinkfarbenen Mega-Highheels begrüßen die beiden Berliner Tunten als "Pink-Wave-Hostessen" die rund 1.000 Gäste der "Almdudler Trachten-Party" am Donnerstagabend. Darunter 80 akkreditierte Journalisten, die Melli und Mataina andauernd drehen, interviewen und fotografieren wollen. So viel Medienansturm gibt es am Wörthersee sonst nur, wenn am Strand ein Hollywood-Filmstar gesichtet wird.

Der herausgeputzte Garten der Villa Wörth mit Seeblick, in der sich sonst der Rotary Club trifft, ist Schauplatz einer extravaganten Trachten-Modenshow sowie Bühne für Österreichs Top-Travestiestar Miss Candy. Auch dabei: Thomas Klein, exzentrischer Chef der Kult-Brause "Almdudler", einem Gold-Sponsor des Festivals: "Man muss ein Zeichen setzen, sonst wird Homosexualität noch ewig als Tabuthema behandelt", sagt der 45-Jährige Unternehmer im langen Lodenmantel kämpferisch. Für Pink Wave hat er sogar das legendäre Trachtenpärchen-Bild auf den Almdudler-Flaschen durch Homo-Motive ersetzt. Klein selbst outete sich erst vor wenigen Wochen als bisexuell. Unter den Partygästen mit den schönsten Outfits verlost er eine rosa Lederhose – und tanzt zu später Stunde fröhlich auf einem Brunnen.

"Alle unsere Erwartungen wurden weit übertroffen", zieht Michael Drescher am Sonntagabend eine rundum positive Bilanz seines Experiments. Rund 1.500 Übernachtungen sollen auf Pink Wave zurückzuführen sein, wobei viele Gäste nicht die offiziellen Event-Hotels gewählt haben. "Für mich ist der Zimmerpreis wichtiger als die Regenbogenfahne", sagt etwa Erwin Debilski, der aus Wien angereist ist, für andere gab der W-Lan-Internetzugang den Ausschlag für das Hotel. Rund zwei Drittel der Gäste stammt aus Österreich, ergab ein Fragebogen, den die Communigayte-Macher unter den Besuchern verteilt haben. Mit dem Ergebnis ist Jeff Wahl mehr als zufrieden: "98 Prozent nennen das Festival 'gut' oder 'hervorragend', 85 Prozent wollen im kommenden Jahr wiederkommen". Am Dienstag will Communigayte die detaillierten Ergebnisse auf einer Pressekonferenz vorgestellen.

Dass es Pink Wave auch 2009 geben wird, hat Tourismus-Chef Gernot Riedel bereits bei der Eröffnungsparty verkündet. "Wir haben schon viele Ideen", freut sich Michael Drescher. So will er versuchen, im kommenden Jahr auch einen "hochrangigen Life-Act" an den Wörtersee zu holen. Auch einen "Pink-Wave-Partyzug" aus Frankfurt oder München kann er sich vorstellen. Anregungen kommen nicht zuletzt von den Besuchern: Kai Loewe aus Hamburg wünscht sich etwa "schwule Gruppen-Wanderungen, um auch die tolle Natur genießen zu können". Ein anderer regt eine Verlängerung des Festivals an, "damit sich die weite Anreise lohnt." Auch die schwule Szene im nahen Klagenfurt würde sich über "mehr Einbindung" freuen.

An den ersten Tagen wurde im See gebadet

"Wir müssen 2009 auf das Wetter aufpassen", ergänzt Michael Drescher. In diesem Jahr haben die Gäste Glück gehabt: Fast 30 Grad zeigt das Thermometer am Donnerstag, der See selbst lädt mit 23 Grad zum Baden ein. Das erste Gewitter braut sich erst am Freitagabend zusammen, gefolgt von Dauerregen und einem heftigen Temperatursturz am Samstag.

Die "Boat Cruise"-Party zum Abschluss des Pink-Wave-Festivals ist dennoch ausverkauft. Dutzende müssen am Pier zurückbleiben, als das Party-Schiff um 21 Uhr in Pörtschach-Werzer anlegt. "Servus, Grüezi und Hallo", spielt DJ James zur Begrüßung, und fast alle singen und tanzen mit. Mario und Margot Hellwigs Hit kommt bei den typischen Wörthersee-Urlaubern sicher immer gut an – doch wohl nur Schwule und Lesben können dabei so richtig aufdrehen...



#1 Fred_IsraelEhemaliges Profil
  • 14.09.2008, 22:12h
  • sehr schöner bericht und schöne bilder von "Sert_Chaisri" (schreibt er auch mal)?
    hm, so hätte ich mir das jetzt nicht vorgestellt, gerade in kärnten
    hab wohl was verpasst.
    dafür waren in hamburg china tage -immerhin
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#2 gatopardo
  • 15.09.2008, 18:59h
  • Ja, es war wunderschön am Wörthersee.Leider haben wir nur die Trachtenmodenschau am Donnerstagabend sehen können, da wir abends von den Ausflugsstrapazen in die Umgebung nach Slowenien und Italien todmüde mit den Hühnern schlafen gingen. Ich kann diesem Artikel nur beipflichten, denn die Kärntner hatten wir uns verklemmter vorgestellt. Obwohl unser Landhaus "Strussnighof" nicht gerade als schwules Hotel bekannt ist, hat man locker mit uns über alle Gay-Ereignisse geplaudert. Wir waren dann auch begeistert über die Freundlichkeit der Wirtsleute und deren Gäste,die uns natürlich ohne Probleme als Homo-Touristen erkannten. Übrigens war die Stadt Klagenfurt als hübsche kleine Unbekannte ein Ausflugserlebnis besonderer Art. Nächstes Jahr sind wir wieder da, auch wenn wir das Pink-Wave-Festival nur als Vorwand nehmen.
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#3 matainaAnonym
  • 16.09.2008, 11:00h
  • Das Weekend am Wörthersee war wirklich spitzenmässig. Mal was anderes und mit dem Wetter hatten wir ja auch riesiges Glück. Zwei hochsommerliche Tage am See - damit hätte ich nicht mehr gerechnet. Das Programmangebot war allumfassend und die Österreicher waren schon immer meine Lieblingsjungs...
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#4 SertAnonym
#5 WHAnonym
#6 Fred_IsraelEhemaliges Profil