Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?9339

Jungs in der Midlife-Crisis: Sport hält jung

Einmal im Jahr flüchte ich in eine Feriensiedlung auf einer kanarischen Vulkaninsel. Die liegt ziemlich am Rande der Zivilisation, weit entfernt von jeglichen Sehenswürdigkeiten außerschwarzen Lavasteinen und mondähnlichen Geröllwüsten.

Vor 25 Jahren hat dort ein sportbegeisterter Marathonfan ein Camp für "ambitionierte Freizeitsportler, Kader und Leistungssportler" errichtet. Die Anlage ist spartanisch, was die Unterbringung betrifft, zwei Sterne, keine elektronischen Unterhaltungsmedien, zwei Minikochplatten und ein Tischgrill, durchgesessene Billig-Ausklappsofas – also nicht das geeignete Ziel für Anspruchsvolle –, aber dafür sind die Sportanlagen 1A und entsprechen sogar olympischen Vorgaben.

Erstmals begleitete mich in diesem Jahr mein Partner Matthias, der mit stoischer Ruhe teilnehmen wollte an meinen Versuchen, dem Verfall mal mit mehr mal mit weniger Würde zu begegnen. Denn ganz ehrlich: Die (wenn man sie überhaupt so nennen dürfte) Glanzzeiten mit Marathon und Triathlon vorbei. Erst die Bandscheibe, dann eine verkalkte Schulter – altersbedingte Abnutzungserscheinungen, sagte der Doc.

Nun kann ich wie viele schwule Männer meines Alters über die sportlichen Erfolge von früher beim Wochenend-Dinner mit Freunden stundenlang referieren. Die gequält verdrehtem Augen mancher Gäste negiere ich dabei genauso konsequent wie die Tatsache, dass mir heute nach 60 Minuten Laufen die Puste ausgeht und an ebenso langes Schwimmen und Radfahren nicht zu denken ist. "Wenn man sich in Erinnerungen sonnt, verliert man den Blick auf die Gegenwart", sagt Matthias, aber wer glaubt schon dem eigenen Lebensgefährten.

Schnurgerade nach der Ankunft im Sport-Camp wollte ich mich beim Triathlon anmelden. "Untrainiert ein Triathlon?" fragte Matthias besorgt. "Das überlebe ich schon", sagte ich vorlaut.

Nun bot der Veranstalter "nur" einen Mini-Marathon an: 400 Meter Schwimmen, 17 Km Radfahren und 4,4 Laufen. Und das an Tag Fünf des Urlaubs. "Das ist doch ein Klacks", sagte ich zweckoptimistisch. "Eine Schnappsidee aus der Midlife-Crisis", sagte Matthias.

Tapfer joggte er mit mir die folgenden Tage über Stock und Stein, ertrug mein Stöhnen beim Planschen, äh Schwimmen, und das schmerzverzerrte Gesicht nach dem Radfahren. Sogar dass der versprochene Urlaubssex wegen des Toten-Käfer-Syndroms (unbeweglich auf dem Rücken liegend die Zimmerdecke anjammern) dürftig ausfiel, stimmte ihn nicht zu übellaunig. Ich glaube, er amüsierte sich sogar.

Als schließlich der Tag des Wettkampfes zu unfairen 6 Uhr 30 begann, hatte ich mein ursprüngliches Ziel, im ersten Drittel anzukommen, bereits auf das zweite Drittel reduziert. Als mich dann die Aerobic-Damen-Kombo aus Düsseldorf trotz beachtlicher Leibesfülle am Berghang überholte, passte ich die Zielvorstellung auf würdevolles Ankommen an. Und so endete es auch: Ich wurde dann zumindest nicht Letzter, aber ich pfiff so ziemlich aus dem letzten Loch. Dabei half nicht im Geringsten, dass mich der schicke Modellathlet aus dem Appartement unter uns, strahlend mit "great job for a guy your age" im Ziel begrüßte. Er war bereits geduscht und fertig umgezogen, während ich keuchend das Fahrrad zurückbrachte.

Matthias verzichtete auf Spott und nahm mir das bereitwillige Versprechen ab, unsere Gäste künftig nicht mehr mit Jugenderinnerungen zu quälen und kündigte sogar an, das Camp im nächsten Jahr erneut mit mir zu besuchen.

Als nächstes melde ich mich dann beim Triathlon der Gay Games in Köln an. Aber nicht mehr die Olympische Distanz. Ein ganz klein wenig Einsicht kommt dann doch mit zunehmendem Alter.



#1 XDAAnonym
  • 18.09.2008, 13:02h
  • Eine Feriensiedlung am Rande der Zivilisation auf den Kanaren. Das widerspricht sich mehrfach, zumal es in der Zivilisationsgrenzhotelanlage immerhin Strom und Kochplatten gibt und das Ganze auf den vom Massentourismus belagerten Kanarischen Inseln, also bitte. Bereits die Einleitung der "Kolumne" ist mehr als stümperhaft.

    Im übrigen können die ungekonnt eingebauten rhetorischen Glanzstücke nicht über den durchaus schlechten Schreibstil hinwegtäuschen. Aber bei Gruner+Jahr wird sowas wohl geduldet. Frage mich nur, ob dieser Artikel, sofern er von einem Praktikanten bei G+J geschrieben worden wäre, je veröffentlicht worden wäre, wohl kaum und der Praktikant wäre dies die längste Zeit gewesen.

    Und wer seinem Partner "Urlaubssex" versprechen muss, der ist wohl wirklich im gehobenen Alter angekommen. Tipp für den Autor: Wolke 9 von Andreas Dresen. Viel Spaß Herr Hegmann.
  • Antworten » | Direktlink »