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Jahrelang hatte es Streit um die Nachbarschaftshilfe bei den Abstimmungen des Eurovision Song Contest gegeben: Jetzt führt die Europäische Rundfunkunion (EBU) die guten alten Jurys wieder ein, die im Finale erst vor fünf Jahren zugunsten des Televotings gänzlich abgeschafft wurden.

Von Dennis Klein

In den letzten Jahren hatten sich die alteingesessenen Eurovisions-Teilnehmer aus Westeuropa wiederholt über Gefälligkeitsvoten ihrer osteuropäischen Kollegen aufgeregt. Während die altbekannte Skandinavien-Connection oder die freundliche Punkteschieberei zwischen Griechenland und Zypern nicht so stark ins Gewicht fielen – weil es eben nur ein paar wenige Länder betraf – fiel die Ost-Connection eher auf. Immerhin stellen sie rund die Hälfte aller teilnehmenden Länder und damit rund die Hälfte der Stimmen. Und wenn sie eines im untergegangenen Kommunismus gelernt haben, dann ist das wohl gegenseitige Solidarität.

Damit wurde im letzten Jahr Serbien an die Topposition befördert – dieses Jahr siegte Russland. Sänger Dima Bilan erhielt dabei zwölf Punkte aus sieben Ländern, davon waren sechs ehemalige Satellitenstaaten der Sowjetunion (das siebte war Israel). Mehrere Länder wie das in den letzten Jahren wenig erfolgreiche Großbritannien drohen bereits, den Contest zu verlassen. Auch hierzulande gab es herbe Kritik. So forderte beispielsweise Nicole, die bislang als einzige für Deutschland den Grand Prix gewinnen konnte, den Rückzug der ARD von der Veranstaltung (queer.de berichtete).

Youtube | Auch mit Ost-Connection ein süßer Bengel: Dima Bilan

Die EBU glaubt, dass mit Jurys nun bessere Ergebnisse zustande kommen: "Nichts ist demokratischer als eine Abstimmung der europäischen Zuschauer. Aber eine Jury hat die Möglichkeit, sich Lieder mehrfach anzuhören, bevor sie eine Entscheidung fällt", erklärte Svante Stockselius, Generalsekretär des Eurovision Song Contest für die EBU. "In Belgrad gab es Unterschiede zwischen dem Votum der Öffentlichkeit und dem der Back-up-Jurys. Wir glauben, dass eine Kombination die Show interessanter machen wird."

Noch ist unklar, wie die Anteile von Televoting und Jury verteilt werden sollen. Auch in nicht sicher, dass sich an der mutmaßlichen Vetternwirtschaft etwas ändern wird. Immerhin können die verantwortlichen nationalen Sender selbst entscheiden, wen sie in die Jury berufen wollen.

Die Regeln der Halbfinals bleiben dagegen unverändert. Hier war es 2007 zu einem Eklat gekommen, als kein einziges westeuropäisches Land die Halbfinals überlebte (queer.de berichtete). Daraufhin wurde die Aufteilung der Länder in den beiden Vorrunden so geändert, dass die Voten der Ost-Connection nicht zu stark zum Tragen kommen.

Youtube | 'Some salty nuts, Sir?': Der vielleicht schwulste Grand-Prix-Song aller Zeiten. Scooch belegte mit 'Flying the Flag' 2007 den vorletzten Platz.

Auch 2009 wird es also wieder Halbfinals geben, bei denen die ersten neun Plätze durch das Votum der Zuschauer bestimmt werden. Parallel vergibt eine Back-up-Jury ihre Punkte. Platz zehn erhält derjenige Teilnehmer, der es im Televoting nicht unter die ersten neun geschafft hat, von der Jury jedoch auf einen vorderen Platz gewählt wurde. In Belgrad stimmten die Entscheidung von Jury und Televotern im ersten Halbfinale überein, im zweiten konnte der schwedische Schönheitschirurgie-Unfall Charlotte Perelli über die Jury ihren Platz im Finale sichern. Deutschland ist allerdings als einer der großen Beitragszahler automatisch - und unabhängig von der Qualität des eingereichten Liedes - für das Finale qualifiziert.

Einfacher als am Abstimmungsmodus herumzudoktern wäre es für den deutschen Veranstalter NDR natürlich, gute Musik zum Grand Prix zu schicken. Bei Allerweltsluschen wie den Beiträgen von den No Angels oder Gracia schlafen nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Juroren ein. Dagegen hat etwa die Türkin Sertab Erener 2003 oder die finnische Band Lordi 2006 den Eurovision-Fans etwas Neues geboten und konnte sich auch mit dem Ostblock-Vote durchsetzen. Und schlechte Musik kommt ja auch nicht unbedingt nur aus dem Osten, ganz im Gegenteil…

Youtube | Auch früher gab es krasse Fehlentscheidungen: So scheiterte 1975 Marianne Rosenbergs 'Er gehört zu mir' in der deutschen Vorausscheidung.


11 Kommentare

#1 jochenProfil
  • 16.09.2008, 15:19hmünchen
  • das mag sicher richtig sein, dass deutschland mitunter schwache nummer bringt und deshalb auch zu recht schwache platzierungen einkassierte.

    aber leider auch bei starken nummern wie von texas lightning oder roger cicero hat die "ost-connection" nach staatsangehörigkeit anstatt nach der qualität des liedes geurteilt.

    also ist es ziemlich wurscht was für einen titel wir in zukunft bringen würden.

    das ist natürlich auf die dauer für die zuschauer , die nicht in den ländern der "ost-connection" wohnen langweilig und fade.
    der contest würde in zukunft bei diesen länder unter mangelndem zuschauerinteresse leiden und somit uach deren "zahlungsmoral" in frage stellen.
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#2 Tufir
  • 16.09.2008, 15:48h
  • Antwort auf #1 von jochen
  • "aber leider auch bei starken nummern"

    Das ist in erster Linie wohl eine Definitionsfrage. Möglicherweise sind nur die Geschmäcker verschieden. Dadurch wählt jedes Land mit größerer Wahrscheinlichkeit ein ihm kulturell näherstehendes. Insofern wird ein Jury wohl keinen Unterschied bringen, außer das klare Unterhaltungsnummern keine Chance mehr haben, was den Wettbewerb zum Ansehen nicht interessanter machen wird.
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#3 jochenProfil
  • 16.09.2008, 16:15hmünchen
  • Antwort auf #2 von Tufir
  • klar ist das immer auch geschmackssache (und die geschmäcker und musikhörgewohnheiten sind sicher im eu - raum auch unterschiedliche)

    man kann aber schon unterscheiden beim gesang , beim arrangement usw... ob qualität dabei ist oder nicht.

    ich finde roger cicero und texas lightning haben es damals nicht verdient mit ihren songs unter den letzten plätzen gewertet worden zu sein.
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#4 Olaf_LEO
  • 16.09.2008, 16:27h
  • Antwort auf #1 von jochen
  • Wenn Deine Behauptung mit Texas Lightning und Roger Cicero stimmen würde, müssten die ganz viele Punkte aus dem Westen bekommen haben und keine aus dem Osten. Das stimmt aber nicht: Texas Lightning hat einen Schub aus Albanien, Slowenien und Tschechien gekriegt.

    Ohne den Ostblock wären die von Dir genannten Lieder nicht besser dagestanden.

    Es gab keinen Widerspruch zwischen Ost und West, sondern eher zwischen deutschsprachigen und nicht deutschsprachigen Ländern.
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#5 Diz!Anonym
  • 16.09.2008, 16:51h
  • Ich will dass wieder alle Punkte vorgelesen werden, auch wenn es Stunden dauert. Das ist mir so echt zu hektisch ;-)
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#6 gatopardo
  • 16.09.2008, 18:33h
  • Antwort auf #4 von Olaf_LEO
  • So sehe ich das auch. Gerade Cowboys und Texas kommen unserem westlichen Geschmack nicht sonderlich entgegen, zielen aber eher auf östliche Vorlieben, die sich nach jahrzehntelanger Ostblockunterhaltung heute gern an Amerika orientieren, auch wenn es Mist ist. Unnötig zu erwähnen, dass ich alle deutschen Beiträge der letzten Jahre mitsamt der meisten anderen unerträglich fand. Sie haben ihre letzten Plätze meiner Meinung nach stets mit Auszeichnung verdient.
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#7 mok120Profil
  • 16.09.2008, 21:23hNürnberg
  • Ich finde es lustig, dass jetzt wieder alle nach Juries rufen, nachdem diese vor allem in den 90ern den Wettbewerb ja fast kaputt gemacht hätten. Würden Juries alleine abstimmen, wären die Sieger wohl jedes Jahr entweder geradliniger Trashpop ("Rock me", "Fångad av en stormvind") oder keltisch angehauchte Schlafmittelballaden ("The voice", "Rock 'n' roll kids (gut, vielleicht nicht gerade keltisch), "Nocturne").
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#8 RabaukeAnonym
  • 17.09.2008, 09:54h
  • Also ich meine dazu, daß es völliger Blödsinn ist, hier über "Ost- Connection-Länder" und/oder deren untereinander, gegenseitig "zugeschanzter" Solidarität beim Eurovision Song Contest zu quatschen. Denken wir mal an den Käse von 1999 oder das Jahr 2001. Damals maulten die Leute herum, die Abstimmung viia Telefon sei ein einziger Betrug. Ich denke hierbei, WESTEUROPA ist einfach ein ganz schlechter Verlierer. Die "Ostländer" zeigen dieser, hier immer höher, weiter und "besseren" Gesellschaft, daß die Leute in den Ostländern uns so manchen Meter voraus sind. Miteinander, Füreinander. So! Alles was jetzt hier meckern will über meinen Beitrag solle er/sie/es tun. Ich habe hierzu meine MEINUNG.

    Euer Rabauke
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#9 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 17.09.2008, 16:11h
  • Der beste Abstimmungsmodus ist, wenn das Voting der Zuschauer und das der Jury zu je 50 % gelten würde. Dann käme nämlich auch so manch anderes Ergenbnis bei rum.

    Besser wäre es natürlich, das Zuschauervoting so beizubehalten wie bisher. Aber mit einer ganz wichtigen Änderung: Länder der Ex-UdSSR und von Ex-Jugoslawien dürfen nicht mehr untereinander die Punkte vergeben. Soll heißen, das z. B. Serbien keine Punkte mehr an Kroatien und Rußland keine Punkte mehr an die Ukraine vergeben darf.
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#10 XDAAnonym
  • 17.09.2008, 16:19h
  • Das Televoting war doch viel gerechter. Ist doch logisch, dass Estland Litauen etc. Punkte gibt, weil die Musik aus den Ländern kulturell hält eher den Nerv derer trifft, als die Musik aus Spanien oder Griechenland. Und dass Roger Cicero nicht punktete war doch klar. Wer will denn einen so langweiligen Typ wählen, den die Mehrheit der Zuschauer nicht mal versteht. Da hätte "Monrose" damals wohl etwas mehr gepunktet.

    Ost-Connection hin oder her. Es hat seit Televoting u.a. auch Israel und die Türkei gewonnen, keine typischen Ostblock Vertreter.

    Ausserdem ist es der Grand Prix gar nicht wert, ihn mit einem eignen Artikel zu würdigen. DIe Musik ist schlecht und in D hat doch keiner daran Interesse, wobei das Ganze wohl in Russland, Türkei usw. eine Art Megaveranstaltung ist. Oder hätte Angela Merkel oder der Bundespräsident einem deutschen Sieger persönlich gratuliert und für den Sieg gelobt, so wie es Tiger Putin tat?! Wohl kaum und die Türken denken, dass sie durch den ESC ein Stück naeher an die EU kommen .... wohl kaum.
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