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Trash-Horror: Regisseur Bruce LaBruce erweckt in "Otto; or Up With Dead People" einen schwulen Zombie zum Leben, der auf seinen Ex-Freund trifft.

Von Carsten Weidemann

Ein junger Zombie namens Otto taucht an einer abgelegenen Landstraße auf. Er hat nicht die geringste Ahnung, woher er kommt und wohin er will. Nachdem er als Anhalter nach Berlin gelangt ist und ein Unterkommen in einem stillgelegten Vergnügungspark gefunden hat, erkundet er die Stadt. Schon nach kurzer Zeit wird die Underground-Regisseurin Medea Yarn auf ihn aufmerksam. Sie beginnt mit den Aufnahmen zu einem Dokumentarfilm über ihn und wird dabei von ihrer Freundin Hella Bent sowie ihrem Bruder Adolf, der die Kamera führt, unterstützt.

Gleichzeit ist Medea bemüht, "Up With Dead People" fertigzustellen – einen episch angelegten Polit-Porno-Zombie-Streifen, an dem sie schon seit Jahren werkelt. Sie überredet ihren Hauptdarsteller Fritz Fritze, den sensiblen Otto in seinem Gästezimmer aufzunehmen. Als Otto eine Brieftasche entdeckt, die Informationen über seine Vergangenheit enthält, beginnt er, sich an Einzelheiten aus der Zeit vor seinem Tod zu erinnern – zum Beispiel an seinen Ex-Freund Rudolf. Er arrangiert ein Treffen mit ihm auf jenem Schulhof, auf dem sich die beiden zum ersten Mal begegneten … und zwar mit verheerenden Folgen.

Youtube | Otto-Trailer

Bruce LaBruce mochte schon immer das Horror-Genre, die Realisierung des Films machte ihm entsprechend viel Spaß. Zudem sind die meisten seiner Filme expliziz sexuell, und da macht "Otto" keine Ausnahme. "Der Gedanke an einen Zombieporno faszinierte mich, denn so etwas ist absolut folgerichtig: der Zombiekörper ist durchlässig, verfallen, man kann sich seine bevorzugten Öffnung suchen. Ich denke, daß Zombiepornos die Zukunft des Genres sein werden. Außerdem: Wer je in einem Park gecruist hat oder in den Gängen einer Sauna, der weiß, dass das wie bei der ‚Nacht der lebenden Toten‘ sein kann", meint LaBruce mit einem Augenzwinkern.



#1 Tim_ChrisProfil
  • 18.09.2008, 09:59hBremen
  • Beeindruckender und aussagekräftiger Trailer zum Film
    Vom Trailer abgesehen klingt es tatsächlich ganz spannend und interessant. Ein Zombieporno ist mal was anderes.
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#2 maaartinAnonym
  • 18.09.2008, 11:08h
  • hmm, porno ist ein wenig übertrieben. jedenfalls wird weniger als in raspberry reich und den anderen filmen davor gevögelt. neben trash und humor dominiert hier eher schwule verwesungsromantik. ein schöner film. nicht nur für szeneleichen.
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#3 hwAnonym
#4 DragonWarrior
  • 18.09.2008, 19:27h
  • "Der Gedanke an einen Zombieporno faszinierte mich, denn so etwas ist absolut folgerichtig: der Zombiekörper ist durchlässig, verfallen, man kann sich seine bevorzugten Öffnung suchen."

    naja, die zum anlass passenden löcher-und-fetzen-t-shirts von ajaxx63 versucht uns die redaktion ja schon schmackhaft zu machen...

    *grinz*
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#5 olmen
#6 splattergayAnonym
#7 Tufir
  • 20.09.2008, 12:56h
  • Antwort auf #6 von splattergay
  • "Dann bin ich mal gespannt, ob er uncut durch die FSK kommt."
    Hängt am Ende von der Sichtweise ab. Ich könnte mir vorstellen, dass der Film als Kunstfilm weitgehend unzensiert durchgeht, weil der Film kein Porno ist sondern die Pornografie nur zitiert und mit Inhalt füllt. Sonst wäre er wohl kaum auf der Berlinale gelaufen.
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#8 JacNsakEhemaliges Profil
  • 04.10.2008, 13:45h
  • Das Tragische an diesem Film ist, dass es vermutlich fünf bis zehn Jahre dauern wird, wenn wir noch soviel Zeit haben, bis die Schwulenkultur es zu würdigen wissen wird, was für einen Film ihr Bruce LaBruce hier bereitet hat.

    Es wird erst eine Kopie im MoMa ausgestellt sein müssen, diverse noch nicht in Erscheinung getretene Künstler müssen Zitate aus „Otto- Up with dead People“ in ihren Werken verwenden und der eine oder andere Kulturkritiker könnnte bis dahin einen intelligenten Aufsatz dazu verfasst haben. Letztendlich müssen einfach genügend junge Schwule die unschlagbare Äesthetik von Otto intuitiv begreifen und als das umgestalten, was sie ist, ein visueller Trigger um sich und die eigene Umwelt zu transformieren, sie beim äußeren Sterben zu beobachten, denn innerlich ist sie bereits in vielen Fällen tot oder sie einfach bloß erträglich zu machen. Den Verfall nicht als abwaschbare Kosmetik, sondern in seiner ganzen Realität innerlich zu wollen, zu umarmen und zu küssen, wäre eine Antwort, das „schöne Leben“ hätte sich als erstrebenswerte oder zu beneidende Alternative erledigt. Es gibt andere Antworten und, welche schließlich die richtigen sein werden, wird sich noch herausstellen müssen. Diese ist jedenfalls eine Verweigerung gegen den uns umgebenden Schrott, diese riesige papierne Wüste, die nur noch nicht abgebrannt ist, diesem noch nicht eingemotteten Vergnügungspark, der weiterhin Besucher auf seine rumpelige Achterbahn schickt; diese megalomanische Wurstfabrik, die permanent frisst, mahlt und schmatzt.

    Der Film ist tatsächlich ein selbstironisches aber echtes Manifest gegen die Vermassung, Verwertung und Verwurstung alles Lebendigen. Eine surreale Bespiegelung wie Cronenbergs "existenZ", aber mit der agitierenden Botschaft eines alten Rosa von Praunheim und dem Soundtrack eines Tarantino Films. Sicher, es gibt sie, die lustigen Momente, wenn man denn noch lustig sein kann, aber wer Otto als „schwulen Zombieporno“ oder sogar als Komödie, den „Zombiealarm im Darm“ bezeichnet, banalisiert ihn nicht nur, sondern er lacht anscheinend über Dinge, über die ein lebendiger Mensch gar nicht lachen könnte, weil er sie nicht verstehen würde. Man muss innerlich bereits angefault sein, um hier lachen zu können.

    Das Lachen der Anderen während dieses Films ist in Wahrheit auch das Lachen über die Schwulen. Ihr Pathos, ihre Absurdität, ihre Lächerlichkeit, ihre Unfähigkeit sich über Sexuelles hinaus entwickeln zu können, ihre spießige Sehnsucht nach Normalität, ihre Konformität, ihre Unnatürlichkeit und – ihre Toten. Wenn wir unsere Ahnen vergessen, haben wir keine Zukunft in dieser Welt. Man wird uns jagen und zur Stecke bringen, wie die Untoten in Medea Yarns Film.

    Ein lebendiger, "gesunder" Mensch sieht sich diesen Film nicht zuende an, weil er soviel Nekrophilie und morbide ästhetisierende Verachtung des Lebens gar nicht ertragen möchte, auch nicht mit Gelächter. Weil ihn die Künstlichkeit und offensichtliche Verhübschung oder Akzeptanz von seelischem Elend instinktiv anwidern, zum Kotzen bringen würde. „Das ist nicht gay!“ schreit der um Normalität und Integration bemühte `Eine Liebe wie jede andere-Vertreter´, der bloß ein bisschen mehr heiraten und Kinder adoptieren möchte. Und LaBruce lässt stattdessen die Leichen aus dem Keller, denn vom ganzen Katzenschmaus lugt nur noch der Schwanz heraus...wie eklig. Verwesung riecht nicht sexy, sondern, "no offence", nach toter Maus. Und sie hinkt ein bisschen.

    Die meisten Jugendlichen, diese angeblich so beschützenswerten lebensfrohen, lebendigen Menschen, die ihre ganze wunderbare Zukunft - was für eine Zukunft denn bitte eigentlich - noch vor sich haben sollen, hätten überhaupt kein Problem damit sich dieses "Machwerk" bis zum Ende anzusehen und danach bei BurgerKing zu schmausen. Sie würden höchstens vorher den Saal verlassen, weil´s langweilig war. Otto selbst wird nämlich nicht langweilig, er kann stundenlang auf die Uhr starren in einer Erleuchtung des Katatonen. Bullerbü ist abgeholzt und wird nie wieder aufgebaut werden. Es ist schon eine Unverschämtheit heutzutage so zu tun, als wenn Bullbü überhaupt noch irgendein Recht hätte irgendwo zu existieren, außer vielleicht weit oben im Norden, wo es ja hingehört. Vielleicht macht sich Otto am Ende deswegen dorthin auf den Weg, außerdem konserviert die Kälte sein verrottendes Fleisch besser. Auch deswegen ist die Szene in der Medea die Underground Regiesseurin des Films im Film, dem Schokolade schmatzenden Mädchen eine runterhaut, als es dem rohes Filet kauenden Otto vor einer Supermarktfleischtheke gegenübersteht, eine der witzigsten und gleichzeitig gemeinsten Szenen. Es ist sowieso alles ein großer Doublebind. Der gesamte Berliner Prenzlauer Berg, dieser angeblich fruchtbarste Bezirk Europas, in dem die bedrohten Deutschen nicht aussterben, bekommt hier metaphorisch eine gescheuert und würde es ihm denn vielleicht schaden? Nur eben auch das fragend schauende Mädchen, indirekt Otto, direkter bekommt er seine Abreibung später, denn er scheint auch nur die große Ausgabe eines Kindes zu sein, das den Schmerz begraben hat. Aber Otto kann nicht mehr laut heulend wegrennen, er torkelt und stolpert hilflos durch eine ihm fremde Welt hindurch, die ohne jeden Sinn ist, da die Welt nur den Sinn haben kann, den jemand bereit ist, ihr noch zuzuschreiben. Er ist das „Opfer“, das sich nicht körperlich zur Wehr setzen kann, weil er abgeschaltet hat, was seine Täter, die lebendigen Kinder und Jugendlichen, dahingehend interpretieren, das es verdient, was sie mit ihm tun. „Zombies don´t bleed.“ Alleine über diesen Satz kann man mehrere Seiten schreiben…

    Und in den Kontrasten, in der ganzen trällerigen Pupsigkeit, die wie das Waffeleis aus der Schöllertruhe (nehmen Sie sich ruhig mal etwas raus!) auch nach „Chlorine“ riecht, zwinkert einem die alltägliche Brutalität dahinter zu. Wir kennen sie sowieso schon, keiner von uns braucht erst noch einen Fassbinderfilm zur Nachhilfe, um von ihr zu erfahren. Wir alle müssen uns mehrmals täglich innerlich ausknipsen, damit abfinden oder würden daran irre werden. Die nostalgischen Momente flattern vorbei und Bullerbü mag sich in der Rückblende heile anfühlen, aber es ist nicht die Wahrheit, es ist längst unerträglich geworden, ich war selbst da und hab´s gesehen.

    Der Sex im Film endet blutig und ist massig feist wie ein sich windendes Schlangenest. Meistens. Die Zuneigungen untereinander sind inszeniert, Küsschen hier und dort, ein herziger Grabstein zum Geburtstag, mach´s gut und Danke für den Fisch. Meistens. Otto ist ein Vorreiter, denn das Privileg der Toten ist es „nicht mehr sterben zu müssen“. Er nimmt die Dinge wahr, aber er fühlt sie nur noch als Instinkt, er riecht das Fleisch, hört das Gekreische in den Phrasen, sieht die Wärme im Hasenkadaver, spürt die Bedrohung, aber er interpretiert nicht, er nimmt zur Kenntnis, reagiert nur. Da ist keinerlei Impuls, er ist Fatalist. Deswegen ist Otto wirklich der König, zu dem Medea ihn wie Quasimodo am Tag der Narren krönt, filmisch ausstellt und dabei drängelt, sich gefälligst etwas zu beeilen, sie habe schließlich noch anderes zu erledigen, als den ganzen Tag an dieser einen Szene zu drehen. Otto ist ein Stoiker und Fischers Fritze zieht ihn am Ende kurz aus dem Wasser, wobei er stirbt. Oder umgekehrt. Und das macht ihn tatsächlich zu einem Souverän der Welt, die auf uns alle bereits wartet. „C´mon. It´s dead in here. Come on!”

    Diesen Film sehen sich nur tote Seelen oder wandelnde Kadaver gerne an, die hinterher oder mittendrin bemerken, dass die Sache schon etwas „anrüchig und unappetitlich“ ist. Krass, Baby. Sie zwinkern sich dabei gegenseitig zu, während sie nach außen hin kichern oder das Würgen zu unterdrücken versuchen, letztendlich ist sowieso alles nur eine Frage der Zeit. Deswegen muss auch niemand mit irgendwem Mitleid haben. Sei es nun innerhalb oder außerhalb des Kinos. Seltsam, aber so wurde es gedreht.
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#9 hwAnonym