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  • 18. September 2008, noch kein Kommentar

In seiner Heimat Schweiz ist er bereits ein großer Star: Jetzt will der schwule Sänger Michael von der Heide auch Deutschland erobern. Queer.de traf den 36-Jährigen zum Interview.

Von Dennis Klein

Musikalisch hat die Schweiz mehr zu bieten als Albhörner und DJ Bobo. Seit Jahren ist Sänger und Entertainer Michael von der Heide mit gefühlvollen oder peppigen Songs – meist auf Französisch oder Schwyzerdütsch - in den Schweizer Charts unterwegs. 1999 trat er bereits beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest an – weil die Schweiz damals nicht mitmachen durfte. Später arbeitete er mit Größen wie Nina Hagen zusammen.

Mit seinem ersten hochdeutschen Album "Freie Sicht" will der Sänger auch in hierzulande Erfolge feiern. Die Songs hat er in seiner neuen Heimatstadt Berlin aufgenommen – und arbeitete hier mit dem Ich+Ich-Team zusammen. Die meisten Texte schrieb von der Heide gemeinsam mit Heike Kospach (u.a. 2raumwohnung, Nena). Als Bonus gibt es drei Titel in französischer Sprache. Wir sprachen mit dem zurückhaltenden Schweizer über seine Zukunftspläne.

Youtube | Auch auf dem Album ‚Freie Sicht’: ‚Immer wenn du denkst’

Du bist in Schweiz ein Superstar – in Deutschland noch eher nicht so bekannt. Wie würdest Du Deine Musik jemandem beschreiben, der Dich noch nicht kennt?

Das ist schwierig. Ich würde sagen, deutschsprachiger Pop mit französischen Einflüssen. Die Musik ist modern, mit einer Instrumentierung, die ins Folkige und Jazzige geht.

Du singst erstmals ein ganzes Album in Hochdeutsch – kann man sich darin anders ausdrücken als französisch oder schweizerdeutsch? Jedes Lied in jeder Sprache singen?

Ja, jede Sprache hat natürlich ihren eigenen Klang. Aber die Themen – die Gefühle, über die man singt – sind ja immer die Gleichen. Aufgabe der Musik ist es ja, Gefühle zu transportieren. Das kann man in jeder Sprache ausdrücken.

Du könntest also alle Lieder in allen Sprachen singen?

Natürlich müssten die Texte angepasst werden, weil die Melodie der Sprache und die Grammatik anders sind. Aber sonst ist die Sprache egal.

Du bist als Vorgruppe von Ich & Ich in Halle aufgetreten. Ist das Publikum in Deutschland anders als das in der Schweiz?

Das Schweizer Publikum kennt meine Lieder natürlich schon, in Deutschland ist das nicht so. Das ist für mich gut zu sehen, ob die Lieder auch funktionieren. Dann kann ich sehen, ob die Leute auch wirklich zuhören. Eigentlich ist das etwas Tolles für mich.

Youtube | Ein Medley

Das neue Album ist eher ruhiger als die Alben zuvor – warum?

Das ist einfach so entstanden, wie’s im Leben halt kommt. Ich hatte auch lustige Lieder gehabt, aber wir wollten eine stimmige Platte machen und dann hätten diese dort nicht hineingepasst. Ich selbst bin eben auch etwas ruhiger geworden.

Hast Du als schwuler Sänger anderen Zugang zu dieser Musik?

Nein, ich glaube nicht, dass das etwas damit zu tun hat.

Aber in Deiner Musiksparte sind doch eher Schwule anzutreffen als in anderen?

(lacht) Ich glaube, da hören doch viele Disco. Aber im Ernst, es gibt wirklich weniger schwule Gitaristen oder Schlagzeuger. Viele sind dort eher in der klassischen Musik tätig. Ich weiß nicht, warum das so ist. Aber ich drücke meine Gefühle als Mensch aus. Das Schwulsein hat damit nicht viel zu tun.

Hast Du musikalische Vorbilder?

Ich hab keine Vorbilder mehr, dazu bin ich zu lange im Geschäft. Früher habe ich gerne Sänger wie Rio Reiser gehört. Natürlich bin ich auch noch ein Fan von Kollegen. Beispielsweise mag ich Sharleen Spiteri (von der Band Texas, Red.) sehr gerne. Zu Hause leg ich auch etwas von meiner alten Plattensammlung auf – aber nicht meine eigenen Lieder!

Kannst Du Dir vorstellen, irgendwann keine Musik mehr zu machen?

(bestimmt) Nein, nein, nein! Irgendwas werd ich immer mit Musik zu tun haben.

1999 bist Du beim deutschen Vorentscheid zum Grand Prix angetreten – gibt’s bald einen neuen Anlauf?

Nein, das sollen junge Leute machen. Das ist ja etwas für Nachwuchsbands.

Aber wir wollen schließlich mal nicht Letzter werden.

Ihr hatten doch mit Roger Cicero einen sehr guten Beitrag. Ich könnte mir vorstellen, ein Lied für jemanden zu schreiben. Aber ich finde nicht, dass ich da auf die Bühne gehöre.

Das Album "Freie Sicht" erscheint am 19. September.

Livetermine:
09.10.2008 Berlin, Kulturbrauerei (Popkomm)
21.11.2008 München, Pasinger Fabrik
22.11.2008 München, Pasinger Fabrik