Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?936
  • 29. April 2004, noch kein Kommentar

Von Christian Scheuß

Moritz De Hadeln legt skeptisch die Stirn in Falten. Was er zur Qualität schwul-lesbischer Filme sagen könne? "Es wird zuviel unbegründete Nacktheit gezeigt", attestiert der Ex-Berlinale- und seit Anfang April auch Ex-Venedig-Filmfestspiele-Direktor – einem Querschnitts-Genre, dem vom 22. bis 29. April im norditalienischen Städtchen Turin gehuldigt wurde. Zum 19. Mal fand das "Festival Internazionale Di Film Con Tematiche Omosessuali" fand, De Hadeln war eines der Jury-Mitglieder, das unter rund 50 Filmen im Wettbewerb auswählen durfte.

Unter den ausgezeichneten Filmen befindet sich auch die deutsche Produktion "Ein Leben lang kurze Hosen tragen" (siehe Foto oben links). Regisseur Kai S. Pieck erzählt darin die Geschichte des jugendlichen Serienmörders Jürgen Bartsch, der zwischen 1962 und 1966 vier Schüler sexuell misshandelte und ermordete. Den "Special Award" in der Rubrik internationaler Featurefilm habe Pieck wegen seiner "klinischen Beschreibung eines extremen und Angst einflößenden Aspekts einer sexuellen Störung" verdient, so die Jury. Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte wird der Streifen in die deutschen Programmkinos kommen. Leer aus ging dagegen die zwischenzeitlich als heißer Tipp gehandelte Doku "Ich kenn keinen – Allein unter Heteros" von Jochen Hick.

Den Hauptpreis bei den Spielfilmen erhielt der 2003 entstandene thailändische Kassenschlager "Beautiful Boxer", der in kraftvollen Bildern die anrührende Geschichte eines transsexuellen Boxkämpfers erzählt. Daneben wurden in den Kategorien Kurzfilm, Dokumentation und Video insgesamt drei Preise und fünf "besondere Erwähnungen" verteilt. Darunter keine einzige Auszeichnung für eine amerikanische Produktion. "

Aus Europa kommen derzeit die originelleren Filme", stellte Turins Festival-Direktor Giovanni Minerba (Foto rechts) bei der Bekanntgabe der Preisträger am Donnerstag fest.

Das Publikum hatte eine größere Qual der Wahl als die Jury, insgesamt liefen rund 230 Filme in den drei Kinosälen, durchschnittlich 1.100 Besucher täglich trafen ihre Entscheidung. So viel Publikum und Programm gab es noch nie. Das britische Online-Magazin "Planet Out" kürte deshalb flugs Turin zum weltweit größten und wichtigsten Homofilmfestival. Ein Prädikat, das sich in Europa erst noch herumsprechen muss, denn am meisten beachtet wurde dieser Event in der ehemals so wichtigen italienischen Filmstadt bislang nur im eigenen Lande.

Auch die extrem rechte Gruppierung "Alleanza Nazionale" hat seit Jahren ein Auge auf das Ereignis geworfen, dass in ihren Augen reine Geldverschwendung ist. Mit Fahnen und Transparenten protestierten rund 30 Rechte am Eröffnungsabend vor dem Kinosaal. Dabei muss Festival-Direktor Giovanni Minerba noch heftig darum bangen, ob er das Geld, das er in dieser Woche ausgegeben hat, überhaupt komplett wieder hereinholen kann. Hauptgeldgeber sind nämlich öffentliche Stellen. Die Kommune, die Provinz Turin sowie die Region Piemont haben zwar bereits ihre Zusagen über insgesamt 200.000 Euro gemacht. Doch wann wie viel vom italienischen Kulturministerium kommen wird, das steht noch in den Sternen.

Die Gesamtkosten schätzt Minerba auf rund 350.000 Euro. Einen genauen Überblick habe er noch nicht, gesteht er, und hält sich dabei die Ohren zu. Aus dem vergangenen Jahr drückt noch ein Schuldenberg von 48.000 Euro. Augen zu und den Durchbruch schaffen ist derzeit die Devise des Schwulenaktivisten und Cineasten, der vor 18 Jahren dieses Festival erstmals auf die Beine stellte. Was internationales Ansehen und Reichweite angeht, könnte das im kommenden 20. Jubiläumsjahr gelingen.

Die Wettbewerbs-Sieger:

Wettbewerb "Internationaler Feature Film", dotiert mit 3.000 Euro
Sieger: Beautiful Boxer, Thailand 2003

Special Jury Award
- Ein Leben lang kurze Hosen tragen, Deutschland 2002
- Dancing (Ballroom), Frankreich 1992

Wettbewerb Kurzfilm, dotiert mit 1.500 Euro
Sieger: Un beau jour, un coiffeur, Frankreich 2004
Besondere Erwähnung: Drive me crazy, Belgien 2004

Wettbewerb "Internationale Dokumentation", dotiert mit 1.500 Euro
Sieger: Juchitán de las locas, Kanada/Mexiko 2002
Besondere Erwähnung:
- Du ska nog se att det gar over (Don’t you worry, it will probably pass), Schweden 2003
- Sentenciados sin juicio (Sentenced without trial), Spanien 2003

Wettbewerb "Internationales Feature-Video”, undotiert
Sieger: Al Ha’kav (Round Trip), Israel 2003
Besondere Erwähnung:
- Buffering, Hong Kong / Schweiz / USA / Macao 2003
- A Moth And A Butterfly, Canada 2003