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Die Behörden in St. Petersburg haben das schwul-lesbische Filmfestival "Bok o bok" ("Seite an Seite") wegen "Sicherheitsbedenken" in letzter Sekunde verhindert.

Die Veranstaltung sollte vergangene Woche gleichzeitig mit dem deutsch-russichen Forum "Petersburger Dialog" stattfinden, an dem auch Präsident Dmitrij Medwedjew und Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahmen. Allerdings erschienen am Tag der Eröffnung Feuerwehr und Polizei und ließ die beiden Clubs schließen, in denen die Filme gezeigt werden sollten. Die Veranstalter vermuten hinter der Aktion politische Gründe.

"Die russischen Behörden setzen ihre homophobe Politik und verhindern unrechtmäßig selbst solche Veranstaltungen, die hinter verschlossenen Türen in privaten Räumlichkeiten stattfinden", erklärte Homo-Aktivist Nikolai Aleksejew, der bereits als Moskauer CSD-Veranstalter Erfahrungen mit dem Staatsapparat gesammelt hat. "Die einzige schwul-lesbische Veranstaltung, die in den letzten Jahren in Russland abgehalten werden konnte, war 2006 und 2007 eine Konferenz während des CSD im Moskauer Swissotel. Das hat nur geklappt, weil wir einen Konferenzsaal in einem Fünfsternehotel gebucht hatte, das Ausländern gehört, mit denen die Behörden nicht ihr schäbiges Spiel spielen wollten."

Die Organisatoren hoffen nun, dass das Filmfestival zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden kann. Zu der Veranstaltung war auch der offen schwule Regisseur und Schauspieler John Cameron Mitchell ("Hedwig and the Angry Inch", "Shortbus") erwartet worden. (dk)



#1 Anuschka BabbelkopfskajaAnonym
  • 06.10.2008, 16:03h
  • Sehr gut kalkuliert mutig, der junge Mann da im Bild.*

    Zur Zeit findet in Russland in voller Breite ein Vormarsch der Religiösen in die staatlichen Bildungseinrichtungen und ein Vormarsch der Nationalisten in fast alle Bereiche des Mainstreams statt. Beide homophob bis zum Anschlag.
    In den Bildungseinrichtungen wehren sich zur Zeit noch post-sowjetische Atheisten, vor denen die Kircha dann auch heftig warnt; der Mainstream lauscht obszön den Nationalisten.

    Auch der russische Ultra-Nationalismus bezieht sich gerne, wie der israelische Ultra-Nationalismus (Zeev Jabotinsky/Zionimus) auf den italienischen Typ des Faschismus des letzten Jahrhunderts.
    Der buchstäblich weit- und "hoch"reichendste Propagandist der russischen Variante ist Alexander Dugin.
    In einem Artikel „Linker Nationalismus“ von 1992, einer ausschweifenden Apologie des russischen Ultra-Nationalismus, betont Dugin, dass „die Exzesse [des Faschismus] in Deutschland eine Sache ausschließlich der Deutschen und ihrer nationalen Spezifika“ sind.

    In seinen Aufsätzen von 1994 konzipiert er die „Konservative Revolution“. Eine nebulöse Ideologie des Dritten Weges:
    „Der italienische Faschismus in seiner Frühzeit sowie während der Italienischen Sozialen Republik in Norditalien (die Republik Salo) basierte fast gänzlich auf den Prinzipien der Konservativen Revolution. Die vollständigste und totalste (wenn auch, so muss man allerdings zugeben, nicht die orthodoxeste) Verkörperung des Dritten Weges aber war der deutsche Nationalsozialismus.“
    Dugins Beschwörung der „Metaphysik des Nationalbolschewismus“ mündet dieser Faschismus in eine neue Trinität: „Jenseits von ‚Rechten’ und ‚Linken’ [liegt] die einheitliche und unteilbare Revolution in der Triade ‚Drittes Rom – Drittes Reich – Dritte Internationale’.“
    In einem Interview aus dem Jahre 1996 verneinte Dugin zwar, wie auch bei anderen Gelegenheiten, dass er ein „Faschist“ sei, was angesichts der negativen Konnotation des Begriffs „Faschismus“ und des Erlebens der deutschen Variante in Russland kaum überrascht. Er räumte jedoch ein, dass er „den frühen Italofaschismus mag“ und sich „nicht scheue, dies auch zuzugeben“.
    (Dies deckt sich übrigens auch mit Äußerungen des Berlusconis-Clubs nach seiner Wahl in Italien)
    .Zudem gäbe es „eine Periode im [frühen] deutschen Nationalsozialismus“, die er „interessant“ fände. Dugin bezeichnet sich in diesem Interview, wie in zahlreichen späteren Stellungnahmen, als „konservativen Revolutionär“ und „Nationalbolschewiken“, also mit jenen Begriffen, die er anderer Stelle mit dem Dritten Reich in Verbindung brachte. Obwohl Dugin seit seinem Aufstieg ins politische Establishment ab 1998 derart eindeutige Stellungnahmen vermeidet, finden sich die oben zitierten und ähnliche Statements bis heute auf seinen Internetseiten.

    Am Rande bemerkt sei, dass hinter den rechts-populistischen Masken von in Russland geborenen und nach Israel ausgewanderten Juden, mit "millionenfachen" Möglichkeiten sich dieses Gerüst verbirgt (s. Gaydamak, extrem homophob, Bürgermeisterkandidat für Jerusalem). Wie zu Zeiten des zionistischen Extremisten Jabotinskys ist ein nicht-eliminatorischer Anti-Semitismus durchaus
    erwünscht, da dieser den Anteil der "fliehenden" Juden nach Israel erhöht und damit die Menschenanzahl für
    nationalistische und rassistische Gesellschafts-Entwürfe, gerade in und für Krisenzeiten.
    Seit Jahren ziehen es Juden aus GUS-Staaten jedoch vor, von der Möglichkeit der Auswanderung nach Deutschland Gebrauch zu machen.
    Aber zurück. In den westlichen Medien hat der manifeste Extremismus Dugins und sein kontinuierlicher Zugewinn an politischem Gewicht bisher wenig Aufmerksamkeit erregt.
    Dugin ist durch regelmäßiges Schreiben für z.T. sehr einflussreiche Printmedien und als häufiger Gast in diversen politischen und kulturellen Fernsehsendungen circa einmal pro Woche in einem der staatlichen oder halbstaatlichen Rundfunk- oder Fernsehkanäle Russlands präsent.
    Aufgrund seiner Eloquenz und Belesenheit hat er sich zu einem beliebten Interviewpartner russischer Journalisten entwickelt.
    [Wer fällt einem da in Deutschland ein ???]
    Zählt man die Medienauftritte seiner
    verschiedenen politischen und intellektuellen Mitstreiter hinzu, kommt man auf eine beinahe tägliche Präsenz der „Duginisten“ in den Massenmedien Russlands.
    Die sich notorisch gebildet Dünkenden, also die reale Einflüße meist unter- und sich selbst überschätzende Klasse der Samowar-Intellektuellen exotisieren Dugin bescheidwisserisch überwiegend als kuriosen „politischer Wanderprediger“, der „ungelüftete Debatten über Geopolitik und Russlands Wiedergeburt als kontinentales Imperium“ liebe.
    Manche Intellektuelle nehmen gerne ihre
    Nischen und Milieus als Ganzes, zumindest als Wichtigstes.
    Dugin ist da ganz anders.
    1998 wurde er für einige Jahre offizieller Berater von Gennadi Selesnjow, damals Sprecher des Unterhauses des russischen Parlaments, der Staatsduma. Heute sind einige prominente politische Figuren Russlands Mitglieder des „Höchsten Rates“ von Dugins Internationaler Eurasischer Bewegung. Unter anderem der Vizesprecher des Föderationsrates, das heißt des Oberhauses des russischen Parlaments, Alexander Torschin, sowie der Kulturminister der Russischen Föderation, Alexander Sokolow. Neben weiteren wichtigen Vertretern der politischen Sphäre findet sich dort auch eine Reihe einflussreicher Persönlichkeiten aus dem akademischen und öffentlichen Leben, so etwa der Oberste Mufti der Spirituellen Verwaltung der Muslime Russlands und der europäischen Länder der GUS, Talgat Tadschuddin, der Präsident der Nationalen Assoziation der Fernseh- und Radiosender und Mitglied der Verwaltung der Russischen Akademie für Fernsehen, Eduard Sagalajew, sowie das Mitglied der Akademie der Wissenschaften der Russischen Föderation und Vizepräsident der Gesellschaft der Georgier in Russland, Sewerjan Sagarischwili. Von außerhalb Russlands hat Dugin ebenfalls einige namhafte, wenn auch weniger einflussreiche Mitglieder für seine Bewegung rekrutiert, so etwa die in der Ukraine berühmtberüchtigte Vorsitzende der sogenannten Progressiven Sozialistischen Partei, Natalja Witrenko.
    Dugins Think Tanks und Spin-Doctors streben die Diskurs-Hegemonie an. In Hochschulbereichen, im religiösen Leben und
    im Militär.
    Gegen dieses 'auch' homophobe Milieues kann man etwas unternehmen, wenn man die Präsentation der russischen und ukrainischen hochauflagigen Journale Profil’ auf dem WWW (
    www.profile.ru/)
    thematisiert und kritisiert:
    Auf den Vorderumschlägen der Printausgaben gibt es wohl eine Zusammenarbeit dieser Zeitschriften mit DER SPIEGEL.
    Auch drucken die Zeitschriften regelmäßig russische Übersetzungen von SPIEGEL-Beiträgen ab.

    Der derzeitige Chefredakteur beider Magazine ist der bekannte russische Fernsehjournalist Michail Leont’ev. Er gilt als Lieblingsjournalist Putins und ist ein fanatischer russischer „Patriot“.2001 war er Gründungsmitglied des Zentralen Rates von Aleksandr Dugins radikalenBewegung „Eurasien“.
    Nochmals: In den neunziger Jahren bezeichnete Dugin die Waffen-SS als eine „intellektuelle Oase“ im Dritten Reich. Als Chef der sogenannten Internationalen Eurasischen Bewegung, deren Leitungsmitglied Leont’ev einst war, bedauerte er den Tod Reinhard Heydrichs, eines, wie Dugin meinte, „überzeugten Eurasiers“. Unter dem Pseudonym „Aleksandr Šternberg“ verfasste Dugin eine Ode auf Heinrich Himmler.
    Dugin wird in Deutschland manchmal als letztlich harmloser, ja „aufrichtig besorgter Bewahrer der russischen Lande porträtiert“ wird. Damit wird die russische Maske Dugins in den deutschen Medien teilweise, eigentlich verantwortungslos, transportiert.

    www.profile.ru/items/?item=25557


    www.profile.ru/items/?item=25558

    www.wcfia.harvard.edu/node/589.

    * off topic
    Ein anderer Mutiger:

    "..Obwohl dies heutzutage nicht mehr relevant für die Bewertung seiner politische Tätigkeit ist, wollen vor allem konservative irische Katholiken weitestgehend nicht akzeptieren, dass einer ihrer Nationalhelden homosexuell gewesen sein soll..."

    de.wikipedia.org/wiki/Roger_Casement
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