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Zum ersten Mal im deutschen Kino zu sehen: Derek Jarmans Debütwerk. Ein schwules Märtyrerdrama aus dem Jahr 1976.

Von Carsten Weidemann

Der erste Spielfilm von Derek Jarman ist ein Kult- Klassiker des erotischen Kinos und nun erstmals in den deutschen Kinos zu sehen. Er greift zwar geschichtlich auf die christliche Märtyrerlegende zurück, inszeniert den heiligen Sebastian aber nach berühmten Vorbildern als schwule Ikone. Der erste und einzige Erotikfilm mit lateinischen Dialogen – und damit laut Verleih "auch für Schulklassen geeignet". Glücklicherweise gibt es deutsche Untertitel.

Die Story: Der bei seinem Kaiser Diokletian in Ungnade gefallene Gardist Sebastiane wird an einen isolierten Außenposten des Reichs verbannt. Die anderen Soldaten dort vertreiben sich in brütender Hitze die Zeit mit Schwertübungen, Schwimmen, Körperpflege und erotischen Spielen. In der aufgeheizten Situation gerät er in Konflikt mit dem sadistischen Hauptmann Severus, der heimlich in ihn verliebt ist. Da Sebastiane sich ihm verweigert und sich außerdem zum Christentum bekennt, wird er von seinen Kameraden mit Pfeilen erschossen.

Der Heilige Sebastian, ein Märtyrer, der für seinen Glauben den Tod riskiert, wurde schnell zu einem der populärsten katholischen Heiligen. Der nackte schöne Soldat, von Pfeilen durchbohrt und den öffentlichen Blicken ausgesetzt, ist aber auch seit jeher eine schwule Ikone. Eines der wenigen künstlerischen Themen (vor allem in der Renaissance), in denen der nackte männliche Körper gefeiert werden konnte, aber auch ein komplexes erotisches Motiv mit Elementen des Masochismus wie des Voyeurismus.

Youtube | Ausschnitt aus dem Erotik-Klassiker

In seiner schwulen Aufladung ist der durchbohrte Körper des Heiligen einerseits ein Hinweis auf Zeiten, in denen schwules Begehren sich des Bildrepertoires einer repressiven christlichen Kultur bediente, um sie mit anderen Bedeutungen auszustatten – andererseits war darin der begehrende schwule Blick auf den männlichen Körper immer auch mit Gefahr, Martyrium und Zensur verbunden. Nicht zuletzt deshalb ist zu erklären, dass in den Zeiten der Aids-Hysterie eine Renaissance des Sebastian-Motivs in der schwulen Kunst zu beobachten war.

Jarmans Debüt wurde mit großer Aufmerksamkeit bedacht und auch von vielen Seiten kritisiert. Für Jarman ging es in Sebastiane vor allem um Homosexualität. "Es ist vielleicht der erste Film überhaupt, der Homosexualität als gesellschaftliches Faktum herausstellt, das überhaupt nicht hinterfragt wird – als Antwort auf all die anderen Filme, in denen Heterosexualität als Normalität vorausgesetzt wird und ihrerseits niemals hinterfragt wird. Das ist auch nicht – wie andere Filme vorher – ein Film für ein Ghetto-Publikum – oder für ein heterosexuelles, für das schwule Beziehungen von außen als ‚etwas Besonderes‘, als soziales oder persönliches Problem dargestellt werden. In unserem Film geht es um eine Gruppe von Männern, isoliert von der restlichen Gesellschaft – das ist ein Labor vieler möglicher Arten von Beziehungen – die leider, wie es Sebastianes apollonischen Phantasien schon vorwegnehmen, seitdem bis heute aus der sozialen Welt verdrängt wurden und werden", so Jarman in Interviews zum Filmstart.



#1 gatopardo
  • 16.10.2008, 15:47h
  • Ja ich erinnere mich gut an den Film, den wir gleichzeitig mit dem Ende der Franco-Ära als enormes Befreiungsepos von der Verfolgung Homosexueller im Lande feierten. Das Kino-Ereignis sprach sich wie ein Lauffeuer in unseren Kreisen herum und wochenlang bestand das Publikum im Saal aus einer Ansammlung von Schwulen. Wer hätte damals gedacht, wie sich die Zeiten ändern und dass man für die Jungs heutzutage ganz andere Geschütze auffahren muss, um sie zu begeistern ?
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#2 antos
#3 gatopardo