Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?9503

Eine Stadt der Superlative. Mit weit über vier Millionen Besuchern jährlich richtet Sao Paulo den größten Gay Pride der Welt aus. Mehr als 100 schwule Bars, Saunen und Clubs, eine gigantische Auto-Cruising-Area sowie Dutzende von Schönheitskliniken locken die schwulen Touristen aus aller Welt in Brasiliens Mega-Stadt.

Von Hermann J. Huber (Text & Fotos)

Luciane Leite strahlt übers ganze Gesicht, als sie uns empfängt. Sie ist Direktorin des Tourismusamtes von Sao Paulo. Mehrere Jahre hat sie in Berlin gelebt, daher weiß sie, was eine Gay-Metropole ist. Auch ihr Sao Paulo, mit über 20 Millionen Einwohnern drittgrößte Stadt der Welt, will sie als solche vermarkten. Stolz verweist sie darauf, dass allein zum jährlichen Gay Pride mehr als vier Millionen Besucher strömen. Dieser Gay Pride, der größte der Welt, ist von der Wirtschaftskraft her mittlerweile mehr wert als das jährliche Formel-1-Rennen oder der berühmte Silvester-Marathon.

Auch der Sekretär des Oberbürgermeisters, selbst schwul, betont die "riesige Bedeutung" des Gay-Tourismus für das größte Wirtschaftszentrum Südamerikas. Sao Paulo, gerne als "Metropolis" bezeichnet, rühmt sich besonders, weit über 100 deutsche Unternehmen in der Stadt zu haben. BMW und VW produzieren hier, Porsche hat hier seine Südamerika-Niederlassung. Die Börse gehört zu den fünf wichtigsten der Welt. Die Gegend um die Börse ist tausendmal aufregender als die kleine New Yorker Wallstreet.

Erst wenn man auf dem Banespa Tower steht, in den sechziger Jahren einmal das höchste Gebäude der Welt, kann man die Ausmaße von Sao Paulo überblicken. Ein unüberschaubares Meer an Hochhäusern und Parks, das sich bald über die Berge erstrecken wird. New York mit seiner gigantischen Skyline würde hier dreimal hineinpassen, dazu noch zweimal Chicago. Unser Frankfurt, lächerlich, es würde in einem Teil eines Stadtteils verschwinden.

Helikopter und Autocruising

Sao Paulo ist die reichste Stadt Brasiliens. Über 500 private Helikopter sind in der Stadt angemeldet, um deren Besitzer jenseits des zähflüssigen Straßenverkehrs in ihre Villen und Apartments zu bringen. Die Innenstadt hat Züge von Paris und New York, gleich dahinter sieht es aus wie in Beirut. Die Favelas, die Armenviertel, werden zwar durch die Hochhäuser immer mehr über die Berge zurückgedrängt, doch sie bleiben sichtbar – vor allem wenn man einen Ausflug an den 70 Kilometer entfernten Strand macht.

Während in Rio de Janeiro das Thema Kriminalität gerade für Touristen eine ganz große Rolle spielt, fühlt man sich in Sao Paulo schon instinktiv viel sicherer. Das Zentrum sowie die Stadtteile (Jardins) um die Paulista, der großen Prachtstraße mit ihren Theatern, Kinos und über 200 Restaurants, sind auch nachts problemlos aufzusuchen. Selbst im Parque do Ibirpuera, um den jeden Abend Tausende (!) von Jungs mit ihren Autos und Motorrädern auf Männerfang gehen, kommt nicht wirklich Angst auf. Dieses Autorama wimmelt nur so von Gays. Wer keinen fahrbaren Untersatz hat, um hier durch die Parkplätze mit den Schlangen von wartenden Kerlen zu kurven, kann sich am Eingang sogar ein Fahrrad leihen. Für die Marschverpflegung sorgen kleine Imbissbuden.

In zahlreichen Parks (Marcelo de Alvear, Raca Roosevelt) suchen Stricher und vor allem Transsexuelle nach Freiern. In Sao Paulo, so erzählt uns Reiseführer Fernando, leben zig Tausend transsexuelle Männer. Häufig haben sie sich bereits ihren Busen vergrößern lassen, doch sie verfügen noch über ihre männlichen Geschlechtsteile. In dieser Kombination sind sie vor allem für Heteromänner begehrte Sexobjekte. Trannys und Drag Queens sind auch in der Szene auffallend häufig zu finden. Sie bevölkern die VIP-Logen der Discos oder arbeiten sogar als Türsteher.

Schönheitskliniken: Neue Nase, neue Zähne

Sao Paulo ist eine der Welthauptstädte der plastischen Chirurgie geworden. In einem Viertel liegt eine Schönheitsklinik an der anderen. Neuer Busen, neue Nase, Fettabsaugen oder die Dosis Botox: Hier kann man seinen Körper preiswert runderneuern lassen. Das gilt auch für neue Zähne. Für 500 Real, das sind rund 168 Euro, gibt es einen neuen Zahn. In Sao Paulo wird viel gelächelt – und gefeiert.

Weit über 100 Gay-Lokale haben sich etabliert. Den Club "Blue Space", der mit fantastischen Partys und Stripshows aufwartet, sollte jeder Partyfan besuchen. Unvergesslich sind auch die Partys von Flavio Lima, genannt "The Week", im Stadtteil Lapa. Mehrere tausend Schwule strömen jedes mal in die Techno-Hallen und Gärten, die mit Palmen und Pool ein wenig ägyptisch wirken. Hier tanzen die schönsten Jungs, treffen sich einflussreiche Leute und Promis. Keiner wird von hier alleine nach Hause gehen.

"Brasilianer sind sowieso bi"

Rund 15 Prozent der Bewohner von Sao Paulo, das wären 2,5 Millionen Männer, so schätzt nicht nur Gay-Guide Fernando, sind schwul. "Brasilianer sind sowieso bi", lacht er, um zu erklären, warum man viele Sexkontakte einfach auf der Straße, in Cafés oder Parks knüpfen kann. Wem das schwer fällt, der sollte einfach in eine der großen Saunen gehen. Die "Thermas Lagoa" ist ein Muss. Hier tummeln sich jeden Tag ab 16 Uhr nachmittags bis zu 150 traumhaft schöne Kerle und Jungs, um ihre Gönner zu verwöhnen. 100 Real sind fällig, wie in Rio. Doch die Auswahl ist noch größer, vielleicht auch der Hunger. Die "Lagoa" ist ein Schlaraffenland für alle, die sich einmal das Besondere gönnen wollen. Einige der Traumjungs haben in Pornos mitgespielt, viele haben zuhause aber auch Frau und Kinder. Weil die Boys in den Vorstädten wohnen, werden die Saunen meist schon um 23.00 Uhr geschlossen. Denn später fahren keine Busse mehr, um nach Hause zu kommen.

Das Tourismusamt ist sich dessen bewusst, dass viele Touristen wegen der aufregenden brasilianischen Männer anreisen. Lucian Leite lächelt. Sie drückt uns eine Hochglanzbroschüre in die Hand, den offiziellen Werbeprospekt von Sao Paulo. Selbst darin finden wir Infos gezielt für Schwule. Vorbildlich für eine Weltstadt.

Galerie:
Gay Metropolis Sao Paulo
5 Bilder


#1 seb1983
  • 19.10.2008, 13:11h
  • Für 100 Real einen Expornodarsteller der damit dann daheim Frau und Kinder durchfüttern muss, einwandfrei, das sind keine 40 euro.

    Bleibt nur die Frage: Ist es "per Definition Diskriminierung" wenn Heteros zum Poppen nach Thailand fliegen und Schwule nach Brasilien müssen?
  • Antworten » | Direktlink »
#2 VinceAnonym
  • 19.10.2008, 15:57h
  • Ekelhaft! Dem Autor zufolge ist ganz Sao Paulo ein einziger Riesenpuff! Wow... was fuer ein Paradies!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 SaschaEhemaliges Profil
  • 19.10.2008, 21:29h
  • Wer ein Problem damit hat, dass in einem schwulen Internetportal der "gay aspect of life" einer Weltmetropole wie Sao Paulo dargestellt wird, der muss sich wohl auf die falsche Seite verirrt haben.

    Was genau soll hier bitte "ekelhaft" sein? Dass es in Sao Paulo viele Schwule und ein ausgeprägtes schwules Nachtleben gibt? Dass auch Schwule (obgleich bei weitem nicht in so hoher Zahl wie Heterosexuelle) "Call Boys" in Anspruch nehmen und Prostitution nun einmal - wie schon immer seit Menschengedenken - ein Teil der gesellschaftlichen Realität ist?

    Dies rechtfertigt wohl kaum, eine Stadt mit einer ausgesprochen beeindruckenden menschlichen, kulturellen, und ja: auch schwulen, Vielfalt bzw. einen meiner Meinung nach der Intention dieser Internetseite angemessenen Beitrag zu dieser Stadt, mit derart herabwürdigenden und beleidigenden Attributen zu belegen.

    Wir können gern über das Thema Sextourismus kritisch diskutieren, aber weder kann ich in dem vorliegenden Artikel einen Aufruf zu eben dieser Art des Tourismus erkennen, noch ist Sextourismus in erster Linie ein schwules Thema. Der Artikel spiegelt in diesem Punkt lediglich die Lebensrealität JEDER größeren Stadt dieser Welt wider, und das Letzte, was in diesem Zusammenhang angebracht ist, ist ein verlogener, heuchlerisch-"moralischer" Zeigefinger.

    Die einzige Schwäche des Artikels ist der altbekannte, klischeehafte Verweis auf die angeblich so schlechte Sicherheitslage in Rio de Janeiro, die ich als jemand, der insgesamt über zwei Jahre dort gelebt und sich fachlich mit der dortigen Stadtentwicklung beschäftigt hat, in dieser Form nicht bestätigen kann. In den Räumen, in denen sich Ausländer und Touristen für gewöhnlich bewegen, ist das Risiko nicht nennenswert höher als in jeder anderen großen Metropole dieser Welt. Wer nicht unbedingt meint, sich mit all seinen Reichtümern öffentlich und am besten noch mitten in der Nacht in jeder noch so dunklen Gasse in Szene setzen zu müssen, hat in Rio üblicherweise nicht mehr zu befürchten als anderswo. Daher ist und bleibt Rio de Janeiro für mich nicht nur in Hinblick auf die Gay-Szene, sondern vor allem in naturräumlicher und kultureller Hinsicht ebenso wie mit Blick auf die besonders gelassene Lebensart der "cariocas" die eindrucksvollste Metropole Brasiliens - und zugleich eine der schönsten Städte der Welt!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 EselAnonym
  • 20.10.2008, 12:58h
  • Antwort auf #3 von Sascha
  • Nicht nur die klischeehafte Sicherheitslage ist ein Manko des Autors, auch Begriffe und Formulierungen sind hier ganz klar nicht durchdacht.

    So handelt es sich z.B. um "transsexuelle Frauen" und keineswegs um "transsexuelle Männer" (welcher Mann lässt sich freiwillig die Brüste vergrößern?). Das ist ganz klar eine fehlerhafte Formulierung.

    Ich finde den Ton den Artikels generell etwas daneben - diese Stadt ist durch diesen Artikel um keinen deut attraktiver geworden für mich, im Gegenteil...
  • Antworten » | Direktlink »