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Eine Woche lang wurde über Haiders Vorlieben geschwiegen. Jetzt überschlagen sich die Medien mit Berichten direkt aus dem Schambereich.

Von Carsten Weidemann

Am vergangenen Wochenende fand die Trauerfeier und anschließende Beisetzung von Jörg Haider statt, unter Beteiligung zahlreicher staatlicher und geistlicher Vertreter. Kaum sind die ersten Blumen an den Beileidskränzen verwelkt, schieben die österreichischen Medien nach, worüber sie in der vergangenen Woche noch überwiegend geschwiegen haben. Was hat Jörg Haider in der Todesnacht tatsächlich getan, und was waren die wahren Vorlieben des verheirateten rechtsgerichteten Politikers? Zeitungen zitieren Augenzeugen, die Haider in der schwulen Szene gesehen haben und ihn zum Teil auch näher kannten.

Minutiös rekonstruiert das Magazin "Profil" die letzten Stunden von Haider, der diverse Termine an dem Samstag absolviert hatte und zuletzt im Klagenfurter Lokal "Städtkrämer" aufgetaucht war. Haider sei mehrmals im Monat in dem schwulen Lokal aufgetaucht, habe dort aber in der Regel nur Nichtalkoholisches konsumiert. In dieser Nacht sei es anders gewesen. Er habe eine Flasche Wodka bestellt. Die Staatsanwaltschaft berichtet zudem von einer E-Mail, die ein Gast der Kneipe geschickt hatte. Darin berichtet der Augenzeuge, dass man Haider noch angeboten habe, ihn wegen seines betrunkenen Zustandes nach Hause zu bringen. Doch Haider habe abgelehnt.

Das Boulevard-Magazin DCRS-Online zitiert einen 18-jährigen Besucher der Kneipe: "…Haider unterhielt sich mit einem Mann an der Bar vom Stadtkrämer, den ich nicht kannte. Sie tranken Wodka und Averna… Haider fragte mich plötzlich spontan, wie es mir geht, und lud mich auf ein Getränk ein. Ich bestellte einen Wodka. Ein weiteres Getränk lehnte ich aber ab, weil ich schon so fertig war. Dann ging ich…".Ein weiterer Besucher der Klagenfurter Szene meint im Interview mit DCRS: "…Jörg Haider stand auf große, blonde, blauäugige junge Männer…Er hatte eine Vorliebe den typischen Arier…Und jung sollten sie sein…Ich würde mal sagen, nicht über 30…", berichtet Uwe K.

Unterdessen erinnerte Österreichs schwul-lesbische Bürgerrechtsorganisation "Rechtskomitee Lambda" (RKL) daran, dass Jörg Haider Gerüchten über seine eigene Homo- oder Bisexualität "stets mit Gleichmut begegnet" sei: "Nie hat er sie (wie so manch andere) empört zurückgewiesen. Diese menschliche Größe haben wir ihm - bei aller Gegensätzlichkeit in anderen (menschenrechtlichen) Fragen – stets hoch angerechnet", heißt der aktuellen Ausgabe der RKL-Zeitschrift "Ius Amandi".

Das RKL betonte auch, es war Haiders "offene Haltung, die die ÖVP in den 90er Jahren bspw. in der Frage der anti-homosexuellen Sonderstrafgesetze ganz gewaltig in die Enge trieb. 1996 schaffte seine FPÖ zusammen mit SPÖ, Grünen und LIF (gegen den Widerstand der ÖVP) das Vereinsverbot ab. Und bei der Abstimmung über das Werbeverbot ermöglichte damals die (zufällige?) Abwesenheit zweier FPÖ-Abgeordneter ebenfalls die Aufhebung." Die Abwesenheit mehrerer FPÖ-Abgeordneter habe auch im Sommer 1998 das Ende des Strafrechtsparagraphen 209 eingeleitet, der für schwule Männer eine höhere Altersgrenze vorsah als für Heteros und Lesben.



Haider lebt - 1. April 2021

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25 Kommentare

#1 RabaukeAnonym
  • 20.10.2008, 16:27h
  • Feste druff,druff,druff!!!! Ich verstehe zum einen, sollte sich das, was in der Boulevardpresse steht, als wahr herausstellen, der Aufschrei unter allen Homsexuellen gerechtfertigt ist. Wenn Haider aber schon früher im "Stadtkrämer" verkehrte, warum hat das Niemand von der feinen Presse, als Haider die NS Geschichte, den Holocaust verhönte, schon einmal angeprangert! Dieser Mensch ist gestorben, gestorben mit einem zweiten Gesicht dieses er niemals ausleben, zeigen konnte.
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#2 Sebastian123
  • 20.10.2008, 16:47h
  • Tja jetzt gibt es sie, die schwulen Rechten!
    Die schwule Welt wird aufschreien, weil sie mal wieder um Ihre Besonderheit fürchtet.

    Schwule sind Menschen wie alle Anderen auch, nichts besonderes und auch nicht sonderlich erwähnenswert. Rechts, links, groß, klein, dick, dünn, schlau, doof... Einfach Mensch!

    Ach ich freu mich... lol
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#3 gerdAnonym
  • 20.10.2008, 17:16h
  • Lasst doch den Herrn Haider zufrieden
    es ist eine schande wenn mann nocht
    einmal im Tode seine RUHE findet
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#4 TimmAnonym
  • 20.10.2008, 17:38h
  • da nimmt doch gerade einer meinen Nicknamen "gerd". Dann schreibe ich halt mit "Timm".

    Natürlich muss dies hier an die Öffentlichkeit und ganz klar diskutiert werden. Schweigen hilft immer nur den rechtskonservativen, rechtsklerikalen Kräften. Genauso wie versucht wird, die sexuelle Orientierung von katholischen Priestern zu verschweigen, damit die Bevölkerung nicht begreift, dass das System der katholischen Kirchenwelt auf schwulen Männern in der Vergangenheit aufgebaut war, wollen rechte Politiker es nicht wahrhaben, wenn "einer der Ihren" schwul/bisexuell war/ist. Daher bin ich sehr dafür, dass dies in den Medien entsprechend "breitgetreten" wird.

    Während Deutschland und die Schweiz schon längst die Lebenspartnerschaft eingeführt haben, hinkt Österreich immer noch hinterher. Welchen Einfluß der Tod von Haider auf das Projekt Homo-Ehe jetzt in der Neuauflage der Grossen Koalition in Österreich hat, ist schwer zu beurteilen. Bin mal gespannt, ob in vier Jahren am Ende der Legislaturperiode die österreichischen Sozialdemokraten die Lebenspartnerschaft durchgesetzt haben.
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#5 Luke12
  • 20.10.2008, 17:49h
  • Antwort auf #2 von Sebastian123
  • Wie 'jetzt gibt es sie'? Schon mal was von Erich Röhm gehört, dem Mitbegründer der SA und langjährige Weggefährte Adolf Hitlers, der seine Homosexualität relativ offen lebte und unter eben dem Vorwand wurde er übrigens dann auch aus dem Weg geräumt, als man ihn nicht mehr benötigte. Auch dem größten Verbrecher und Volltrottel aller Zeiten Adolf Hitler werden zumindest homoerotische Neigungen unterstellt. Schwule Rechtsextremisten, die sich ihr ganz eigenes Menschen- und Rassenbild zusammenbasteln, ist nun wahrlich nichts neues. Sie verherrlichen das arisch-germanische Männerbild, das der griechischen Antike entlehnt wurde und preisen schwulen Sex als Beweis männlicher Kraft.

    Es gibt organisierte schwule Rechtsextremisten, die diesen Mist tatsächlich mit Inbrunst vertreten. Das bedeutet und da gebe ich dir zu 100% Recht, Schwule sind vor grenzenloser Dummheit nicht gefeit. Was das allerdings mit 'einfach Mensch' sein zu tun hat, erschließt sich mir leider nicht.
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#6 resi von der almAnonym
  • 20.10.2008, 18:01h
  • Antwort auf #2 von Sebastian123
  • Ach nein, das glaube ich jetzt nicht.
    Die schwule Welt, die Adorno kennt, weiß daß dieser nie geschrieben hat, es gäbe keine konformierenden Asozialen in schwul.

    Für die Geschockten, die wenigsten trauernd, riß diesmal Haiders gelebte Verantwortungslosigkeit, den führenden Helden ihrer Mut- und Machtphantasien in die Walhalla;
    mit einer edel-neo-germanischen Dienstkarosse mit brachial-teutonischer(Tacitus) Verve von der Straße auf einen Betonpfeiler.
    (Wer aber erbaute diesen ? (Brecht!).)
    Einen solchen Aufprall übersteht auch kein teutonisches Luxusgefährt.
    Der Führer hatte keine Chance.
    Der Tabu-Bruch ging dem zu weit.
    Nach Georgien, dem Köln-Desaster, dem Paulson-Plan, und Merkels Verordnungsgesetzen, machte sich die Physik und die Logik,
    für diese Sorte Mensch in Austria ein weiteres Mal krachend spürbar.

    Es war darum vereint in ihrer Betroffenheit, die pluralistische Gesellschaft konformierender Asozialer, als Trauer inszeniert.

    "Die Trauernden": antisemitische Nazis, proisraelische und islamophobe Rechtspopulisten,
    antisemitische Muslime, deutschnationale Österreicher, alpine Klerikalfaschisten, morgenland-verängstigte Kaisertreue.
    Dies zelebrierend vor der versammelten Staats- und Partei(en)führung Österreichs.

    Oam Zentralplatz woar oa Schdimmung, wias oa lebdag niama woa.

    In selten gekannter Einheit den stets braungebrannten Bergfex ehrend und munter nach den "wahren" Schuldigen für dessen Tod suchend.

    Es hätt' nur noach gföit, dass der Broda füa di Lähdi Jörg oa "Kerzerl im Wind" gspüit hätt.

    Zu weit hergeholt ? Im Netz trauerten frenetisch folgende Sites vereint: PI-ler, Ostmark-Freunde,
    proisraelische bushisten und andere Gottesanbeterinnen.(Heuschrecken ?)
    Für einen Teil dieser Leut' wird doas eh schoo oa fuachtboares Joar.

    Das Anno Horribile wird mit der vermutlichen Wahl Obamas einen weiteren Höhepunkt finden.

    Dös is ois ned normal – doa steckt ganz ganz sicha oa übermächtiga Foind dahinta !

    Eh scho schoad des ganze, mit oam Pink Wave unter der Schiamhörschaft vuam
    Landeshauptmann ...noa dann hoid oa andrer fescher brauner buab

    de.youtube.com/watch?v=ofiEaBUdg7c
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#7 RalfAnonym
#8 antos
  • 20.10.2008, 19:21h
  • Antwort auf #6 von resi von der alm
  • "...mit einer edel-neo-germanischen Dienstkarosse mit brachial-teutonischer(Tacitus) Verve von der Straße auf einen Betonpfeiler..."

    Wie hervorragend Elfriede ["Friends call her Elfi"] Jelinek diese Melange aus aggressiver Selbstberauschtheit, schleimiger Ankopplung an falsche Vergangenheitsbilder ["Müten in Tüten", P. Rühmkorf] und - hallo auch, Katholiken! - unserem lüsternen Verlangen nach vielversprechenden Oberflächen schon vor 8 Jahren ausgestellt hat - in ihrem Haider-Monolog "Das Lebewohl":

    www.a-e-m-gmbh.com/wessely/fadieux.htm
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#9 antos
#10 Der böse PiefkeAnonym
  • 20.10.2008, 20:30h
  • Ich sehe Herrn Haider letztendlich AUCH als überangepasstes OPFER einer nach wie vor weit verbreiteten Homophobie (leider nicht nur) in seinem Lande. Sie ist ebenso mit Ursache dafür, dass so fleissig versucht wurde manches unter den Tisch zu kehren.

    Homophobie ist dafür verantworlich dass Jörg Haider nicht voll und ganz zu sich stehen konnte. Und Homophobie ist auch dafür verantwortlich dass in Österreich selbst diejenigen die seine politischen Ansichten teilen nicht manns genug sind voll und ganz zu ihm zu stehen.

    Hart aber wahr!
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