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Dem Magazin "Vanity Fair" verriet der schwule Comiczeichner, warum er Religionen misstraut und was ihn dazu gebracht hat.

Von Carsten Weidemann

Dass Ralf König, Deutschlands berühmtester Comic-Autor, mehr ist als der Chronist der deutschen Schwulenszene, dürfte sich herumgesprochen haben. Bester Beweis ist sein neuer Band "Prototyp", in der er seine ganz eigene Version der Schöpfungsgeschichte abliefert. Mit dabei bekannte Akteure: Adam und die gehörnte Schlange, dazu eine gesichtslose Stimme von oben, die Fraktur redet. Und Eva. Ralf König philosophiert über Sünde, Willensfreiheit, Trieb, Erkenntnis mit nadelspitzem Witz und ohne Feigenblatt vor dem Mund.

Das Thema Religion beschäftigt ihn nach wie vor. Der Max und Moritz-Preisträger, der 2006 für seine künstlerische Stellungnahme im Streit um die Mohammed-Karikaturen geehrt wurde, verriet im Interview mit dem Magazin "Vanity Fair" Details über sein Unbehagen mit dem Glauben.

"Natürlich sehe ich dieses große Fragezeichen, das über unseren Köpfen schwebt, und ich verstehe es auch, wenn man dieses Fragezeichen Gott nennt", meint König. "Aber ich kann nicht verstehen, was ansonsten durchaus kritische und aufgeklärte Menschen dazu bringt, an einen persönlichen Gott zu glauben, der so denkt, wertet und moralisiert wie wir, der uns straft, in Versuchung führt und Spielchen mit uns spielt. Ich finde das infantil." Wir könnten vieles nicht verstehen, weil unser Hirn nicht ausreiche, aber dass die Wahrheit größer sei als biblische Mythen, zeige ihm jeder Blick in den klaren Sternenhimmel.

Während seiner Jugend sei ihm jahrelang das Hirn "verkleistert" worden durch Religionsunterricht und Messen. Wissenschaftliche Literatur wie die von Hoimar von Ditfurth habe ihm die Augen geöffnet. Er habe früher oft gedacht: "Was erzählen die mir da eigentlich? Aber heute, durch die Auseinandersetzung mit dem Islam, hat das Thema [Religion] viel mehr Dramatik." Der Islam sei unheimlich. "Einen Groll auf Religionen habe ich sowieso, und ich glaube nicht, dass der gegenüber islamischen Themen ausgeprägter ist als gegenüber christlichen. In beiden Fällen reicht es ja aus, dass ich schwul bin. Wie viel Sympathie sollte ich gegenüber diesen Religionen denn haben – bei all der Sympathie, die mir von ihnen entgegenschlägt?"

Prototyp, Ralf König, rowohlt, Hardcover, 112 S., 14,90 €



31 Kommentare

#1 Super MarioAnonym
#2 antos
#3 macbest
  • 21.10.2008, 20:46h
  • Die Einstellung der Religionen zur Homosexualität hat mich zum Buddhismus gebracht.
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#4 gatopardo
  • 21.10.2008, 21:34h
  • Nun ja, es ist immer wieder notwendig, dass Prominente auf die Überflüssigkeit religiöser Institutionen hinweisen, aber uns im Forum sagt er absolut nichts, was hier noch nicht durchdiskutiert worden wäre und was wir noch einmal als Neuigkeit in unendlichen Beiträgen durchhecheln müssten.
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#5 jochenProfil
  • 21.10.2008, 22:35hmünchen
  • ich habe das interview in der "vanity fair" gelesen, und mir hat damit der Ralf König sozusagen aus dem herzen gesprochen .
    ..könnte mir vorstellen wie dem ein oder anderen schwulen oder lesbe auch wenn er sagt:
    " Wie viel Sympathie sollte ich gegenüber diesen Religionen denn haben – bei all der Sympathie, die mir von ihnen entgegenschlägt?"

    ich habe in meiner jugend auch sämtliche bücher von Hoimar von Ditfurth verschlungen ; weil ich froh war, dass mir darin jemand die welt(oder einen teil davon) so gut - und manchmal auch für mich damals überrraschend anders - erklären konnte.
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#6 SaschaEhemaliges Profil
  • 22.10.2008, 00:13h
  • Bei aller berechtigten und notwendigen Religionskritik müssen wir dennoch vorsichtig sein, durch unglückliche Formulierungen und Generalisierungen nicht die Gräben in unserer Gesellschaft und in der Welt noch weiter zu vertiefen.

    Weder ist es förderlich, wieder einmal "den" Islam als "Negativbeispiel" hervorzuheben, noch gibt es überhaupt DEN Islam oder DAS Christentum. Vielmehr haben wir es hier mit verschiedenen Gruppen zu tun, die ihre jeweilige Religion unterschiedlich interpretieren und dementsprechend in gesellschaftliches Handeln übersetzen. In diesem Punkt kommen wir aber nicht weiter, wenn wir pauschal "die" Religionen verdammen, sondern vielmehr sollten wir stets im Blick haben, dass es sowohl innerhalb des Islams als auch des Christentums sehr viele positive Beispiele dafür gibt, wie Menschen Liebe und Respekt gegenüber anderen als die zentralen Werte ihres Glaubens (und ihrer Religion) sehen und Hass bzw. Unterdrückung in keiner Weise unterstützen.

    Andererseits gibt es sowohl im Islam als auch im Christentum gefährliche, extremistische Tendenzen, die eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft nicht dulden kann und darf. Wir als Bürger eines verfassungsmäßig demokratischen und nach wie vor "christlich" dominierten Landes sollten uns dabei in erster Linie mit den Aggressionen der Kirche oder christlicher Fundamentalisten bei uns oder beispielsweise in den USA auseinandersetzen und weniger manisch mit dem Finger auf "den" Islam als angeblich gewalttätige oder menschenrechtsfeindliche Religion zeigen.

    Fakt ist, dass es sich bei den allermeisten Muslimen ebenso wie bei den allermeisten Christen um grundsätzlich friedliche, hart arbeitende Menschen handelt, und zwar sowohl hier bei uns als auch in in den arabischen Ländern, wo sie selbst ja zu einem großen Teil nichts anderes sind als Opfer der
    religiös "legitimierten" Gewalt der Obrigkeit bzw. der herrschenden Eliten. Man sollte sich daher immer die Frage stellen, wovon oder von wem man eigentlich redet, wenn man "den" Islam oder "das" Christentum an den Pranger stellt.

    Ich bin ganz bestimmt der Letzte, der einem Plädoyer für die Werte der Aufklärung und damit insbesondere für die strikte Trennung von Kirche und Staat, von Religion/Glauben und Politik widersprechen würde. Zugleich bin ich aber immer mehr davon überzeugt, dass wir durch bloße pauschale Angriffe auf "den" Islam oder "das" Christentum unseren gesellschaftlichen und politischen Zielen nicht näher kommen, sondern die Spaltung in unserer Gesellschaft und in der Welt weiter vertiefen und den dringend notwendigen Dialog gerade mit denen konterkarieren, die Tag für Tag überall auf der Welt vorleben, dass sich Islam, Christentum, Judentum oder welche Religion auch immer sehr wohl mit den Werten der Freiheit, Gleichheit, Demokratie und des Respekts vor der menschlichen (ja, auch sexuellen) Vielfalt in Einklang bringen lassen. Eben dieser Dialog ist aber notwendige Bedingung für eine Überwindung religiös unterfütterten Hasses und religiös unterfütterter Gewalt.
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#7 AntichristProfil
  • 22.10.2008, 07:14hHH
  • Antwort auf #6 von Sascha
  • @Sascha: Du hast das "Amen" vergessen

    @madridEU: "aber uns im Forum sagt er absolut nichts, was hier noch nicht durchdiskutiert worden wäre und was wir noch einmal als Neuigkeit in unendlichen Beiträgen durchhecheln müssten."
    Wenn es danach geht müssten wir keinerlei Themen mehr durchhecheln, da alles was die schwul/lesbische Community betrifft bereits diskutiert wurde. Also lesen wir in Zukunft nur noch Artikel, die wir dann bestenfalls mit Verweisen auf bereits diskutierte Beiträge zum Thema kommentieren? Wäre auf Dauer doch reichlich öde. Zumal sich Sascha so viel Mühe damit gegeben hat uns lehrreich noch einmal den Unterschied zwischen Religion und Gläubigen zu verdeutlichen.

    Im Gegensatz zu Ralf König halte ich Religion nicht für unheimlich, sondern für gefährlich. Die Vergangenheit hat es deutlich genug gezeigt.
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#8 MarstophProfil
#9 SaschaEhemaliges Profil
  • 22.10.2008, 11:17h
  • Antwort auf #7 von Antichrist
  • Es ging mir weniger darum, hier "lehrreich" in Erscheinung zu treten, als vielmehr die Frage aufzuwerfen - und vielleicht ging @MadridEU's Kommentar ja ebenfalls in diese Richtung - ob es uns im Kampf für gesellschaftlichen Fortschritt wirklich weiterbringt, wenn wir "Religion" per se (und mal wieder "den" Islam im Besonderen) pauschal angreifen oder als unvereinbar mit freiheitlich-demokratischen Werten hinstellen.

    Es mag Ralf König ja eine gewisse persönliche Befriedigung verschaffen, dass er in seinem fortgeschrittenen Alter endlich ein derart religionskritisches Bewusstsein erlangt hat. Die Art und Weise, wie er dieses artikuliert, ist aber nach meinem Eindruck teilweise unglücklich und lädt eher nicht zum konstruktiven Dialog ein.

    Wir alle sollten uns letzten Endes nicht gegen Religion oder Glauben als solche wenden (denn auch hier muss gelten: Respekt und Toleranz in BEIDE Richtungen), sondern für die strikte Trennung dieses Bereiches von staatlichem und politischem Handeln eintreten. In diesem Zusammenhang ist es aber nicht sinnvoll, immer nur auf religiöse Extremisten und Fundamentalisten zu zeigen, sondern vielmehr gilt es den Dialog mit denen zu suchen, die als Muslime, Christen und Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften sehr wohl für Respekt auch gegenüber Homosexuellen und für demokratische Bürger- und Menschenrechte insgesamt eintreten. Wir müssen einfach aufpassen, dass wir hier nicht religösen Menschen pauschal ein bestimmtes "Label" aufdrücken, nämlich das der generellen Intoleranz oder der Unvereinbarkeit ihrer Religion bzw. ihres Glaubens mit demokratischen Werten.

    Denn das vertieft letztlich nur die Gräben in der Gesellschaft und in der Welt, verhindert einen konstruktiven Dialog und macht das Erreichen einer Kultur des Respekts vor der menschlichen Vielfalt (in alle Richtungen und von allen Seiten) noch schwerer.
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#10 Tufir
  • 22.10.2008, 12:00h
  • Antwort auf #9 von Sascha
  • "ob es uns im Kampf für gesellschaftlichen Fortschritt wirklich weiterbringt, wenn wir "Religion" per se (und mal wieder "den" Islam im Besonderen) pauschal angreifen oder als unvereinbar mit freiheitlich-demokra tischen Werten hinstellen."

    So schlimm fand ich die Angriffe nun nicht. Eine Aussage wie "Natürlich sehe ich dieses große Fragezeichen, das über unseren Köpfen schwebt, und ich verstehe es auch, wenn man dieses Fragezeichen Gott nennt" drückt ja vor allem mal Verständnis aus. Außerdem differenziert er in den wenigen Zeilen bereits sehr klar, was ihm gegen den Strich geht. Ein gläubiger Christ sollte mit dieser Kritik sicherlich besser leben können als ein Schwuler mit der Kritik aus Richtung der katholischen Kirche. Und mit "ich glaube nicht, dass der gegenüber islamischen Themen ausgeprägter ist als gegenüber christlichen" hebt er den Islam auch nicht hervor.

    Insofern kann ich deinem Kommentar nur zustimmen, weiß aber beim besten Willen nicht, was er mit dem Interview zu tun haben könnte.
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