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Der Hamburger Himmelstürmer Verlag feierte auf der vergangenen Frankfurter Buchmesse seinen zehnten Geburtstag. Queer.de wollte vom Geburtshelfer und Verleger Achim Albers wissen, ob es Segen oder Fluch ist, Bücher für Schwule zu verkaufen.

Interview: Christian Scheuß

Achim, du hattest mal in einem Interview die Vision von Leselampen im Darkroom beschrieben, damit mehr Schwule die Gelegenheit haben, deine Bücher zu lesen. Diese Vision ist bislang nicht verwirklicht worden, bist du trotzdem mit dem Verlagsgeschäft zufrieden?

Ja, vielleicht ist es auch schöner, Bücher am Strand zu lesen, oder auf dem Sofa zu Hause. Ich hoffe doch mal für die Leser, dass sie im Darkroom anderweitig abgelenkt sind. Wenn man sich die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre anguckt, kann man eine große Steigerung erkennen. Wir haben mit zwei Büchern angefangen, mit schwulen Gedichten. Das ist zunächst ziemlich daneben gegangen, aber jetzt bringen wir 20 Bücher im Jahr heraus. Ich denke, wir können sagen, dass wir mittlerweile der größte schwule Verlag im Bereich Belletristik sind.

Du hast den Verlag vor zehn Jahren auch aus sehr persönlichen Gründen ins Leben gerufen. Du wolltest einem Autoren näher sein. Wie kam das?

Ich war mit jemandem befreundet, der schrieb und der unbedingt ein Buch herausbringen wollte. Das haben wir halt gemacht, wie das so ist, wenn man verliebt ist und mit jemandem zusammen sein will. Wir haben die ersten Bücher veröffentlicht, später noch ein paar mehr, dann unter Pseudonym und Gott Sei Dank keine Gedichte mehr. So kam eines zum anderen. Es haben sich andere Autoren gemeldet. Damit wurde es quasi ein Selbstläufer und die Arbeit machte mehr und mehr Spaß.

Der Himmelstürmer Verlag ist nach wie vor eine One Man-Show?

Mit der Hilfe von ein paar Leuten, einem Grafiker und zwei Menschen, die Korrektur lesen. Ganz allein könnte ich es heute auch nicht mehr machen.

Deine ersten Programme wurden zunächst etwas belächelt, es galt als Ansammlung von Trivialliteratur. Spürst du von diesem Gegenwind heute noch etwas?

Rückblickend auf die ersten ein bis zwei Jahre würde ich mich auch belächeln. Da steckte eine gehörige Portion Naivität dahinter. Ich denke aber, dass wir mittlerweise sehr ernst genommen werden.

Neue Autoren, die bei dir mit einer frischen Idee anklopfen, stoßen relativ schnell auf positive Resonanz und werden veröffentlicht. Ist diese Offenheit so ein bisschen das "Geheimrezept" des Verlages?

Das "Geheimrezept" besteht darin, das ich sehr schnell entscheiden kann, was veröffentlicht werden kann und was nicht. Ich finde auch, wir haben genug Stoff hier in Deutschland, man muss nicht unbedingt Lizenzen aus England, USA oder Frankreich kaufen, um gute Unterhaltungsliteratur für unsere Zielgruppe in Deutschland zu produzieren.

Du probierst gern mal Neues aus. Auf der Verlagswebsite gibt es einen Roman als Hörbuch zum Download. Es gibt Lese- und Hörproben diverser Titel. Funktioniert das, oder sind das eher Spielwiesen?

Das Hörbuch war eine sehr teure Spielwiese, das lohnte sich einfach nicht. Das schwule Hörbuch ist tot. Dafür ist die Zielgruppe zu klein. Gut dagegen kommen die Kostproben an, die Ausschnitte zum Lesen und Hören. Das werden wir sicherlich weiterführen.

Das große Thema auf der Frankfurter Buchmesse war das E-Book, das Buch als Datei auf einem elektronischen Lesegerät. Wann kommt das erste Himmelstürmer-E-Book?

Das wird es niemals geben, aus zwei Gründen. Zum einen halte ich es für ausgesprochen unpraktisch. Es ist recht einfach zu produzieren, aber auch hier ist die Zielgruppe, die es auf diesem Weg lesen würde viel zu klein.

Das Himmelstürmer Buch wird es also in Zukunft weiterhin nur in gedruckter Form geben?

Ganz genau.

Die ausführlichere Version des Interviews gibt es zum Anhören in der Mitte des Textes



#1 ThommenAnonym
  • 29.10.2008, 19:14h
  • Ich denke, dass es beim Himmelstürmer schon daran liegt, dass die Bücher so geschrieben sind, wie sie die Leser lesen können! ;)

    Schwule Hörbücher sind wirklich "unanhörbar". Was ich bis jetzt zu Ohren bekommen habe, war nicht gut auszuhalten. Nicht wegen dem Text, aber wegen der Stimmen...

    Peter Thommen, ARCADOS gaybuchladen, seit 1977
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