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Der erste Sender für Schwule startete ohne großen Knalleffekt, dafür aber mit einer kunterbunten Mischung. Wie fühlt sich das schwule Fernsehen an? Queer.de hat die ersten zwei Tage und Nächte intensiv mit TIMM verbracht.

Von Christian Scheuß

Als am 25. August 1967 das Farbfernsehen in Deutschland eingeführt wurde, durfte der damalige Vizekanzler Willy Brandt während der Funkausstellung in Berlin auf einen dicken roten Knopf drücken, bevor "alles so schön bunt hier" wurde.

Als am 1. November 2008 das erste Fernsehen für Schwule eingeführt wurde, hörte die Werbeschleife einfach auf und die erste Serie startete. Alles ganz unspektakulär. Kein Klaus Wowereit oder Dirk Bach, der auf einen Buzzer drückt, kein Tuntenballett, kein Schwulenchor, TIMM war einfach da. Und gefeiert wurde erst abends – ohne Liveübertragung - in einem Möbelhaus. Zugegeben, in einem ganz schicken mit Designer-Schrankwänden, die auch bei TIMM beworben werden. Damit wurde zumindest schon mal demonstriert, was bei den Stadtmagazinen und anderen Medien für Schwule systemimmanent zu sein scheint: Man kuschelt gern mit den potentiellen Werbekunden.

"Wir sind bescheiden", gab TIMM-Geschäftsführer Frank Lukas letzte Woche gegenüber Spiegel Online zu. Und meinte damit, dass man sich keine großen Stars leisten könne. Die braucht es auch nicht. Eingekauft wurden stattdessen internationale Serien, Dokumentationen und Spielfilme, die über die Woche verteilt mehrmals wiederholt werden. Zum Teil ist es abgehangene Ware, wie Barbara Schönebergers Talkshow "Blondes Gift" oder "Queer As Folk". Zum Teil sind es TV-Premieren wie die wunderbare Serie "Noah’s Arc", auf die das deutsche Homopublikum bislang vergeblich wartete. 48 Stunden nach dem Start lässt sich noch kein Urteil fällen, doch ein paar Punkte gäbe es nach zwei Tagen Berieselung durch TIMM schon zu bemerken:

Youtube | Willy Brandt führt das Farbfernsehen ein

- Es fällt auf, dass die meisten Sendungen Importware sind. Was vermutlich daran liegt, dass es hierzulande nur wenig zeigenswerte Dokus und Serien gibt. TIMM hat hier die Chance und hoffentlich auch die Ressourcen, gute Produktionen zu initiieren. Der britische Sender "Channel 4" hat vorgemacht, wie es funktionieren kann.

- Vielleicht können die Macher von TIMM den Synchronsprechern und -Studios im Lauf der Zeit mal beibringen, dass Schwule nicht von Natur aus affektiert reden müssen, und das es nicht zur Steigerung der Lustigkeit beiträgt, weder in Comedy-Serien wie "Noah’s Arc", noch in Dokushows wie "Out & About". Schließlich will TIMM nach eigenen Angaben die bislang übliche Bedienung von Klischees vermeiden.

- Wo wir gerade bei "Out & About" sind: In der ersten Folge des bereits fünf Jahre alten Magazins reisen ein paar schwule Journalisten nach Paris wo sie – oh lala – einen Penisplätzchenbäcker, einen Maler, der Männerakte pinselt und die Macher von Pink TV besuchen, um oberflächliche Fragen zu stellen und völliges Desinteresse an den porträtierten Menschen zu demonstrieren. Das ist ebenso ärgerlich wie die US-Castingshow "Manhunt", in denen dumme geklonte Jungmänner zu sehen sind, wie sie beinahe in ihre weißen Designerunterhosen machen, weil sie mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug springen müssen. Es laufen eigentlich genug schlechte Reality-Formate auf anderen Sendern.

- Die Mischung der Serien mit vielen bösen Frauen und noch mehr hübschen Männern ist gelungen, es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Auch die Dokus über "Homosexuelle von nebenan", wie den Bürgermeister, der sich vor seinen Wählern outet oder die alten britischen Schwulen auf der Suche nach Lust und Liebe, funktionieren gut. Und die Cineasten können sich ebenfalls nicht beschweren. Spielfilme, die man einmal bei Arte oder 3sat und danach nie wieder sehen konnte, gehören bei TIMM zum festen Bestandteil.

Insgesamt fühlt sich TIMM aber noch recht distanziert an. Das liegt an den fehlenden eigenen Gesichtern. Die kommen erst Mitte November. Mit dem News-Journal "TIMM today" oder auch dem Talkformat "Timmousine" wird der Sender wesentlich sein Profil prägen und für die wichtige Präsenz in der Community sorgen.

Wenn dies gelingt, wird man bei TIMM nicht nur den Slogan "Wir lieben Männer" unter das Senderlogo schreiben können. TIMM darf sich dann auch sicher sein, dass er von den Männern wiedergeliebt wird.

Youtube | TIMM-Trailer zum Start
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14 Kommentare

#1 JulekAnonym
  • 03.11.2008, 14:54h
  • Na super, ich habe alles versucht um TIMM -TV einzustellen aber es wollte einfach nicht!

    Kann vllt mal jemand sagen, wie ich des noch mal genau machen kann/soll. Die angegeben Hilfen, halfen nicht wirklich =( Ich wäre einer umkomplizierten Aufklärung sehr dankbar.
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#2 0000Anonym
#3 TammAnonym
#4 Lars3110
  • 03.11.2008, 15:31h
  • Ich finde TIMM auch erfrischend und ich habe keine Knalleffekte erwartet, schon gar nicht zu Beginn.
    Die Synchro ist zwar ärgerlich, aber besser als nichts zu haben.
    Absoluter Knaller war ja Rick&Steve, das ist ja echt böse und kultig.

    Ansonsten zum Empfang.
    Habe mir über einen Freund eine Kabel-Deutschland-Karte besorgt, weil ja Telecolumbus unverschämt teuer ist und ich über die Gemeinschaftsanlage so in den Genuss des "grundverschlüsselten Free-TV" komme. Abzocke der Kabelbetreiber.

    Ansonsten kann ich allen nur www.zattoo.com empfehlen. Damit kann man TIMM auf dem PC empfangen, bzw. die Website www.timm.de, auf der wird das Programm live gestreamt.

    Für alle Astra-Empfänger: Sucht mal bahn.tv und benennt das einfach um.
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#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 03.11.2008, 18:59h
  • Ich finde das Programm von TIMM allererste Sahne! Schon der Anfang mit "Noah's Arc" war klasse und "Rick und Steve" ist auch spitze (die Figuren in der Serie erinnern mich an Playmobil, sind aber super animiert). Das einzige, was mir leider nicht gefällt, ist die Serie "Nighty Night". Die findie ich nämlich total langweilig! Aber das Programm ist durchaus noch ausbaufähig.
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#6 Stefan H.Anonym
  • 03.11.2008, 19:00h
  • Ich würd ja gerne (TIMM)-TV glotzen ...

    ... aber nachdem ich es nun endlich geschafft habe die ZATOO Software zu installieren, und mich dort angemeldet habe, finde ich insgesamt 249 Sever-Vorschläge dort, aber nicht TIMM-TV :-(

    Hat mir mal eben jemand nen Tipp, was Man(n) da machen kann !?!
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#7 seagullAnonym
#8 gatopardo
  • 03.11.2008, 20:37h
  • Bin mühelos über meinen Astra-Satelliten reingekommen. Wohltuend das schwule Selbstverständnis, das sogar bis in die Werbung reicht. Intelligentes Programm mit "Blondine" oder so ähnlich, wo ich die kesse Moderatorin irgendwie anders als bei Öffentlich-Rechtlichen und Privaten in ihrer frech-erfrischenden Art fand. Höchst nervend dann meiner Meinung nach die oberflächlichen anglo-amerikanischen Gay-Serien, die offensichtlich nur selten von kontinental-europäischen Produktionen unterbrochen werden wie z.B. der ausgezeichnete DDR-Film "Coming Out" demnächst bei TIMM. Immerhin eine begrüssenswerte Alternative im ständigen Hetero-Einerlei und warten wir´s mal ab, wie sich der Sender noch entwickelt und ob dann für jeden individuellen Geschmack etwas dabei sein wird....!
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#9 meonmybikeAnonym
  • 03.11.2008, 23:45h
  • Funktioniert der Empfang eigentlich über DVB-T? Ist mein einziges Signal und auf der Homepage steht dazu nichts..
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#10 HannibalEhemaliges Profil