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Homorechte sind niemals sicher. Das ist die Erkenntnis des politischen Erdbebens in Kalifornien, das bis gestern noch als liberal galt.

Von Christian Scheuß

Wäre die Homoehe im US-Staat Utah, in dem die Mormonen die Mehrheit der Bevölkerung bilden, per Volksentscheid abgeschafft worden, wir hätten alle mit den Achseln gezuckt und seufzend zugegeben: "Etwas anderes war nicht zu erwarten." Das ausgerechnet im liberalen sonnigen Kalifornien eine Mehrheit gegen die eheliche Gemeinschaft von Schwulen und Lesben votiert, ist eine bestürzende Angelegenheit.

Bestürzend, weil es so schmerzhaft und deutlich vor Augen führt, wie fragil die Errungenschaften der homosexuellen Emanzipation sind. Gefordert, und für ein paar Monate gelebt haben schwule und lesbische Paare eine Selbstverständlichkeit der bürgerlichen Existenz, die öffentliche Registrierung ihrer Beziehung. Sie wollten keine radikale Abschaffung der Ehe, stellten keine Forderung nach freier Liebe. Sie wollten einfach nur dieselbe spießige Hochzeitstorte verzehren können, wie ihre heterosexuellen Nachbarn. Doch das war bereits "too much" für eine Mehrheit der Kalifornier.

Die Community hat hart gekämpft in den vergangenen Monaten und mit viel Unterstützung von Promis und großen Firmen eine beeindruckende Kampagne entfacht gegen die Gegner der Homoehe, die diesen Volksentscheid initiiert hatten. Das ist respektabel und es tut gut, zu wissen, das es genügend Menschen gibt, die sich solidarisch erklären. Doch es hat nicht gereicht. Wahrscheinlich werden jetzt wieder die Gerichte zu tun bekommen. Denn die bislang geschlossenen schwulen und lesbischen Ehen können nicht einfach annulliert werden und sie müssen irgendwie rechtlich anerkannt bleiben.

Kalifornien, das Land mit den Homohochburgen San Francisco und Los Angeles, kann sich nun nicht mehr uneingeschränkt gayfriendly nennen. Der rosa Lack ist ab.



Kalifornien: Erstmals Homo-Ehe wieder abgeschafft

In den vergangenen Monaten haben rund 20.000 Homo-Paare in Kalifornien geheiratet - damit ist jetzt dank Volkes Wille Schluss.
Sieg für Obama - Niederlage für Homo-Ehe

Um 5:00 Uhr deutscher Zeit verkündete CNN, dass Barack Obama neuer US-Präsident ist. Auch Schwule und Lesben setzen große Hoffnungen auf den Demokraten. Dagegen gab es bei vier Homo-Referenden vier Niederlagen - die schmerzhafteste in Kalifornien: Dort wurde (mit großer Wahrscheinlichkeit) die Homo-Ehe abgeschafft.
US-Homos: 81 Prozent für Barack Obama

Unter Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen konnte Barack Obama einer Umfrage zufolge seinen Vorsprung ausbauen – auch viele schwul-lesbische Kandidaten stellen sich am Dienstag den Wählern.
Kalifornien: Klage gegen Ehe-Öffnung gescheitert

Der oberste Gerichtshof des Bundesstaates Kalifornien hat am Montag einstimmig einen Antrag von Homo-Gegnern abgelehnt, gleichgeschlechtliche Eheschließungen sofort wieder auszusetzen.

12 Kommentare

#1 felixAnonym
  • 05.11.2008, 22:15h
  • Kalifornien war für Homos zwanzig Jahre das Vorzeige-Mäntelchen für angebliche USA-Liberalität. In Wahrheit sind die USA in Mehrheit zutiefst religiös-homophob. Alles andere ist Geschichte, auch wenn man sich gerne an San Francisco erinnert, das einmal Vorreiter für Schwulenemanzipation war.

    Wann verstehen europäische Homos endlich, dass "wir" in Europa in diesem Jahrzehnt das Mekka für Schwule, Lesben und Transgender geworden sind? Das kann nicht nur Freude bedeuten, weil es auch eine traurige Realität auf diesem Planeten ist.
    Aber dessen bewusst sollten wir uns schon sein, dass es bisher nirgendwo besser ist.
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#2 dabaerEhemaliges Profil
  • 06.11.2008, 00:11h
  • mich schockiert dieses Ergebnis zutiefst. Vor allem wenn man sich vorstellt, wieviele Anhänger und auch namhafte Firmen sich für das Nein eingesetzt haben.

    Aber die Schlammschlacht der Homophoben Fundamentalisten mit ihren medialen Hetzkampagnen und Hasstiraden scheint gewirkt zu haben.

    Wie können Christen eigentlich diese Hasspredigen mit ihren Glauben vereinbaren?
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#3 SaschaEhemaliges Profil
  • 06.11.2008, 00:20h
  • Antwort auf #1 von felix
  • Man muss hier deutlich regional und natürlich nach politischen Überzeugungen differenzieren.

    Zunächst einmal war das Ergebnis hauchdünn, und entlang des Küstenstreifens haben bis auf Los Angeles (!) - vermutlich die neue religöse Hochburg Amerikas - oraktisch alle Wahlbezirke gegen das Verfassungsverbot der Homo-Eheöffnung gestimmt.

    Immerhin haben sich Teile der Justiz in den USA in diesem Punkt als deutlich progressiver erwiesen, als man das von anderen Ländern - auch und gerade in Europa - gewohnt ist. Die Homo-Bewegung wird jetzt Klage gegen den angestrebten Verfassungszusatz vor dem Obersten Gerichtshof Kaliforniens einreichen - eben der, der die Eheöffnung verordnet hatte. Das letzte Wort ist also rechtlich noch lange nicht gesprochen.

    Und in gesellschaftspolitischer Hinsicht gelten die gleichen Herausforderungen, denen wir uns auch hierzulande dringend stellen müssen. Homophobie und Xenophobie im Allgemeinen haben in den letzten Jahren gerade unter jungen Menschen nicht ab-, sondern wieder deutlich zugenommen. Und was tut sich hier? Wo ist die Eheöffnung in Deutschland oder eine Volksabstimmung dazu? Es ist leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Oftmals lenkt man damit aber nur von seinen eigenen Unzulänglichkeiten ab.
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#4 SaschaEhemaliges Profil
  • 06.11.2008, 00:30h
  • PS:

    Es würde mich ja wirklich interessieren, wie viele von den ach so toleranten Hollywood- und Beverly Hills-Fuzzies, die sich immer, überall und auf allen Kanälen mit ihrer Sexualität in Szene setzen und in L.A. so richtig die Sau rauslassen, es den kranken Homos, die sich doch tatsächlich die Frechheit erlauben, die aggressive Hetero-Einfalt in Frage zu stellen, gestern mal so richtig zeigen wollten. Die Tatsache, dass ausgerechnet in Los Angeles eine Mehrheit für diesen homophoben Akt gestimmt hat, lässt darauf schließen, dass es nicht wenige waren.
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#5 xyAnonym
  • 06.11.2008, 00:31h
  • Antwort auf #1 von felix
  • Es ist bezeichnend, daß Deine völlig richtige Einschätzung der Lage hier sofort negativ bewertet worden ist. Als sähe die Realität nicht so aus: In einer Reihe von europäischen Ländern gibt es inzwischen die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Partner und diese Situation ist - im Gegensatz zu den USA - nicht akut bedroht. Aber was will man auch von einem hochentwickelten Land erwarten, in dem man am Anfang des 21. Jahrhunderts immer noch keine erschwingliche Krankenversicherung für alle Bürger organisiert bekommen hat?
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#6 SaschaEhemaliges Profil
  • 06.11.2008, 01:46h
  • Antwort auf #5 von xy
  • Also, ich weißt nicht, wer hier wen mit roten Kästchen beglückt, aber ich für meinen Teil wollte mit meinem Statement nur zu etwas stärker differenziertem Denken aufrufen. Es ist nicht alles so schön schwarz und weiß, wie manch einer es hier darstellen möchte. Und die eine oder andere Aussage klingt dann mehr nach euopäischer Einbildung als nach wirklicher Bildung.

    Fakt ist, dass die gesellschaftspolitische Entwicklung in Europa - von einigen löblichen Aspekten in einzelnen Ländern abgesehen - bei weitem nicht so ungetrübt rosig ist, wie von einigen hier gern postuliert wird. Und es wäre uns allen sicher mehr gedient, wenn wir uns zunächst einmal auf eben diese Herausforderungen bei uns konzentrieren würden.
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#7 RabaukeAnonym
  • 06.11.2008, 09:46h
  • Urlaub stornieren, auf andere, "gaynau" so schöne Ziele, in anderen Bundesstaaten ausweichen. Auch der Teil, welcher in Kalifornien gegen die Homos wählte, hat in den letzten 20 Jahren "Unser" Geld genommen. Da nützt alles gesabbel und geschimpfe nix! Diese Steinzeitpisser verstehen nur eine Sprache. Die Sprache des Geldes!
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#8 Tufir
  • 06.11.2008, 11:51h
  • Antwort auf #4 von Sascha
  • "Es würde mich ja wirklich interessieren, wie viele von den ach so toleranten Hollywood- und Beverly Hills-Fuzzies, ... es den kranken Homos, ...gestern mal so richtig zeigen wollten."

    Bis auf den Baldwin Bruder gibt es da nur wenige. Viel wahrscheinlicher ist, dass die konservativen einfachen Menschen sich genau von diesen Menschen absetzen wollen, weil Hollywood grundsätzlich als unmoralisch gilt. Da wischt man dann diesen reichen Hallodris einfach mal einen aus, indem man gegen die von ihnen favorisierte Option stimmt.
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#9 godd luckAnonym
  • 06.11.2008, 20:21h
  • der lack ist ab.
    der kampf geht weiter.
    der lack war gut.
    ohne lack
    wäre der weitere kampf schwerer.
    lucky strikes !
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#10 ThommenAnonym
  • 07.11.2008, 13:55h
  • Die Homosexuellen und die Schwulen müssen endlich lernen, dass keinerlei Rechte "sicher" sind. Vor allem dann, wenn sich die Leute in eine Ehe verabschieden und einfach "in der hetero Gesellschaft verschwinden!"
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