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  • 20. November 2008, noch kein Kommentar

Ein bisschen wirkt dieser neue Film wie "Another Country – Teil 2". Aber dahinter steckt eine ergreifende Geschichte über verbotene Liebe und den Verlust der Unschuld.

Von Carsten Weidemann

Die Geschichte spielt in England zwischen den Weltkriegen, einer Zeit, in der der englische Adel viele seiner Privilegien verlor. Beim Studium in Oxford freundet sich Charles Ryder (Matthew Goode) mit dem lasziven und exzentrischen Sebastian Flyte (Ben Whishaw) an, Sohn von Lord und Lady Marchmain (Michael Gambon, Emma Thompson). Charles ist der glamourösen Welt seines neuen Freundes schnell verfallen, die beiden sind bald unzertrennlich.

Charles ist überglücklich, als er nach Brideshead eingeladen wird, in das prächtige Familienschloss der Marchmains. Betört von dieser Umgebung und bezaubert von ihrer Schönheit, verliebt Charles sich in Sebastians Schwester Julia (Hayley Atwell). Die Beziehung zu Sebastian geät in Gefahr, und je mehr seine emotionale Bindung zu den Marchmain-Geschwistern wächst, desto mehr gerät Charles in Konflikt mit dem, was die Familie im Innersten zusammenhält und von der Mutter (Emma Thompson) streng überwacht wird: ein tiefer und unerbittlicher katholischer Glaube.

Evelyn Waugh schrieb "Wiedersehen mit Brideshead" in nur vier Monaten, im Frühjahr 1944, gegen Ende des 2. Weltkriegs, während er von der Army beurlaubt war. Er vollendete das Buch, als die Alliierten in der Normandie landeten, veröffentlichte es 1945 und handelte sich damit viel Beifall ein, aber auch viel Widerspruch.

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Waugh beschrieb in "Wiedersehen mit Brideshead" den Zerfall der katholischen britischen Aristokratie. Der Krieg galt ihm als sicheres Zeichen für kommende Veränderung, und eine der Folgen dieses Krieges, so ahnte Waugh, wäre der Aufstieg des Bürgertums und das Ende einer Herrschaft des Adels, was für ihn auch das Ende eines Zeitalters voll Glanz und Reichtum bedeutete. "Wiedersehen mit Brideshead" hat epische Breite, spielt auf mehreren Kontinenten und umspannt drei Dekaden, von den zwanziger bis zu den vierziger Jahren. Das Thema des Buches nannte Waugh: "Die Wirkung göttlicher Gnade auf einen Kreis unterschiedlicher, aber eng miteinander verbundener Charaktere".

Es gibt autobiographische Bezüge darin: Waugh konvertierte 1930 zum Katholizismus und bekehrte auch einen Freund dazu. In den zwanziger Jahren hatte er in Oxford am Hertford College studiert, gern getrunken und sich mit Studenten der reicheren Oxford-Colleges herumgetrieben. Angeblich unterhielt er in jenen Jahren mindestens eine homosexuelle Beziehung. Seine Kollegen in Oxford waren Männer wie Graham Greene, Anthony Powell und John Betjeman - all das wird in "Wiedersehen mit Brideshead" eingearbeitet.