Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?9668

Ein bei der Lufthansa in Frankfurt angestellter Flugbegleiter wurde offenbar wegen seiner Homosexualität denunziert, dann in Japan verhaftet – daraufhin feuerte ihn sein Arbeitgeber. Dagegen klagt der 43-Jährige nun.

Von Dennis Klein

Die Teamleiterin ließ den Flugbegleiter Toshi Uto schon vor Monaten wissen, dass etwas im Busch ist: Sie informierte Uto, der schon seit 16 Jahren bei der Lufthansa arbeitet, über anonyme Briefe, die unter anderem an die Geschäftsleitung und die Polizei geschickt wurden. Darin war zu lesen, dass Uto einen 17-jährigen Lebengefährten habe. Tatsächlich hatte der Steward Anfang des Jahres auf einer Internetseite seinen Freund kennen und lieben gelernt – was sowohl in Deutschland als auch in seinem Heimatland legal ist. Zumindest steht es so in den Dienstvorschriften und Länderbestimmungen der Lufthansa.

Doch dann erreichte der unbekannte Briefeschreiber sein Ziel: Als Uto Mitte September bei einem arbeitsbedingten Kurzaufenthalt in Japan seinen Freund treffen wollte, wurde er vor dem Crew-Hotel verhaftet. Insgesamt hielten die Behörden ihn 19 Tage fest. Zunächst lautete der Vorwurf "Prostitution", später wurde er zu Missbrauch eines Jugendlichen geändert. Zwar gilt in Japan ein Schutzalter von 13 Jahren für Hetero- und Homosex, allerdings gibt es in dieser Provinz ein schwammiges Jugendschutzgesetz, das gleichgeschlechtliche Aktivitäten unter 18 Jahren einschränkt. Uto hatte keine Ahnung von dieser Sonderregelung und zunächst wahnsinnige Angst, erklärte er im Gespräch mit queer.de. Er wusste schließlich In Haft zunächst auch nicht, was mit seinem Partner geschehen ist. Später erfuhr er, dass dieser bereits zuvor von der Polizei mitgenommen wurde.

"Ein paar Tage nach meiner Verhaftung hat er versucht, mich zu besuchen", erklärte Uto. "Er durfte das aber nicht, weil er dem Gesetz nach ein Opfer war. Aber er hat mir einen Brief geschrieben, in dem er sagte, dass er mich immer noch liebt, auch nach diesem Ereignis. Wir lieben einander sehr."

Schließlich wurde Uto nach knapp drei Wochen gegen Zahlung eines Bußgeldes entlassen, die Lufthansa arrangierte den Flug zurück. In Frankfurt angekommen, gab es den nächsten Schlag: Ein Vorgesetzter erklärte, er habe für "Aufsehen in den örtlichen Medien" gesorgt und damit einen "enormen Image-Schaden" verursacht. Darum solle er doch von selbst seinen deutschen Arbeitsvertrag kündigen. Als Uto das ablehnte, erklärte die Lufthansa das Arbeitsverhältnis für beendet. Für den Flugbegleiter brach eine Welt zusammen.

Glücklicherweise haben die Kollegen Uto nicht aufgegeben: Als die Personalvertretung der Flugbegleiter zufällig von der Entlassung erfuhr, setzte sie sich für den Steward ein: Sie fragten Anwälte, ob der Kollege sich etwas zuschulden kommen ließ und die Kündigung damit gerechtfertig sein könnte. Sie verneinten das. Allerdings schien dieser Umstand die Lufthansa wenig zu beeindrucken: "Unsere eindringliche Bitte, zumindest erst die Gesamtumstände näher zu betrachten, wurde abgelehnt", erklärte die Personalvertretung in einer Mitteilung.

Die wirft dem Arbeitgeber vor, von seiner bisherigen Linie abzuweichen: "Die vermeintliche Imageschädigung wird über das Menschenrecht und das deutsche Grundgesetz gestellt", sind sich die Kollegen sicher. Sie bemängeln auch, dass Uto in Japan kaum offizielle Unterstützung der Lufthansa erfahren habe. So sei erst am neunten Tag ein Stationsmitarbeiter der Lufthansa bei ihm gewesen, obgleich das Unternehmen eine Fürsorgepflicht habe. "Müssen wir nun alle im Ausland Angst haben, selbst wenn wir nach bestem Wissen und Gewissen handeln? Werden wir im Zweifelsfalle allein gelassen?", fragt die Personalvertretung. Und spekuliert über homophobe Motive der Fluggesellschaft: "Es ist kaum vorstellbar, dass man vor Ort eine Rufschädigung für Lufthansa vermuten würde, wenn es sich um eine 17-jährige Lebensgefährtin gehandelt hätte".

Die Lufthansa selbst weist die Vorwürfe der Diskriminierung weit von sich. Die sexuelle Orientierung eines Mitarbeiters spiele "grundsätzlich keinerlei Rolle für die Beurteilung durch Lufthansa", erklärte Pressesprecher Patrick Meschenmoser gegenüber queer.de. "Lufthansa bekennt sich ganz bewusst und offen zu dem für uns selbstverständlichen Respekt gegenüber gleichgeschlechtlichen Beziehungen und unterstützt daher bereits seit Jahren den CSD in London und beispielsweise auch in Köln."

Zum vorliegenden Fall könne er aber nichts sagen, da Uto bereits gegen die Entlassung geklagt habe und es sich daher um ein laufendes Verfahren handele. Am 4. Dezember ist ein Gütetermin beim Arbeitsgericht in Frankfurt angesetzt. Einigen sich die Parteien nicht, kommt es zum Prozess.

Auch wenn es beruflich sehr holprig im Leben von Toshi Uto zugeht, privat scheint es besser zu laufen: Er hat kürzlich bereits mit seinem Partner Ringe getauscht. "Wir planen, in nächster Zeit zu heiraten", so Uto gegenüber queer.de. Ob es mit der Lufthansa in die Flitterwochen geht, ist noch offen.



38 Kommentare

#1 LiebligsuliAnonym
  • 24.11.2008, 18:34h
  • Ist das wirklich die ganze Wahrheit oder nur eine Seite der Medaille ?

    Ich habe bisher keine Firma erlebt die so tolerant mit Schwulen Lesben und TG umgeht wie die Lufthansa.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 StruppiAnonym
  • 24.11.2008, 18:43h
  • Die Lufthansa scheint sich hier nicht mit Ruhm zu bekleckern. Danke für diesen Bericht. Hoffe, Ihr bleibt dran, und wir erfahren bald, wie sich das entwickelt. Ich drücke den beiden die Daumen!

    Nebenbei: Lieber Dennis, Dein guter Text hätte ein ebenso gutes kurzes Korrekturlesen verdient gehabt! Aber wir queeren Leser sind ja klischeegemäß kreativ und können uns (meistens) unseren Reim machen... ;-) Haha! Nix für ungut!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 dummfugAnonym
  • 24.11.2008, 18:59h
  • Antwort auf #1 von Liebligsuli
  • Das ist wohl nur die halbe Wahrheit.
    Fakt scheint zu sein, dass in Japan in dieser Region Sex mit unter 18jährigen strafbar ist.

    Und dass es zu sexuellen Handlungen gekommen ist, hat die Polizei dort wohl auch nachgewiesen.

    Außerdem hat der Inhaftierte um seine zeitweilige Freilassung zu erwirken wohl ein Schuldeingeständnis gemacht. Schon sieht die ganze Geschichte anders aus.

    Ich persönlich informiere mich immer genau, wenn ich in ein anderes Land reise. Es gibt absolut dumme, unsinnige und diskriminierende Gesetze. Trotzdem muss ich mich danach richten. Unabhängig davon unterstütze ich aber die Abschaffung von diskriminierenden Gesetzen die meine Lebensweise einschränken. Aber wie heißt es so schön:

    Gesetz ist Gesetz.

    Oder reist einer mit seinem Freund in ein afrikanisches Land, wo sofort die Todesstrafe verhängt wird, nur weil man sich mal küsst?
  • Antworten » | Direktlink »
#4 KonstantinEhemaliges Profil
  • 24.11.2008, 19:54h
  • Antwort auf #3 von dummfug
  • Zufällig weiss ich aus erster Hand, dass die LH BEVORZUGT Schwule als Flugbegleiter einstellt. Die Kündigung ist also keineswegs auf Homophobie zu begründen. Die LH hat eins der besten Diversity-Managements weltweit! Warum also die Aufregung?
  • Antworten » | Direktlink »
#5 SaschaEhemaliges Profil
  • 24.11.2008, 20:35h
  • Das ist wirklich der dreisteste und skandalöseste Akt der Diskriminierung seitens eines Arbeitgebers, der mir seit langem untergekommen ist.

    Der Gipfel der Frechheit ist der Verweis auf die "Uterstützung" des CSD, die man sich aus der Ecke Lufthansa ab sofort verbieten sollte.

    Aber wen interessiert das alles überhaupt in einem Land, das ja bis heute noch nicht einmal die EU-Mindestkriterien in Sachen Antidiskriminierungsgesetz erfüllt???

    Es kann nur eine einzige geeignete Antwort geben: Entweder die Lufthansa nimmt diese Kündigung sofort zurück, entschuldigt sich öffentlich bei dem Flugbegleiter und bei allen homosexuellen Menschen im Allgemeinen, leistet zudem eine angemessene Wiedergutmachungszahlung an den Mitarbeiter und überlegt sich eine öffentlichkeitswirksame Maßnahme gegen Akte der Homophobie, wie sie sie hier selbst praktiziert hat,

    oder alle Demokraten in dieser Gesellschaft fliegen ab sofort mit jeder Fluglinie, nur nicht mit Lufthansa.

    Wenn sich sowas eine US-amerikanische Fluggesellschaft erlauben würde, hätte bereits die gesamte Homo-Bewegung (die dort den Namen "Bewegung" auch noch verdient hat) kollektiv zum Boykott aufgerufen. Hierzulande schert sich aber außer queer.de offenbar niemand einen Dreck um diesen ungeheuerlichen Vorgang.

    Bezeichnend auch, dass der erste Kommentator sich sofort angeschickt hat, die Glaubwürdigkeit des Opfers in Zweifel zu ziehen. Genau das ist das Prinzip der "Antidiskriminierungspolitik" in Deutschland: Opfer werden ihrem "Schicksal" überlassen und, wenn möglich, zu Tätern gemacht.

    @queer.de: Wie wäre es, wenn Ihr - am besten gemeinsam mit anderen Medienvertretern - selbst eine öffentliche Stellungnahme von Lufthansa einfordern würdet? Ein solcher Skandal bedarf der Herstellung einer entsprechend breiten Gegenöffentlichkeit!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 xyAnonym
  • 24.11.2008, 20:44h
  • Antwort auf #3 von dummfug
  • Nein, man muß sich nicht an alle Gesetze halten. An manche Gesetze sollte man sich nicht halten. Und an manche Gesetze darf man sich gar nicht halten, als anständiger Mensch. Gerade wenn Du ein Deutscher bist, sollte Dir dies bekannt sein. Ggf. empfehle ich einen Crashkurs in Geschichte des 20. Jahrhunderts. Und bei höherem Anspruch an Intelligenz und Bildung nicht nur deutsche Geschichte und nicht nur die des 20. Jahrhunderts.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 SaschaEhemaliges Profil
  • 24.11.2008, 20:55h
  • Antwort auf #6 von xy
  • Das Dumme ist nur, dass man eben das jungen Menschen in den Schulen mit aller Macht wieder zunehmend NICHT beibringt. Oder wie sonst ist beispielsweise die Kürzung des Unterrichtskontingents zur NS-Diktatur und zu den Nazi-Verbrechen in Bundesländern wie Bayern zu interpretieren? Hier wird auch einmal mehr deutlich, dass wir in diesem Land endlich eine sehr viel breitere Allianz möglichst vieler diskriminierter gesellschaftlicher Gruppen brauchen, damit sich effektiv etwas ändert. Zu dem oben zitierten Thema habe ich übrigens trotz reichlich empörter Antwort per E-Mail seitens des Zentralrates der Juden auf meine Nachfrage in der deutschen Öffentlichkeit kein einziges Wort mehr vernommen... Das könnte bei MEHR Zusammenarbeit zwischen diskriminierten Gruppen und damit MEHR Widerspruch von unterschiedlichen Seiten anders aussehen!
  • Antworten » | Direktlink »
#8 gatopardo
  • 24.11.2008, 22:23h
  • Antwort auf #4 von Konstantin
  • Deine Frage um die Aufregung ist berechtigt. Mein Beitrag stützt sich auf persönliche 33jährige Erfahrung in der Staatslinie, an die ich mich in aller Freundschaft erinnere, weil sie sich um die sexuelle Orientierung ihrer Leute nie gekümmert hat.
    Als in den 60ern und 70ern überall auf unserem Kontinent noch allgemeine homophobe Dunkelheit herrschte, war man bei LH mit homosexuellen Mitarbeitern in der Luft und am Boden längst zur Normalität übergegangen.
    Bevor man der LH nun Homophobie unterstellt, sollte man sich sehr genau mit dem wahren Grund der Kündigung dieses Flugbegleiters auseinandersetzen.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 gatopardo
  • 24.11.2008, 22:34h
  • Antwort auf #5 von Sascha
  • Sascha mein Guter, sollten wir uns vielleicht den Fall erst einmal in aller Ruhe ansehen ? Ich kann nicht nachvollziehen, wie eine Diskriminierung wegen sexueller Orientierung bei der Lufthansa möglich ist, die sich weitgehend stets für gelebte Vielfalt in ihren Reihen eingesetzt hat.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 XDAAnonym
  • 24.11.2008, 23:02h
  • Antwort auf #8 von gatopardo
  • Lufthansa und homophob ist sowas von lächerlich. Homosex. Paare (auch gänzlich ohne eingetragene Partnerschaft) genießen beim Kranich diesselben Vorteile (z.B. Reisen etc.) wie Hetero Paare. Dass der Flugbegleiter gekündigt worden ist, liegt sicher nicht an der Homosexualität, denn sonst würde ja gar kein Mann mehr als Flugbegleiter dort arbeiten ...

    Im übrigen ist die Schlagzeile mehr als reißerisch und auf BLÖD-Zeitungs-Niveau.
  • Antworten » | Direktlink »