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  • 24.11.2008           56       | | |

Die Vertreibung aus dem Serail

Rezensionsexemplar von "Vertreibung aus dem Serail" - Quelle: Männerschwarm
Rezensionsexemplar von "Vertreibung aus dem Serail"
Bild: Männerschwarm
Endlich ein vernünftiger Beitrag zur aufgeheizten Debatte über Homosexualität und Islam. Autor Georg Klauda geht wissenschaftlich an das Thema und rückt damit Einiges gerade.

Von Christian Scheuß

Seit den Anschlägen auf das World Trade Center und dem Krieg der westlichen Welt gegen den Irak tobt er, der Diskurs über den angeblichen "Kampf der Kulturen". Hier steht der vermeintlich so aufgeklärte Westen, dort der angeblich durch die Religion so erstarrte unaufgeklärte arabische Raum, der den Terror nutzt, um unsere Freiheiten zu bedrohen. Diese schwarz-weiße Sicht auf die Welt hat inzwischen auch die schwule Community in Deutschland erreicht. Wann immer auch über Intoleranz oder gar Gewalt gegen Schwule geredet wird, in die Menschen mit Migrationshintergrund verwickelt sind, spielt plötzlich deren Glauben im Speziellen und der Islam im Ganzen eine große Rolle.

Auch hier auf queer.de wird über die Kommentarfunktion diese Debatte häufig mit einer überschäumenden Emotionalität und nicht selten mit ideologischer Verbissenheit geführt, die niemanden gut tut. Einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der Debatte leistet nun Georg Klauda in seinem Buch "Die Vertreibung aus dem Serail", das in diesem Herbst bei Männerschwarm veröffentlicht wurde. Eigentlich sollte jeder, der künftig einen Kommentar zu diesem Thema abgibt, dazu verpflichtet werden, vorab die 168 mit wissenschaftlicher Methodik erarbeiteten Seiten durchzuarbeiten.

Der Diplom-Soziologe Klauda wundert sich. Natürlich werden islamische Staaten durch die Verfolgung "Homosexueller" immer wieder zu Recht angeprangert. Doch warum fragen wir hierzulande reflexhaft nach dem "kulturellen Hintergrund", wenn sich deklassierte Halbstarke aggressiv gegenüber Schwulen zeigen? Ist doch die klassische türkische und arabische Liebeslyrik voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des "aufgeklärten" Abendlandes vergeblich sucht. Überhaupt das Konstrukt der Homosexualität. Sie ist eine Erfindung der westlichen Welt, die diese unterschiedlichen Geschlechterrollen definierte um anhand dieser Koordinaten soziale, moralische und juristische Kodizes zu entwickeln, die wesentlich vom Christentum beeinflusst wurden. Die muslimische Welt hat diese Konstruktion nicht gebraucht.

Klauda stellt die richtigen Fragen. Warum wird die christliche Welt als aufgeklärt dargestellt und die islamische als vorzivilisatorisch und warum wird dabei ausgeblendet, dass seit dem Mittelalter "Sodomiter" im Namen Christi verfolgt und ermordet wurden?

Und Klauda weist den richtigen Weg. Er plädiert dafür, bei der Frage nach den Ursachen von Homophobie in Berlin-Kreuzberg und sonstwo nach den eigenen gesellschaftlichen Strukturen zu schauen und politisch am eigentlichen Kern des Problems zu arbeiten: Nämlich an dem nach wie vor wirksamen "heteronormativen Korsett". Das ist keine neue Erkenntnis. Die Schwulenbewegung der siebziger und frühen achtziger Jahre arbeitete schon mal intensiv an diesem Thema. Die Community im Jahre 2008 gewönne viel, würde sie diesen rosa Faden wieder aufgreifen.

Georg Klauda, Die Vertreibung aus dem Serail – Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt, 168 S., Männerschwarm Verlag, 16 Euro.

(Fortsetzung nach Anzeige)



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Themenschwerpunkt

   Islam   
Eine Weltreligion, die noch so ihre Probleme mit Schwulen hat.

Liberale Muslime setzen sich für Homo-Ehe ein (08.06.2010)
LSVD begrüßt Gebetsraum-Verbot an Schulen (27.05.2010)
Zentralrat der Muslime fordert Homo-Schutz im Grundgesetz (10.05.2010)
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Mehr Berichte zum Schwerpunkt

Reaktionen zu "Die Vertreibung aus dem Serail"


 56 User-Kommentare als Feed (RSS 2.0, ?)

S.  1  2  3  4  5  6
Die ersten:   
#1
24.11.2008
21:21:13


(+6

Von nino89
Profil nur für angemeldete User sichtbar

Ich hab's ja schon immer gesagt: Vernunftgemäßes Lesen & Interpretieren hilft am besten. Und dass der Koran genauso wie Bibel und jede andere "Heilige" Schrift nicht absolut-dogmatisch, sondern im Kontest zu den gesellschaftlich-historischen Gegebenheiten gelesen werden sollten/müssen, ist sicherlich jedem klar, der sich nicht als vernunftslosen "ich-mache-es-so-weil-es-mir-so-gelehrt-wurde"-Typ outen möchte.
Und Heteronormativität ist leider eine gesellschaftliche Fehlentwicklung, die innerhalb der letzten Jahrtausende stattfand und nur bedingt religiös bedingt ist.

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#2
24.11.2008
21:33:27


(-6

Von hw

"..Schwulenbewegung der siebziger und frühen achtziger Jahre arbeitete schon mal intensiv an diesem Thema. Die Community im Jahre 2008 gewönne viel, würde sie diesen rosa Faden wieder aufgreifen..."

Die den rosa-roten Faden nie verloren haben zu loben, kann nicht verkehrt sein.

Lob

Gutes Buch:
Kommentar 2

Link zu www.queer.de


Am Rande noch zum Menschenbild, aktuell:

"Auch die Volksgenossen sind bedroht
Die Jagd auf lebensunwerte mongoloide Abfallmenschen stellt eine Gefahr für gesunde, starke und rassenreine Kinder dar...."


Link zu www.kreuz.net



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#3
24.11.2008
21:43:40


(+1

Von Gerd

Also ich denke, dass das Buch sicherlich lesenswert ist und bisher habe ich es leider noch nicht gelesen.

Und durchaus ist es richtig, wenn auf die sehr facettenreiche, islamische Kulturwelt der Vergangenheit hingewiesen wird. Auch ist durchaus sehr treffend, auf die christliche Verfolgung vergangener Jahrhunderte und das Mittelalter hinzuweisen. Soviel zum Thema "Geschichtsrückblick", auf den der Autor zu Recht hinweist. Da sind sicherlich viele Fakten noch stärker in den Medien und in der Öffentlichkeit zu thematisieren und es ist gut, dass der Autor dies darstellt.

Gleichwohl aber bleibt an der tatsächlichen Situation der GEGENWART festzuhalten, dass mittlerweile christlich geprägte Länder und säkular geprägte Staaten, die christlicher Herkunft sind, in der Welt vorangehen, soweit es um die Legalisierung und die staatliche Anerkennung homosexueller Paarbeziehungen geht: Kanada, Niederlande, Belgien, Schweden, Neuseeland, usw. allesamt sind es keine islamisch geprägten Staaten, die in der ersten Reihe der Länder stehen, wo homosexuelle Paare sich im Jahre 2008 wohlfühlen und offen leben können.

Und durchaus bleibt es leider wahr, dass insbesondere im Islam der GEGENWART die Tendenzen zur Unterdrückung homosexueller Rechte stärker ausgeprägt sind, als dies gegenwärtig im Christentum der Fall ist ("auch wenn man sich so manchesmal sehr über Ratzinger und den Vatikan aufregt").

Es sind halt heute nur islamisch geprägte Staaten, wo die Todesstrafe uns droht:Jemen, Iran, Mauretanien, Sudan und Saudi-Arabien (Wahabiten) und Haftstrafen sind auch größtenteils nur in islamischen Ländern auffindbar.

So sehr ein Geschichtsrückblick richtig und wichtig ist, kann doch die gegenwärtige Situation in islamisch, geprägten Staaten nicht wegdiskutiert werden.

Ich möchte gegenwärtig nicht in einem islamisch geprägten Staat, wie Saudi-Arabien oder Iran, leben wollen und bin froh im Zentrum Europas zu leben.

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#4
24.11.2008
22:04:35


(-9

Von hw

Antwort zu Kommentar #3 von Gerd:
"..Und Klauda weist den richtigen Weg. Er plädiert dafür, bei der Frage nach den Ursachen von Homophobie in Berlin-Kreuzberg und sonstwo nach den eigenen gesellschaftlichen Strukturen zu schauen und politisch am eigentlichen Kern des Problems zu arbeiten: Nämlich an dem nach wie vor wirksamen "heteronormativen Korsett".

Du kennst die Triebkräfte zu Erstellung und Aurechterhaltung des Korsetts sehr genau.
Auch die EKD. Vornehmlich und nach wie vor:
ökonomische Erwäggründe.

Dieser Haufen für den Du hier, regelmäßig gut kommentiert, missionierst, treibt seine Humanität zersetzenden und Herrschaft erhaltenden Umtriebe mittlerweile so massiv, daß sich evangelische Theologen dazu
genötigt sehen:

Ein Aufruf wider die Anpassung
der evangelischen Kirche
an die Macht der Wirtschaft

Heidelberg, Reformationstag 31. Oktober 2008

Erstunterzeichnende:

Frank Crüsemann, Prof. Dr. theol
Ulrich Duchrow, Prof. Dr. theol.
Heino Falcke, D. Dr. theol.
Christian Felber, Mag. phil.
Kuno Füssel, Dr. theol.
Detlef Hensche, Dr. jur.
Siegfried Katterle, Prof. em. Dr. rer. pol.
Arne Manzeschke, PD Dr. theol.
Silke Niemeyer, Pfarrerin
Franz Segbers, Prof. Dr. theol.
Ton Veerkamp, Lic. theol.
Karl Georg Zinn, Prof. Dr. rer. pol


Link zu www.publik-forum.de



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#5
24.11.2008
22:40:45


(+5

Von Inferno
Aus Berlin
Mitglied seit 01.08.2008

Antwort zu Kommentar #4 von hw:
"Klauda stellt die richtigen Fragen. Warum wird die christliche Welt als aufgeklärt dargestellt und die islamische als vorzivilisatorisch und warum wird dabei ausgeblendet, dass seit dem Mittelalter "Sodomiter" im Namen Christi verfolgt und ermordet wurden?"

Tja, könnte es damit zu tun haben, dass das Mittelater überwunden wurde und wir heute in Europa kein Schwulen mehr vom Staat aus verfolgen, während die staatlich konstruierte Verfolgung der Homosexualität in islamiscfhen Nationalstaaten nur so blüht?

Könnte das wohl ein Grund sein?

Übrigens, Diplom Soziologen gibt es viele....allein in berlin gibt es davon mehr als 1000. Wer sich hinstellt udn meint, das wäre DIE wissenschaftliche Autorität die alle wiederlegt, hat in seinem Leben noch keine Uni von innen gesehen und tut gut daran, dass auch nicht zu ändern....

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#6
24.11.2008
23:04:19


(+7

Von Resi von der Alm

LOL!
Klauda! Wer sich näher über Ihn informiert, weiß wessen Geistes Kind er ist.
Queer.de wird immer verrückter
Lieber mal ein Buck von der Diplom Soziologin Kelek lesen und viele weitere Tausend Bücher und bitte dann erst Berichte verfassen.
Buch wird unteranderem hier zerissen, und auf vielen weiteren Seiten auch.

Link: stevenmilverton.com/2008/11/02/georg-klaudas-vertr
eibung-der-vernunft/

Teil 1

Link: gaywest.wordpress.com/2008/10/31/freundschaft-als-
lebensweise-wie-schwule-die-nicht-schwul-sein-woll
en-ihr-heil-im-islam-suchen-teil-2/#more-3692


Teil 2

Link: gaywest.wordpress.com/2008/10/30/freundschaft-als-
lebensweise-wie-schwule-die-nicht-schwul-sein-woll
en-ihr-heil-im-islam-suchen-teil-1/



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#7
24.11.2008
23:47:27


(+8

Von Samuel

"Er plädiert dafür, bei der Frage nach den Ursachen von Homophobie in Berlin-Kreuzberg und sonstwo nach den eigenen gesellschaftlichen Strukturen zu schauen und politisch am eigentlichen Kern des Problems zu arbeiten: Nämlich an dem nach wie vor wirksamen "heteronormativen Korsett"."

Dumm nur, dass Klauda jeden schwulen Mann beschuldigt, mitschuldig an der Heteronormativität zu sein, weil jeder Schwule, der sich als solcher bezeichnet, sich ja auf das Konstrukt "Homosexualität" einlässt, dass der von Klauda verachtete Westen ja erst erfunden habe. Oder kurz gesagt: Schwule Männer gibt es gar nicht.
Klaudas Thesen sind nichts weiter als dekonstruktivistischer Unsinn, mit dem man auch beweisen könnte, dass Schweine fliegen könnten, wenn diese nicht durch das westliche Konstrukt der Schwerkraft an den Erdboden gefesselt wären.

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#8
25.11.2008
01:15:30


(-4

Von perry

Antwort zu Kommentar #6 von Resi von der Alm:
Ach bitte, diese rechtsradikalen Hetzer von Gaywest haben doch das Buch überhaupt nicht gelesen, sondern kommentieren eine Rezension in Rosige Zeiten, wobei sie nicht einmal in der Lage sind, kognitiv zwischen dessen persönlichen Aussagen und den Thesen des Buches selbst zu unterscheiden.

Das ist doch allein schon peinlich: sich eine Meinung auf der Basis der Rezension einer Rezension bilden zu wollen!

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#9
25.11.2008
01:32:55


(-4

Von perry

Hier zwei weitere Rezensionen zum Buch:


Link zu www.gigi-online.de


und


Link zu www.schwule-seite.de


Bisher loben alle das Werk ziemlich überschwänglich. Einen Verriss, wie Resi behauptet, hat es noch nirgends gegeben.

Und weder er noch Gaywest haben das Buch überhaupt gelesen.

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#10
25.11.2008
02:11:43


(+4

Von bastapapsta
Profil nur für angemeldete User sichtbar

Noch so ein Buch, dass die Welt nicht braucht !
In Berlin hat dieses Jahr so ein "Iman" vor tausenden Leuten gesagt: " Ich habe genauso wie ihr von den schwulen Ratten die Nase voll".
Und an der Bildung scheint es bei Herrn Klauda wohl auch ein Defezit zu bestehen: "

"Sie ist eine Erfindung der westlichen Welt, die diese unterschiedlichen Geschlechterrollen definierte um anhand dieser Koordinaten soziale, moralische und juristische Kodizes zu entwickeln, die wesentlich vom Christentum beeinflusst wurden. Die muslimische Welt hat diese Konstruktion nicht gebraucht."

Klaudas Recherchen scheinen anhand von Material entstanden zu sein, welches von vor 40 Jahren stammt.
Oder er vertuscht bewusst, dass die Wissenschaft mit ihren Ergebnissen nachweislich das Gegenteil belegt.

Und immer wird man, wenn man homophobe Handlungen seitens der Islamisten kritisiert als "rechts" diffamiert.

Aber um nochmal auf die Hasspredigt dieses Imams zurück zu kommen, der nicht ausreichend für seinen Spruch kritisiert wurde. Stattdessen wurde Grossmufti Ceric letzten Sa. der Eugen-Biser Preis verliehen.
*KOTZ* *PFUI*

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#1
25.11.2008

Blog: The Gay Dissenter
Titel: “Die Todesstrafe ist viel zu gut für Schwule. Sie sollten zusammengetrieben und öffentlich ausgepeitscht und gefoltert werden!”

Joe Brummer macht auf seinem ausgezeichneten Blog “replace the lies with truth” auf einen neuerdings auf youtube verfügbaren Mitschnitt einer Talkshow aufmerksam:

Hier eine ins Englische übersetzte Mitschrift des letzten Teils des Ge...



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>> Das RTL-Dschungelcamp kehrt im Januar zurück
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