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  • 27. November 2008, noch kein Kommentar

Jetzt im Kino: Die neue Doku von Jochen Hick zeigt ein Panorama lesbischer und schwuler Überlebensstrategien im heutigen Moskau.

Von Carsten Weidemann

16 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion befindet sich Russland mit seiner Hauptstadt und Megapolis Moskau auf einer rasanten Fahrt in den Kapitalismus. "Russia is a country of business. We make money!" - sagt ein bekannter DJ. Dies bedeutet Geld, Schönheit, Prunk, Erdöl und Gas, nicht aber Demokratie und Menschenrechte. Die westliche Perspektive beurteilt den Stand einer Demokratie gern am Umgang einer Bevölkerung mit ihren Minderheiten. EAST/WEST gibt Einblick in das Verhältnis der Moskauer Mehrheitsbevölkerung und ihrer lesbischen, schwulen, bisexuellen und transidenten Bevölkerung 15 Jahre nach Abschaffung des Art. 121, der einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte.

Nach mehreren Dokumentationen über homosexuelle Lebensstile in den USA und Deutschland findet Jochen Hick in Moskau eine kleine, politische, sich öffentlich zeigende Gruppe vor, die für ihre Rechte auf die Straße gehen, sich mit dem Staat vor Gericht um das gesetzlich verbriefte Demonstrationsrecht streiten und ihre Landsleute aus der politischen Apathie zu wecken versuchen. 2006 und 2007 begleitet Jochen Hick die politischen Entwicklungen und gewaltvollen Auseinandersetzungen um den Gay Pride und findet skurrile Situationen vor: Unter den schwul-lesbischen Aktivisten in den Straßenkämpfen finden sich viele um Demokratie bemühte Westler, während ihre Gegner von Religiösen und Rechtsnationalen rekrutierte Frauen und Männer sind, die Lesben und Schwulen zornig vorwerfen, keine Kinder in die Welt zu setzen oder schlicht in xenophober Tradition nichts Ungewohntes zulassen wollen. Dennoch: die Gay Prides 2006 und 2007 fanden statt.

Jochen Hick schaut hinter die Kulissen, porträtiert einfühlsam Organisatoren, Befürworter und Gegner einer politischen Lesben- und Schwulenbewegung, baut Brücken nach London, Brüssel und Genf zu westeuropäischen Sympathisanten. Er porträtiert auch die, für die der Kampf um Demokratie keine lohnende Perspektive ist: Ob der Strand der Moskva und abends der Club lockt oder auf automatische Verbesserung der Verhältnisse im Laufe der Zeit gesetzt wird. In "East/West – Sex & Politics" entfaltet sich ein Panorama lesbischer und schwuler Überlebensstrategien im heutigen Moskau. Ein windiger Politiker, ein "abtrünniger" orthodoxer Priester, Menschenrechtler, Lebenskünstler und zufällige Passanten kommen zu Wort. Die Kamera begleitet die Protagonisten durch die Straßen von Moskau, in der Metro, bei Arbeit, Sport und Spiel, besucht sie in ihren Wohnungen, erkundet das lebhafte Nachtleben mit ihnen. Selten ist ein Film dem russischen Alltag so nahe gekommen.