Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?9739

Wiedergelesen: Fred Uhlmanns Novelle "Der wiedergefundene Freund" aus dem Jahr 1971 erzählt von der tiefen Freundschaft zweier Jungen vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland.

Von Roberto La Pietra

Der 16-jährige Hans Schwarz, Sohn eines jüdischen Arztes, besucht ein Elite-Gymnasium im Stuttgart der frühen dreißiger Jahre. Sein Leben ändert sich abrupt, als der adelige Kondradin von Hohenfels eines Morgens das Klassenzimmer betritt. Hans ist betört und schwört sich, die Zuneigung des selbstbewussten Klassenkameraden zu gewinnen. Er ist jedoch nicht der einzige - Konradin fasziniert auch die anderen, die fortan allesamt um den blonden Schönling werben.

Doch letztendlich gelingt es dem unauffälligen Hans, sich an Konradin heran zu tasten und es entwickelt sich eine fast schon zärtliche Freundschaft zwischen den beiden Jungen. Sie diskutieren über Philosophie und den Sinn des Lebens – nur am Rande über Mädchen. Zögerlich wagt Hans, dem Freund seine Familie vorzustellen. Die Gegeneinladung bleibt jedoch aus. An einem Abend in der Oper, die die beiden Jungen unabhängig voneinander mit ihren Familien besuchen, ignoriert Konradin seinen Kameraden. Nach einigen Tagen stellt der zerknirschte und tief enttäuschte Hans Konradin zur Rede, um schließlich zu erfahren, dass dessen Mutter eine glühende Antisemitin ist.

Von hier an verschlimmert sich das politische Klima in Deutschland für Hans und seine Familie. Er wird schließlich von seinen Mitschülern diskriminiert. Konradin verweigert immer mehr die Unterstützung und das ehemals innige Verhältnis der beiden Jungen erkaltet von Tag zu Tag. Als die Lage immer brenzliger wird, schicken Hans' Eltern ihren Sohn schließlich zu Verwandten nach Amerika. Vor seiner Abreise erhält Hans jedoch noch einen Abschiedsbrief von Konradin. Er solle sich nicht sorgen – in einigen Jahren sei das Klima für ihn wieder akzeptabel und er könne zurückkehren nach Deutschland. Er selbst entpuppt sich als begeisterter Hitler-Anhänger und traut dem Führer zu, das Ruder im chaotischen Deutschland der dreißiger Jahre herumzureißen.

Jahrzehnte vergehen – Hans hat nie wieder von Konradin gehört und seine Eltern haben sich noch vor dem herannahenden Weltkrieg aus Angst vor den Nazis umgebracht. Schließlich erhält Hans einen Brief von seinem ehemaligen Gymnasium über den Verbleib seiner damaligen Klassenkameraden. Nahezu die Hälfte von ihnen kam im Krieg ums Leben. Zögerlich geht er die alphabetische Liste durch, stoppt jedoch immer wieder bei Konradins Anfangsbuchstaben. Er versucht, sich durch Büroarbeit abzulenken, nimmt nach einiger Zeit jedoch das Blatt erneut in die Hand und entdeckt Konradins Namen. Dessen Todesursache lässt ihm den Atem stocken.

Fred Uhlmanns Novelle "Der wiedergefundene Freund" berührt jeden, der das tiefe jugendliche Bedürfnis nach einer absoluten Freundschaft kennt. Sensibel zeichnet er die beiden Hauptfiguren und ihre fast schon liebevolle Beziehung zueinander. Das Ende der kurzen Novelle ist ebenso schockierend wie auch berührend. Mit nur rund 115 Seiten schafft es der Autor, den Leser noch über Tage innerlich so sehr zu beschäftigen, dass er dieses Buch sicher nie wieder vergisst.

Fred Uhlmann: Der wiedergefundene Freund. Erzählung, Diogenes Verlag, 115 Seiten, 7,90 €



#1 XDAAnonym
#2 SevenAnonym
#3 XDAAnonym
#4 vully70Profil
  • 21.05.2009, 16:09hNeuhausen
  • In einer Rezension habe ich gelesen, dass der Autor den Konradin an Claus Graf Schenk von Stauffenberg orientiert habe, der wie er selbst und die Figuren der Novelle das Eberhard-Ludwig-Gymnasium in Stuttgart besucht hatte, allerdings etwas später (der Autor war Jahrgang 1901, Stauffenberg 1907).
  • Antworten » | Direktlink »