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Im noblen Londoner Cadogan Hotel verbrachte Oscar Wilde seine letzte Nacht in Freiheit. Die Suite des Dichters erstrahlt im neuen Glanz und bewahrt das Gedenken an ihren berühmten Gast.

Von Ejo Eckerle

Ein gepflegter, typisch britischer Samstagnachmittag im Londoner Hotel Cadogan: schnatternde englische Ladys in tiefen Polstern und ein distinguierter befrackter Oberkellner, dessen Erscheinung ein wenig an Freddie Frinton aus Dinner for One erinnert. Es werden Tee, Gurkensandwiches und zuckersüße Petits Fours gereicht. Wer seine Stimmung heben möchte, bestellt das große Gedeck, da ist ein Glas edlen Champagners mit drin. Oscar Wilde hätte sicher die dekadente Stimmung gefallen, mehr noch, möglicherweise hat er hier, im historischen "Drawing Room", auf gleiche Weise seine Zeit verbummelt.

Das Cadogan diente dem Schriftsteller als standesgemäße Unterkunft. Nur wenige Gehminuten vom Buckingham Palace entfernt, liegt das Hotel an der Schnittstelle zweier eleganter Innenstadtviertel: Belgravia und Mayfair, damals wie heute Wohnquartiere der Londoner Upperclass. Wilde, die skandalumwitterte Stilikone des viktorianischen Zeitalters, logierte hier zusammen mit seinem Geliebten Lord Alfred Douglas. Was anderes als ein Hotel dieser Kategorie wäre für den größten Dandy seiner Zeit angemessen gewesen?

1887 erbaut, war es einer der ersten Adressen der viktorianischen High Society ¬¬– und ein Ort der gepflegten Doppelmoral: Die Schauspielerin Lillie Langtry residierte zwischen 1982 und 1897 auf Zimmer 106, wo sie ihren Geliebten König Edward VII zum diskreten Téte-à-téte traf. Wer in den engen und verwinkelten Gängen der ersten Etage ein paar Türen weitergeht, stößt auf Zimmer 118, die berühmte Oscar-Wilde-Suite.

Überraschend eng geht es im dem Erkerzimmer zu, beherrscht wird es von einem mit Brokatsamt bespannten Doppelbett in dem eine halbe Rugby-Mannschaft Platz fände. Schwere seidene Vorhänge an wandhohen Fenstern, zwei bequeme mit silbrig glänzendem Stoff überzogene Ohrensessel, geben dem Zimmer eine gediegene, aber leicht schwülstige Atmosphäre. Nun ja, man ahnt ja, was sich hier zwischen den Laken abgespielt haben mag. Ob es dem Hang zur englischen Spleenigkeit zu verdanken ist, dass das Unterhaltungs-Equipment ein wenig aus dem gewohnten Rahmen fällt? Links steht auf dem Nachttischchen ein Kofferradio im 60er-Jahre-Look, rechts prangt eine hochmoderne Kombination aus Radiowecker und iPod-Docking-Station.

Eine Fotografie an der Wand zeigt Wilde in seinem berühmten samtenen Hausmantel mit Pelzkragen. Zwar nicht das Original, aber eine Kopie davon hält der Schrank für den Gast bereit, falls jemand das stilechte Ambiente braucht um den Geist des ehemaligen Bewohners zu beschwören. Die Erinnerung an die Geschichte wird liebevoll gepflegt und obwohl das gesamte Haus in diesem Jahr einer aufwändigen Renovierung unterzogen wurde, haftet ihm eine zurückhaltende Patina an, zu der die reich dekorierten Louis-XIV-Kamine und die prachtvollen Kassettendecken in der Lobby gehören.

Für Oscar Wilde wurde das Cadogan zum Schicksalsort. Hier verbrachte der Schriftsteller seine letzte Nacht in Freiheit bevor er verhaftet und ins Zuchthaus nach Reading verfrachtet wurde. Vor ihm lagen zwei Haft, verbunden mit schwerer körperlicher Arbeit. Oscar Wilde, der gefeierte Erfolgsschriftsteller war über Nacht zum Outlaw geworden. Seine Stücke verschwanden von den Spielplänen der Theater, seine Werke aus den Regalen der Buchläden. Die Gefängniszeit vernichtete seine gesellschaftliche Existenz, ruinierte ihn finanziell und zerstörte seine Gesundheit. Verarmt und vergessen starb er am 30. November 1900 im Alter von 46 Jahren in einem Pariser Hotel, das an sein letztes Londoner Quartier bei weitem nicht heranreichte. Immerhin logierte er im besten Zimmer, verwöhnt von einem barmherzigen Wirt, der den völlig verarmten Wilde mit kostenlosem Wein und Essen versorgte.

Hotel Cadogan, 75 Sloane Street, London, SW1X 9SG, Tel. 44 (0)20 7235 7141. Eine Übernachtung in der Oscar-Wilde-Suite kostet ca. 360 Euro



#1 dummfugAnonym
  • 15.12.2008, 09:25h
  • Also für eine Hotelwerbung sind in diesem Text aber eine Menge Fehler drin... nicht ganz im Stil des doch so sprachgewandten Wilds...

    Wie schön, das wir so viele wichtige Details aus Wilds leben erfahren, immerhin wurde tatsächlich sein langjähriger Freund Bosie genannt! Ein wirklich lesenswerter Artikel.
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#2 LaDy-ChRiSAnonym