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Auf das Berliner Homo-Mahnmal ist in der Nacht zum Dienstag wieder ein Anschlag verübt worden – Mahnwache für Freitag geplant.

Das Sichtfenster des Mahnmals, das an die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen erinnert, sei gesplittert, erklärte die Polizei. Vermutlich sei ein Stein auf das Glas geworfen worden, durch das die Betrachter ein Endlosvideo eines Kusses zwischen zwei Männern sehen können. Der Staatsschutz hat sich inzwischen in den Fall eingeschaltet, da ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann.

Bereits im August war das Mahnmalfenster von Unbekannten eingeschlagen worden (queer.de berichtete). Der Berliner Senat lehnte daraufhin die Video-Überwachung des Gedenkortes ab, um dessen offen Charakter zu bewahren (queer.de berichtete).

Politiker und der Lesben- und Schwulenverband verurteilten die Tat aufs Schärfste. "Der erneute Anschlag zeigt, wie präsent Homophobie in Deutschland noch ist. Es darf in Deutschland keine Toleranz für Gewalt und Hass gegen Minderheiten geben", erklärte der grüne Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck. "Dass zwei küssende Männer - wie im Mahnmal gezeigt - Wut und Gewalt hervorrufen, macht fassungslos und mahnt uns alle zu mehr Aktionen und Aufklärung gegen Homophobie."

Der LSVD Berlin-Brandenburg erklärte, der Anschlag beweise, dass Feindseligkeiten gegenüber Schwulen und Lesben ein "virulentes Problem dieser Gesellschaft" seien. Der Verband ruft daher für kommenden Freitag (19. Dezember) zu einer Mahnwache am Denkmal auf (Start: 12.30 Uhr). (dk)



76 Kommentare

#1 nino89
  • 16.12.2008, 20:06h
  • Oh man...na wenigstens reagiert der Staat und die Zivilgesellschaft. Auch wenn das wieder mal nur Symptombekämpfung ist
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#2 xv22Anonym
#3 SaschaEhemaliges Profil
  • 16.12.2008, 20:30h
  • Ja, wie man sieht, darf im Jahr 2008 in Deutschland noch nicht einmal penibel versteckt in einem abgeschotteten Container ein "öffentlicher", schwuler Kuss stattfinden.

    Man mag gar nicht darüber nachdenken, welche kranken Reaktionen ein wirklich für alle sichtbarer Kuss, z.B. auf einer großen Leinwand (und nur so hätte das "Mahnmal" für mich Sinn gemacht) ausgelöst hätte. Und doch sollten wir darüber dringend nachdenken, denn eben diese Konfrontation ist offenbar längst überfällig.

    Aber mal Hand aufs Herz: Wann habt ihr das letzte Mal zwei Jungs oder Männer gesehen, die in der Öffentlichkeit mit derselben Selbstverständlichkeit rumgeknutscht haben, wie Heteros das immer und überall tun?

    Wie heißt es so schön: Veränderung beginnt bei einem selbst, und solange 99% von uns auch lieber ihren Schwanz einziehen, als offen das zu leben, was sie sind, brauchen wir angesichts solcher Ereignisse keine Empörung zu heucheln. Würden alle Jungs und Männer, die auf selbige stehen, dies im öffentlichen Leben ganz selbstverständlich zeigen, hätten wir schon unglaublich viel gewonnen.
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#4 NewbieAnonym
  • 16.12.2008, 21:22h
  • Homophobie findet mitten in der Gesellschaft statt - und sie nimmt zu, wie Dokumentationen u.a. im Fernsehen eindrucksvoll-bedrückend aufzeigen. Auch in Berlin. Diese Fernsehdokumentationen gibt es als Videos online zu sehen bei einer Mediathek im Internet, besonders interessant ein RBB-Bericht über homophobe Gewalt in Berlin und eine Täteranalyse, besonders erschreckend die anderen Dokumentationen über homophobe Morde im Iran und auf Jamaika.
    Die Mediathek mit der Rubrik "Homophobie" fand ich hier:
    www.fischer24.eu
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#5 SaschaEhemaliges Profil
  • 16.12.2008, 22:46h
  • Antwort auf #1 von nino89
  • Oh, @nino,

    diese reichlich oberflächliche Wahrnehmung wird deinen sonstigen Beiträgen aber nicht gerecht.

    Wo reagieren denn bitte "Staat" und "Zivilgesellschaft"???

    Zunächst einmal ist Herr Beck von den Grünen nicht der Staat und der LSVD alles andere als die Zivilgesellschaft, und abgesehen davon (und immerhin das hast du durch deinen letzten Satz noch anklingen lassen) tun die genannten Akteure seit Jahren null komma nichts, wenn es um die aktive Bekämpfung von Homophobie gerade unter jungen Menschen und eine wirklich effektive Antidiskriminierungspolitik in diesem Lande geht.

    Unser so genanntes AGG erfüllt ja bis heute noch nicht einmal die Minimalanforderungen der betreffenden EU-Richtlinien. Aber noch viel verheerender ist die totale (und bewusste) Untätigkeit von Staat und Zivilgesellschaft im Erziehungs- und Bildungswesen, obwohl die wieder stark zunehmende Xenophobie im Allgemeinen und Homophobie im Besonderen nicht erst seit den Anschlägen auf das Homo-Mahnmal durch zahlreiche Untersuchungen auch der Bundesregierung (also faktisch des Staates) selbst eindeutig belegt ist.

    Aber wie soll das unter anderem in einem in jeder Hinsicht antisozialen, die Gesellschaft bewusst fragmentierenden und weite Teile der jungen Menschen marginalisierenden Bildungssystem bzw. dank der verantwortlichen politischen Eliten, die an eben diesem weiterhin mit aller Macht festhalten, auch anders sein?

    Im Grunde ist dieses Homo-Mahnmal doch selbst ein grotesker Ausdruck dafür, dass Vielfalt in dieser Gesellschaft nach wie vor massiv diskriminiert und allenfalls in dunklen, abgeschotteten Blechcontainern "toleriert" wird. Was an diesem heiligen Örtchen, das nicht videoüberwacht werden darf, "offen" sein soll, möge uns der Berliner Senat bitte einmal genau erklären. All die hier genannten Absurditäten (und man könnte noch endlos fortfahren) belegen letztlich nur, dass diese Gesellschaft aus der Geschichte, derer da angeblich gedacht werden soll, nichts, aber auch rein gar nichts, gelernt hat.
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#6 xyAnonym
  • 16.12.2008, 22:53h
  • Antwort auf #3 von Sascha
  • Eine Gesellschaft, die so in Lethargie versunken ist wie unsere, wo alle möglichen Frechheiten und Zumutungen gleichsam als gottgegeben hingenommen werden statt dagegen einen Riesenrabatz zu machen (vielen Dank an Rot-Grün für Hartz IV), wo die meisten Menschen von der Furcht beherrscht werden, anzuecken, irgendjemanden zu ärgern, sich unbeliebt zu machen, ihren Scheißjob zu verlieren, wo man sich etwas darauf zugute hält, unpolitisch zu sein, bekommt genau das, was sie verdient.
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#7 KetzerAnonym
  • 16.12.2008, 23:46h
  • Antwort auf #3 von Sascha
  • "Aber mal Hand aufs Herz: Wann habt ihr das letzte Mal zwei Jungs oder Männer gesehen, die in der Öffentlichkeit mit derselben Selbstverständlichkeit rumgeknutscht haben, wie Heteros das immer und überall tun?"

    Vorgestern.
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#8 skydiverProfil
  • 17.12.2008, 00:02hStuttgart
  • @Sascha: Das ist kein "Blechcontainer" sondern ein "hässlicher" Block aus "Granit" !!! :-) Auch wenns auf dem Foto wie ein "Blechcontainer" aussieht !!! :-)

    Dort eine "Video Überwachung" aufzubauen fände ich auch nicht so pricklig :-( Der Tiergarten wird auch heute noch als "Cruising Area" genutzt !!! Und wer lässt sich schon gerne beim fi... per Video überwachen !?! Eben !!!

    Ich frage mich bloss, warum Man(n) es nicht einmal mit einem "Panzerglas Sichtfenster" probiert ?!?

    Wobei das Wort "Panzerglas" ja sicher schon wieder bei vielen Schwulen im Konflikt steht, bzw. diesen auslösen wird zu einem "Mahnmal der im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Homosexuellen" ...
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#9 SaschaEhemaliges Profil
  • 17.12.2008, 00:14h
  • Antwort auf #8 von skydiver
  • Ich will doch sehr hoffen, dass MEIN Beitrag nicht als Plädoyer für eine Überwachungskamera herübergekommen ist...

    Aber wie man sieht: DAS sind die Themen (bzw. Pseudo-Lösungen), die die Gemüter bewegen. Die wirklichen Ursachen des Problems scheinen auch hier kaum jemanden zu interessieren.

    PS: "Vorgestern" hat da also jemand ein schwules Pärchen öffentlich rumknutschen sehen. Bei mir ist's mindestens seit dem CSD nicht mehr vorgekommen, und ich lebe ja nicht gerade in der ländlichen Einöde. Aber auch sonst ist "vorgestern" ja nicht gerade der Hit, sondern wenn schon, dann bitte (mehrmals) täglich!
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#10 skydiverProfil