Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?9794

Zum 30sten Geburtstag schließt das Düsseldorfer Lesben- und Schwulenzentrum.

Von Norbert Blech

An Gerüchten hatte es in Düsseldorf in den letzten Monaten und eigentlich auch Jahren nicht gemangelt, nun ist es offiziell: Die derzeitigen Verantwortlichen des Rosa Mond haben die Schließung des Lesben- und Schwulenzentrums angekündigt.

"Silvester ist unser Abschluss und 2009 ist das Rosa Geschichte", heißt es auf der Zentrums-Homepage. Die Silvester-Party wird damit historischen Rang einnehmen: um Mitternacht startet "das Rosa in sein 30. Geburtsjahr und wird wenig später feierlich von uns zu Grabe getragen". Bei einem Flohmarkt am 18. Januar sollen die Überreste aus den bewegten Jahren des Zentrums versteigert werden.

Die Räumlichkeiten an der Lierenfelder Straße sind bereits für Ende Januar gekündigt, gleichzeitig soll nach einer Betriebs-GmbH auch der Verein in Insolvenz gehen. Bei einer Versammlung am Dienstag informierten die Vorstände über den (nicht einstimmigen) Beschluss, die Rettungsversuche der letzten Zeit aufzugeben. Erste Pläne für ein neues Zentrum an neuem Ort und mit neuem Namen und Verein wirkten auf Teilnemer wenig überzeugend und durchdacht; eine gewisse Unbedarftheit der neuen Rosa-Planer wurde ebenso bemängelt. Mit der dann doch plötzlichen Auflösung sind nicht alle einverstanden: in den Rettungsversuchen steckten auch Spenden und viel privates Engagement.

Von namenlos zu legendär

1979 begann die Geschichte eines zwischenzeitlich sehr erfolgreichen Zentrums auf der Kölner Landstraße, als fünf Schwule das ursprüngliche "Café Namenlos" gründeten. Nach einem Umzug zum Oberbilker Markt wurde das umbenannte und wenig später als Verein eingetragene Rosa das noch recht links-alternative Zentrum des schwulen Gruppen- und Kulturlebens. Künstler wie Georgette Dee und Terry Truck wurden durch ihre Auftritte im Rosa bekannt, hier gründeten schwule Männer unter dem schockierten Eindruck der ersten Infektionen die Aids-Hilfe Düsseldorf, die später mit ins neue Gebäude des Zentrums auf der Oberbilker Allee 310 zog.

In diesem Hinterhof kam es zur erfolgreichsten Zeit des Rosa Mond: Neben Gruppentreffen etablierten sich die Kneipenabende, die monatliche Disco "Moondance" und auch die Kultur- und Trashshow "Culture Club". Doch ausgerechnet eine Party mitten in der Woche entwickelte sich zum Renner: der "Rosa Donnerstag". Aktionen wie die Durchführung des ersten Düsseldorfer CSDs im Jahre 1992, die Kranzniederlegung in der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte zum 8. Mai 1995 oder die Teilnahme am Kölner CSD 1992 gehören zu den geschichtlichen Highlights des Zentrums.

Ende der 90er war das Rosa auf dem Höhepunkt seines Erfolgs angelangt, damals noch in Konkurrenz zum zweiten Düsseldorfer Homo-Zentrum LuSZD: auf den Parties Donnerstags konnte man kaum noch einen Platz finden, trotz Mitnutzung des Loft-Cafés der Aids-Hilfe. Es war die richtige Zeit für ein schwul-lesbisches Zentrum: die CSDs im Land wurden plötzlich Massenbewegungen, die Szene wurde überrant von Leuten, die sich erstmals outeten, und zunehmend liberalen Heteros. Doch auf den Höhepunkt folgte die Krise: nach etlichen Beschwerden der Nachbarn bekam das Rosa eine Nutzungsuntersagung für alle Veranstaltungen nach 22 Uhr auf Grund baurechtlicher Mängel, ein generelles Verbot von Live-Darbietungen folgte wenig später. Die Party tourte kurze Zeit erfolgreich durch Düsseldorf, bis ein Umzug in die neuen Räume des LuSZD in Lierenfeld beschlossen wurde.

Ist die Zeit für Zentren abgelaufen?

In den neuen Räumlichkeiten mitten in einem Gewerbegebiet tat sich das Zentrum im Laufe der folgenden Jahre schwer, an frühere Erfolge anzuknüpfen, obwohl aus beiden Zentren eins wurde. Ein reges Gruppenleben wollte sich nicht mehr recht etablieren, ehemalige "Kinder" des Rosas wie der "Culture Club" zog es in neue Räume. Für viele Besucher des Zentrums bot der zunemend mit anderen Parties austauschbare "Rosa Donnerstag" nicht mehr die alternative und freundlich gemischte Atmosphäre früherer Jahre, Streitereien zwischen alten und neuen Ehrenamtlichen, zunehmende Geldprobleme und ein nicht enden wollender Umbau taten ihr übriges. Selbst der Hass auf den homophoben Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) konnte die Szene nicht mehr hinter dem einstigen Bewegungszentrum einen; die Wiederauflage eines regelmäßigen CSDs hatte ihren Ursprung anderswo. Als neues Event der letzten Jahre etablierte sich nur die "Darkside" - die Safer-Sex-Party soll in neuen Räumlichkeiten fortgeführt werden.

Wie auch die Nachbarstadt mit Dom, in der sich kein Nachfolger fürs legendäre Schulz fand, zeigt: Es ist vielleicht einfach nicht mehr die Zeit für große Zentren. Schon Anfang des neuen Jahrtausends wirkte das Rosa/LuSZD aus der Zeit gefallen, als der einst für viele Coming-Outs so wichtige Jimmy Somerville ein Konzert gab; der Tanzraum war nicht mal voll gefüllt. Coming-Outs sind zwar auch heute noch oft problembehaftet, aber man holt sich die Unterstützung anderswo. Parties und Kneipen gibt es genügend und vielfältig im Land, Möglichkeiten zum Kennenlernen anderer Schwuler sowieso. Gruppen treffen sich nun auch in allgemeinen Bürgerzentren, und in den großen Städten gibt es eigenständige, professionelle Support-Einrichtungen. So auch in Düsseldorf: die NRW-Landeshauptstadt bekommt demnächst ihr eigenes schwul-lesbisches Jugendzentrum.



41 Kommentare

#1 Düssel GayAnonym
  • 25.12.2008, 14:56h
  • Man hätte es auch ehrlicher ausdrücken können. In den letzten Jahre verkam der Schuppen zum Cafe Lesben Mond. Der Nierdergang war überfällig. Die Weiber waren unerträglich und haben sich nicht nur gegenseitig die Augen ausgekratzt sondern auch die Männer systematisch vertrieben. Das war ein Schrecken ohne Ende. Prima das es endlich vorbei ist. Und der gute Vorstz für das kommende Jahr: Nie wieder Frauen an die Macht.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 StrigiAnonym
  • 25.12.2008, 17:35h
  • Antwort auf #1 von Düssel Gay
  • Bei Schwuchteln von deiner Sorte, erwäge ich jedesmal ernsthaft eine sexuelle Umorientierung meinerseits. Könnt´ ich direkt reintreten, bei soviel geballter Dummheit und zwar dorthin, wo es besonders schmerzt.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 SaschaEhemaliges Profil
  • 26.12.2008, 00:27h
  • Antwort auf #2 von Strigi
  • "Schwuchtel", "Umorientierung" - also jemand, der mit solchen Begriffen um sich wirft, sollte anderen lieber nicht zu laut "geballte Dummheit" unterstellten - das könnte nämlich auf ihn selbst zurückfallen...

    Ich denke mal, dass sich @Düssel Gay hier auf lokale Beobachtungen, Hintergründe oder doch zumindest auf seine persönlichen Eindrücke von der Entwicklung des Zentrums bezieht, die zunächst einmal interessant und wichtig sind und die ihn verständlicherweise frustriert zu haben scheinen.

    Ich stimme freilich nicht mit all seinen Schlussfolgerungen überein, aber man sollte darauf nicht gleich mit dem üblichen schwulen Schwulen-Bashing reagieren, sondern sich ernsthaft mit den hier vorgebrachten Punkten beschäftigen. Man muss keine "Schwuchtel" und schon gar nicht "dumm" oder "umorientierungsbedüftig" sein, um festzustellen, dass (auch) gewisse feministische Akteure mitunter weit über ihr Ziel hinausschießen und unter anderem erreicht haben, dass man sich in dieser Gesellschaft immer weniger um die Bedürfnisse von Jungs und jungen Männern kümmert. Messbar wird diese Diskrepanz dann u.a. in der Tatsache, dass der Anteil männlicher Jugendlicher, die sich frei und unbefangen mit dem eigenen Geschlecht sexuell ausprobieren in den letzten 15 bis 20 Jahren zurückgegangen ist, während er sich bei weiblichen Jugendlichen verdoppelt hat (siehe letzte Vergleichsstudie der BZgA 2006). Oder dass die Ermordung von Schwulen in Konzentrationslagern dafür instrumentalisiert (und damit gewissermaßen die Geschichte umgeschrieben wurde), dass der so verhasste Schwulen-Kuss des Homo-Mahnmals jetzt immer im Wechsel mit dem von der heterosexistischen Gesellschaft heißgeliebten Lesben-Kuss gezeigt werden muss.

    Ein wenig mehr Selbstbewusstsein und eine Emanzipation schwuler Männer auch gegenüber lesbischen Frauen und Frauen im Allgemeinen sollten wir uns schon erlauben, ganz im Gegensatz zum üblichen schwulen "Ich muss zu Frauen ganz besonders lieb und nett sein, wenn ich schon schwul bin"-Komplex. Denn die oben nur beispielhaft erwähnten Problemkreise wird niemand zu einem Thema machen, wenn wir es als selbstbewusste Homo-Männer nicht selbst tun. Daher bin ich an den Beobachtungen von @Düssel Gay sehr interessiert und würde mich über seine weitere Beteiligung an dieser Diskussion sehr freuen!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Thom_ass1973
#5 Christian FischerAnonym
  • 26.12.2008, 11:28h
  • Der neue Vorstand hat gemeinsam mit den Mitgliedern versucht das Ruder in letzter Minute rum zu reißen, bis uns der Vermieter endgültig einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Die daraus für den CRM 30 e. V. zu ziehenden Konsequenzen, sind uns sehr schwer gefallen. Da sind die Rosas, die finanziell und persönlich sehr, sehr viel investiert haben. Und da sind die neuen Mitglieder, denen man die enormen Altlasten der Vergangenheit nicht aufbürden kann und viele sich diese Altlasten nicht aufbürden lassen wollen. Zum anderen sind wir als Vorstand verpflichtet, nach Recht und Gesetz zu handeln. Des Weiteren führten Entwicklungen zur Auflösung des CRM 30 e. V., die sich lange vor der Amtszeit des neuen Rosa-Vorstandes ergaben. Das sage ich ausdrücklich, ohne auch nur einem Rosa einen Vorwurf zu machen!!! Einige Rosas wollen einen Neuanfang. Aber dazu müssen wir erst einmal einen sauberen Schlussstrich ziehen. Wie der Neuanfang aussieht kann ich als Einzelner zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Letztlich entscheiden dies die Mitglieder selber.

    Christian Fischer
  • Antworten » | Direktlink »
#6 WonderbraAnonym
  • 26.12.2008, 13:43h
  • Eines darf bei der Schließung des ROSA nicht vergessen werden: die vollkommen dezentrale, abgelegene und isolierte Lage mitten im menschenleeren Industriegebiet Lierenfeld machte die Location alles andere als attraktiv.

    Es war schon seltsam: überall wurde Schwulsein in den letzten Jahren gesellschaftlich "normaler", aber das ROSA gab es nicht mehr mitten im Leben, sondern ganz weit ab vom Schuss, wo sich kein Mensch hin verirrte.

    Das sollten die Macher auch mal bedenken, bevor jetzt wieder Krokodilstränen geweint werden.

    Sicher, das Kölner SCHULZ ging auch trotz zentraler Südstadt-Lage ein, aber das hatte wieder andere Gründe.

    Schwule haben eben keinen Bock mehr auf abstruse Hinterhof-Lokalitäten...das haben die Macher des ROSA irgendwie verpennt.

    Und das mit den zunehmend aggressiven Lesben kann ich nur unterschreiben. Darauf habe ich auch keinen Bock mehr, sorry!

    Nur gut, dass die DARKSIDE-Sexparty woanders weitergehen soll - um alle anderen Veranstaltungen des ROSA ist es es gewiss nicht schade!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Jochen Weber, Köln, 43 JahreAnonym
  • 26.12.2008, 14:09h
  • Ich bin traurig. Sicherlich, ich war min. 10 Jahre nicht mehr im Rosa und dennoch ...

    In der Zeit des Comming Outs war das LUSZD und ROSA ein fester Bestandteil in meinem Leben. Schöne Erinnerungen leben weiter. Da war es im Sommer schön im Hof des ROSA zu stehen und die Jungs zu gucken und zu quatschen; Und diese PSSST-Rufe, weil es mal wieder zu laut war. Naja, Donnerstag 23 Uhr und die Nachbarn wollten schlafen :)

    Die ausgelassenen Party im LUSZD. Mein Gott waren die toll!

    Mich stimmt es traurig und dennoch, hab ich was gegen den Untergang getan? War ich einfach mal auf einer Party dort. Nein, war ich nicht.

    Soll ich klagen? Ja! Auch hier in Köln geht alles langsam aber sicher den Bach runter. SCHULZ = TOD, viele alt eingesessene Kneipen = TOD.

    Schauen wir nach vorne: Möglicherweise ist die Zeit dieser Zentrum vorbei. Es ist auch gut zu wissen, dass man(n) sich jetzt in den gewöhnlichen Kneipen und Cafes trifft. Es ist die Normalität für die wir damals gekämpft haben. Und jetzt ist sie scheinbar da und wir sind wieder nicht zufrieden.

    Ich hab auch einen Wunsch: Einfach mal ein Stammtisch mit den schwulen Jungs / Männers. Wie früher. Einfach da sein und quatschen. In der kommerziellen Gesellschaft gibt es dafür keine Platz mehr...

    Liebes Rosa, ich verdrücke eine Träne für dich. Machs gut und was für mich bleibt? Schöne Erinnerungen an meine schönsten Comming Out Zeiten im Hof in Bilk und im LUSZD ...

    Wie sagt man in Köln:
    Niemals geht man so ganz (die Erinnerungen bleiben)...

    Jochen aus Köln
  • Antworten » | Direktlink »
#8 stromboliProfil
  • 26.12.2008, 14:31hberlin
  • was aber hat ein "kulturcentrum" in einem gewerbegebiet zu suchen...
    Warum nicht ein zentrum an einer autobahnraststätte einrichten!
    Was haben die betreiber sich denn dabei gedacht???!!!
  • Antworten » | Direktlink »
#9 TigayAnonym
#10 arcigayAnonym
  • 26.12.2008, 15:32h
  • Antwort auf #9 von Tigay
  • Es ging ja nicht vordergründig um die Entfernung in Kilometern vom Stadtzentrum, sondern um die Lage überhaupt und die Umgebung des ROSA.

    Und da muss man schon deutlich sagen, dass die Lage in Lierenfeld so abseits von allem ist, dass man schon als Düsseldorfer nicht unbedingt leicht dahinkommt...und dass eine U-Bahn, die nur alle 20-30 Minuten fährt (werktags bei den rosa Donnerstagen: letzte Bahn zum Hbf um 0.29 Uhr, danach nix mehr!) nicht sonderlich attraktiv ist, dürfte auch klar sein.

    Locations in Hauptbahnhofs- / Altstadtnähe sind eben auch für Nicht-Düsseldorfer besser zu erreichen...das ROSA gehörte definitiv nicht dazu. Und dann wundert man sich über ausbleibende Gäste?

    Die alten Gebäude in Oberbilk lagen zumindest auch am S-Bahnhof, so dass man außer der zwei Straßenbahnen noch 2 S-Bahnlinien hatte, um da hinzukommen.

    Und dann die Gegend...außer dem Straßenbahnbetriebshof und ein paar Büros war da ja nichts, nicht das Allergeringste. Es zeichnet aber eine gute Location aus, dass man nach oder vor deren Besuch auch noch unkompliziert woanders hingehen kann, was bei der isolierten Lage in Lierenfeld unmöglich war. Da hätte man höchstens von ein paar Halbstarken mit Migrationshintergrund ein paar auf die Fresse gekriegt...

    Der Weggang aus Oberbilk (wo alles noch in gewachsenen Strukturen lag) nach Lierenfeld war der Anfang vom Ende.

    Das Ende kommt daher folgerichtig...ich wundere mich nur, dass die noch so lange durchgehalten haben!
  • Antworten » | Direktlink »