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  • 11. Januar 2009, noch kein Kommentar

Im Februar beginnt die Saison in der spanischen Trüffel-Hauptstadt. Ein Kilo der Delikatesse kostete im vergangenen Jahr rund 400 Euro.

Von Carsten Weidemann

Bereits seit dem Herbst weht das schwere und unverkennbare Aroma der schwarzen Trüffel durch die verschlungenen Gässchen Morellas, einem kleinen Städtchen gut hundertfünfzig Kilometer nordwestlich von der Mittelmeermetropole Valencia entfernt. Nachdem die Trüffelernte nun beinahe abgeschlossen ist, bieten ab Februar zahlreiche Restaurants in Morella und Umgebung exquisite Trüffel-Gerichte an. Die Trüffeltage dauern den gesamten Monat. Zusätzlich werden sie von Konferenzen, Gesprächsrunden, und Vorführungen von Trüffelsuchhunden komplimentiert.

Die Geschichte der "schwarzen Diamanten" von Morella ist relativ jung - erst in den sechziger Jahren fand man die im Wald unter der Erde verborgenen Schätze und erkannte die Vorteile für Gastronomie und Wirtschaft. Seitdem verwandelt sich Morella während der Wintermonate in die spanische Hauptstadt der Trüffel, denn in diesem Gebiet werden die qualitativ hochwertigsten Trüffel gefunden. Auf dem dortigen Markt, dem größten seiner Art in Spanien, werden teilweise astronomische Preise erzielt. Vergangenes Jahr lag der durchschnittliche Preis bei 400 Euro pro Kilo, teilweise stiegen die Preise jedoch auf bis zu 700 Euro pro Kilo.

Der Tuber Melanosporum aus Morella erinnert äußerlich an ein Stückchen Kohle und schwankt in der Größe zwischen einer Erbse und einer Orange. Dieser unter der Erde wachsende Knollenpilz mit seiner unregelmäßig geformten rauen Oberfläche und seinem anfangs gräulichen und später dunklem Fleisch, das ein starkes Aroma verströmt, ist eine wahre Gaumenfreude und erfreut sich bei Liebhabern der guten Küche großer Beliebtheit - er wird roh, gekocht, in Scheiben geschnitten, geraspelt, als Fond oder auch Essenz verwendet.

Der kulinarischen Köstlichkeit werden seit jeher die unterschiedlichsten Eigenschaften nachgesagt: Die Griechen waren überzeugt von den aphrodisierenden Kräfte der Trüffel, die Römern vermuteten, es handele sich um Töchter der Götter und Wunder der Natur. Im Mittelalter jedoch wandelte sich das Bild und man erkannte in den Trüffeln plötzlich die Manifestation des Teufels, woraufhin sie bis zu Renaissance jahrelang in Vergessenheit gerieten.

Die Trüffelsaison in Morella erreicht ihren Höhepunkt im Februar, wenn die Hauptstadt von Els Ports die jährlichen Gastronomietage begeht. Das kulinarische Angebot der teilnehmenden Restaurants reicht dann von einfachen, gerösteten Brotscheiben mit gesalzener Butter und hauchdünnen Trüffelscheiben über die berühmte Trüffelsuppe nach einem Rezept von Paul Bocuse bis hin zu gastronomischen Meisterleistungen wie fangfrischem Fisch mit Trüffelschaum.

Als Trüffelhochburg ist Morella im Winter der ideale Ort für Feinschmecker, im Frühjahr und Herbst für Wanderer und Mountainbiker. Unweit der berühmten Strände an der Orangenblütenküste thront das Städtchen mit noch nicht einmal 3.000 Einwohnern auf einem knapp 1.000 Meter hohen Berg an der Grenze zu den drei einstigen Königreichen Valencia, Aragón und Katalonien. Eine Lage, die Morella früher eine überragende strategische Bedeutung verlieh.

Noch heute bezaubert der abgelegene Ort mit seiner intakten anderthalb Kilometer langen Stadtmauer und seiner pittoresken Altstadt. Urlauber auf der Suche nach dem ursprünglichen Spanien können in der geschichtsträchtigen Landschaft um Morella, dem Maestrazgo, den Spuren der Vergangenheit nachgehen.