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Mit seinem neuen Album "The Crying Light" begibt sich das schwule Ausnahmetalent auf eine melancholische Spritztour in die Natur.

Von Christian Scheuß

Es ist diese Stimme, die so unverwechselbar und prägnant ist. Die sich mühelos rauf- und runterschraubt, artistisch zwischen Brust- und Kopfstimme tanzt. Die, sobald sie erklingt, wohlige Schauer erzeugt, und Emotionen weckt. Meist sind es Gefühle von Sehnsucht, Melancholie, Verlangen, Freude und Trauer zugleich. Eine Achterbahn, die nicht durchschüttelt, sondern sanft gleitet. Das in etwa ist die Stimme von Antony Hegarty, und wer genauer hingehört hat, besonders in den vergangenen zwei Jahren, der wird sie sehr oft vernommen haben bei anderen Künstlern. Doch Hegarty hat seit 1995 seine eigene Band, "Antony and the Johnsons", und mit der hat er ein neues Studioalbum kreiert, das Anfang Januar erschienen ist.

"The Crying Light" ist dem japanischen Performance-Künstler Kazuo Ohno gewidmet, der inzwischen 102 Jahre alt ist, und der mit seiner selbstentwickelten Butoh-Tanztechnik sowie seines androgynen Auftretens wegen weltberühmt wurde. Ohno und Hegarty scheinen auf einer Wellenlänge zu liegen, denn auch der 1971 in England geborene Künstler zeigt sich von seinem äußeren her eher weiblich. Hegarty, der in den neunziger Jahren nach New York gezogen war, probierte sich und seine Kunst zunächst mit Auftritten in Underground-Bars und durch experimentelles Theater aus, wo er stets in fantasievoller Frauenkleidung zu sehen war. Er ist damit Paradebeispiel einer queeren Existenz. Ein Mensch, der sich unabhängig von seinem biologischen Geschlecht, seiner sexuellen Identität sowie kultureller Normen seine eigene Darstellungsform wählt und diese nach Belieben auch wechselt. Und er ist jemand, der seine Wurzeln kennt. Das "Johnsons" im Bandnamen rührt von Marsha P. Johnson her. Das ist die Tunte, die 1969 maßgeblich die Aufstände in der New Yorker Bar Stonewall Inn gegen die Polizei anzettelte. Johnson ist somit die Drag-Urmutter der Schwulen-, Transgender- und Lesbenbewegung und der heutigen Community.

Antony Hegarty hat in den vergangenen Jahren viele Künstler begeistert. Er war zu Gast bei Songproduktionen von Lou Reed, Boy George, Rufus Wainwright, Marc Almond, Herbert Grönemeyer und zuletzt mit Björk. Sogar in den Discotheken war seine Engelsstimme zu hören beim DJ-Projekt "Hercules and Love Affair", das 2008 mit den Auskopplungen "Roar" und "Blind" in den Charts landete. "The Crying Light" ist das dritte Album von "Antony and the Johnsons", daneben sind diverse EPs erschienen. Diesmal geht es weniger um seine Liebe zu Männern, seine Texte drehen sich eher um die eigene Herkunft, die Eltern, und um traumgleiche Szenerien aus einer verwunschenen Natur. Entsprechend zauberhaft – als auch gehörig camp und homoerotisch - ist das erste Video zum Song "Epilepsy is Dancing" geworden, das unter anderen die Wachowski-Brüder (Matrix) mit produziert haben.

teaserbild
(6 Videos) Solos, Duette und ein Gespräch über das neue Album



#1 SaschaEhemaliges Profil
  • 21.01.2009, 22:05h
  • Homoerotisch???

    Also, ich hatte schon nach dem ersten Video genug, weil abgesehen von einer einzigen Berührung zweier Männer (am Arm!) wieder nur das übliche Männer-betouchen-Frauen-und-schmachten-diese-an und vielleicht noch ein paar Frauen-betouchen-Frauen-Einlagen zu sehen waren.

    Also, wenn das innovative, homoerotische Kunst und mediale Darstellungen sein sollen, dann kann ich dankend darauf verzichten! Wenn noch nicht einmal wir merken, was in den Medien und in der "Kunst" abgeht und angebliche "Paradebeispiele queerer Existenz" nichts anderes bieten als denselben heterosexistischen Nonsens in Grün (oder Rosa), dann braucht es niemanden zu wundern, dass wir weiterhin Lichtjahre von der antiken homoerotischen Kunst entfernt bleiben und dass diese Gesellschaft überhaupt weiterhin von aggressiver Heteronormativität regiert wird.

    Ich will geile, maskuline Kerle sehen, die ihre Muskeln aneinander reiben, sich überall und nicht weniger intim anfassen dürfen, als es auch im zitierten Video wieder einmal nur Männlein und Weiblein vorbehalten bleibt.
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#2 SaschaEhemaliges Profil
  • 22.01.2009, 22:21h
  • Wow, immer dann, wenn's galaktisch rot wird, weiß ich doch, dass ich wieder mal so richtig ins Schwarze getroffen habe! Denn die Wahrheit tut bekanntlich weh...
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#3 maciicxProfil
  • 23.01.2009, 11:39hpnkw
  • Antwort auf #2 von Sascha
  • vielleicht kriegst du auch nur galaktisch rot, weil du in deinem kreuzzug gegen die heteronormativität in blinder wut scheiße schreibst.
    mit antony h. hast du dir jedenfalls den falschen ausgesucht. ein schwuler künstler, der auch seine sexualität -die auch bei seinen auftritten sehr präsent sein soll- in wunderbaren liedern zum thema macht und damit eben auch außerhalb unserer rosa welt leute damit berührt.

    dass er sich diesem thema nicht rund um die uhr widmet schmälert dies kein bisschen. ebenso wenig, dass er die unglaubliche frechheit besitzt, in diesem (in meinen augen schönen) video frauen tanzen zu lassen.

    das video homoerotisch zu nennen ist in der tat übertrieben. na und? und die kerle fand ich dennoch lecker ;).
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#4 Tim_ChrisProfil
  • 23.01.2009, 13:06hBremen
  • Ist nicht unbedingt mein Musikgeschmack, aber eine interessante Stimme und auf jeden Fall auch ein interessanter Mensch.
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