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  • 12. Mai 2004, noch kein Kommentar

Ab heute fiebern wieder Millionen Schwule vor dem Fernseher - es ist wieder Eurovision Song Contest. Der Deutsche Max hat Chancen.

Von Jan Gebauer

Schöner als in diesem Jahr kann der Eurovision Song Contest, ehemals Grand Prix d'Eurovision de la chanson, nicht sein. Bevor am Samstag, dem 15.05. um 21:00 Uhr die große Party steigt, dürfen sich die Fans noch auf das Halbfinale freuen. 2004 haben sich sage und schreibe 36 Nationen um die Teilnahme bei dem alljährlichen Festival bemüht, was den Rahmen gesprengt hätte. Darum setzte man 22 Länder in ein Halbfinale - die Neulinge, die Ausgesetzten und die zu schlecht Platzierten aus dem letzten Jahr.

Maximillian Mutzke, wie unser Vertreter in Istanbul mit vollem Namen heißt, darf sich noch bis Samstag gedulden, denn Deutschland ist als eines der vier großen Nationen (neben "Germany" noch Frankreich, Spanien, Großbritannien) automatisch für das Finale qualifiziert. Von Ausruhen kann allerdings keine Rede sein. Max und sein Komponist, Autor und Mentor Stefan Raab jagen Proben, Pressekonferenzen und den nächsten Empfängen nur so hinterher. Viel Programm also für den 22-jährigen Sänger, der erst vor wenigen Wochen seine schriftliche Abiturprüfung hinter sich gebracht hat.

Dabei stehen die Chancen mal wieder sehr gut, daß Deutschland endlich nach 1982 und Nicoles triumphalem Gewinn mit "Ein bißchen Frieden" den Eurovisionstitel nach Hause holt. Stimmlich ist er den meisten Teilnehmern weit überlegen, er hebt sich durch die ruhige, relaxte Art seines Songs von etlichen recht hektischen Beiträgen wohltuend ab und läßt sich auch sonst durch nichts aus der Ruhe bringen. Britische Wettbüros sehen ihn weit vorne, und das Homomagazin "Out Nothwest" bezeichnete "Can't wait until tonight" "sehr schmackhaft" und einen "wirklich guten Song", was beim Grand Prix selten vorkomme.

Auf Pressekonferenzen überraschte Ma die Journalisten mit einer türkischen Version von "Can't Wait Until Tonight" (von Stefan Raab tatkräftig unterstützt) und Gerüchten zufolge könnte er damit sogar einen Hit in der Türkei landen. Raab dazu: "You liked it so much yesterday, maybe it was too gay". Also erklangen diesmal orientalische Klänge auf der Bühne. Vorjahressiegerin Sertab Erener hält Max eindeutig für einen der Favoriten und sang in einer türkischen TV-Show den Soul-Klassiker "Ain't No Sunshine" mit ihm im Duett.

Der schwule Zuschauer sollte allerdings schon heute auf jeden Fall einschalten, auch wenn Mäxchen nicht am Start ist. Genau hinschauen heißt es nämlich beim Beitrag der Bosnier, die dieses Jahr mit Deen und seiner Hymne "In The Disco" am Start sind. In seinem Video präsentiert sich der 1982 in Sarajevo geborene Sänger als androgyne Gestalt irgendwo zwischen den Pet Shop Boys und Sin With Sebastian. Auf der Pressekonferenz erschien er kanpp in Pink gekleidet, mit seinem Kaninchen auf dem Arm, die Nationalhymne seiner Heimat trällernd. Weiteres Highlight des heutigen Abends dürfte die Ukrainerin Ruslana Lyzhichko werden. Die Sängerin wartet mit einer deftigen Bühnenshow auf und wird in vielen Umfragen bereits als eine der Top-Favoriten gehandelt. Zu diesem erlauchten Kreis gehört auch Sakis Rouvas aus Griechenland. Optisch auf jeden Fall ein erwähnenswerter Beitrag, denn der Top-Star gilt in seiner Heimat als absoluter Frauenschwarm.

Ob jedoch unser Max gegen geballte Latin-Power aus Spanien, freizügige Schlager-Erotik aus Schweden oder verblüffenden Ska aus der Türkei eine wirkliche Chance hat, wird wohl vor allem Dingen an seinem Auftritt liegen. In den letzten zwei Jahren haben jeweils Titel gewonnen, die eine dominierende Show auf der Bühne geboten haben. Max wird dagegen nur sehr ruhig auf einem Barhocker sitzen und seinen Song "Can't Wait Until Tonight" (der erste Eurovisionstitel seit Nicole, der auch Nr. 1 der Deutschen Charts war) mit geschlossenen Augen singen. Viele sehen darin ein Problem, denn auf diese Art und Weise hat noch nie jemand einen Grand Prix gewonnen. Vielleicht erinnert sich aber auch niemand an das komatöse Spiel der Iren Paul Harrington und Charlie McGettigan die 1994 den Contest gewannen und dabei eher gemächlich dreinschauten. Vielleicht ist es in diesem Jahr ja wieder Zeit für eine schlichte Melodie, die von einer großartigen Stimme präsentiert wird. Ruhig, ohne Show, dafür aber mit soviel Charisma, wie ihn sich die meisten Starter in Istanbul wohl erträumen. Hoffentlich ergeht es ihm dabei aber nicht wie der großartigen Portugiesin Rita Guerra im letzten Jahr. Ähnlicher Fall, 22. Platz.