Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?9993

Die CSD-Charta des Kölner Lesben- und Schwulentags ist mehr als eine spießige "Rasen betreten verboten"- Hausordnung. Ohne jede Notwendigkeit und ohne erkennbaren öffentlichen Druck tragen ausgerechnet die Gay-Pride-Organisatoren zur beklagten Entsolidarisierung der Community bei.

Von Christian Scheuß

Es ist anzunehmen, dass der Vorstand des Kölner Lesben- und Schwulentags (KLuST) in Kürze einen ersten Rückzieher machen wird. Das mit dem "an der Pranger stellen" sei nicht so gemeint gewesen, und das mit dem Veröffentlichen von Fotos und Namen von Menschen, die gegen die neue CSD-Charta verstoße, habe man so nicht gesagt und werde man auch niemals umsetzen. Man wird klagen, dass man absichtlich falsch verstanden worden sei und dass man doch mit der Charta nur das Beste für alle wolle.

Da ist KLuST-Vorstand Markus Danuser ganz offensichtlich eine Allmachtsphantasie aus dem Munde geglitten, die er besser für sich behalten hätte – und von der er als Jurist auch weiß, dass sie weder rechtlich haltbar noch ethisch irgendwie gerechtfertigt wäre. Ein solcher Pranger im Internet wäre – konsequent zu Ende gedacht – am Ende des CSD-Wochenendes eine üppig gefüllte Bildergalerie mit diversen Kategorien: Wildpinkler, Gehsteigkotzer, Drogen-Verstrahlte, Wabbelpo-Zeiger in Chaps, Öffentlich-Popper, zu kommerziell dekorierende CSD-Wagenausstatter. Und nicht zuletzt die Tausende von Betrunkenen, die durch ihr Verhalten den öffentlichen Verkehr gefährden. Der Klust sollte in diesem Jahr statt Solidaritätsbändern kleine Digicams verkaufen, damit jeder von uns den kleinen Blockwart spielen und den Pranger mit Verstoß-Schnappschüssen füllen kann.

Eine CSD-Charta, das klingt nach hochtrabenden Worten, nach einer Selbstverpflichtung im positiven Sinne. Und so sind auch viele Chartas verfasst, wie die der Grundrechte der Europäischen Union, oder der Vereinten Nationen. Das Gute, das angestrebt wird, wird bekräftigt und betont. Liest man die CSD-Charta des Kölner Lesben- und Schwulentages, spürt und riecht man schon im ersten Absatz, mit welchem Angstschweiß diese Sätze verfasst wurden. Es ist von Verboten und Geboten die Rede, von der Furcht vor den "maßlosen Provokateuren", die durch ihr Auftreten die CSD-Parade in "Gefahr" bringen. Ja, die sogar die Community "spalten" und "entsolidarisieren". Hier wurde keine hehre Charta verfasst. Hier handelt es sich um eine spießige "Rasen betreten verboten"-Hausordnung.

Das Absurde an dieser Charta ist: Es gibt keinen erkennbaren öffentlichen Druck, der einen solch vorauseilenden Gehorsam an Anpassung hätte erzeugen können – gerade im toleranten Köln, wo jährlich im Karneval deutlich mehr über die Stränge geschlagen wird. Weder hat die katholische Kirche eine Kampagne gegen Nackte auf dem CSD gestartet, noch die Stadt Köln mit Konsequenzen gedroht, sollten die SM-Leute wieder ihre Peitschen schwingen. Die Charta ist ein Beleg für die Zerrissenheit innerhalb der eigenen Struktur. Die Teilnahme von Bareback-Filmproduktionen und Bordell-Betreibern an der Parade vor zwei Jahren hat beinahe den Verein gesprengt. Die Charta ist ein Versuch der inneren Befriedung, indem die "Feinde" von außen benannt, bekämpft und – wenn nötig – an den Pranger gestellt werden.

Die vom KLuST befürchtete Entsolidarisierung der Community, sie hat mit der Veröffentlichung dieser Charta bereits begonnen. Deshalb haben wir den Kölner CSD-Organisatoren die Homo-Gurke verliehen.

Wöchentliche Umfrage

» Wie stehst Du zur Kölner CSD-Charta?
    Ergebnis der Umfrage


CSD Berlin endet erstmals am Brandenburger Tor

Der 32. CSD in Berlin bietet dieses Jahr eine Premiere: Erstmals endet die Parade am Brandenburger Tor.
Belgrad: CSD nach Gewaltdrohungen abgesagt

Wegen Sicherheitsbedenken ist der Belgrader CSD am Samstag abgesagt worden. Nationalisten feierten die Entscheidung als Niederlage für "Ungläubige und Satanisten".
Serbien: Amnesty warnt vor Gewalt gegen Schwule

Im Vorfeld des zweiten CSDs in Belgrad warnt Amnesty International davor, dass Hass und Gewalt gegen Homosexuelle aus der Mitte der Gesellschaft komme.

123 Kommentare

#1 RenéAnonym
  • 12.02.2009, 09:35h
  • Ich finde die Charta gut. Der CSD ist - auch wenn es mir wirklich Spaß macht - zu einer Karnevalsgesellschaft verkommen. Als Demonstration wird er nicht mehr ernst genommen, ganz besonders von der homosexuellen Community. Mit dieser Charta weist der CSD wieder auf seine Wurzeln, ohne allerdings explizit das ganze karnevalistische Treiben zu untersagen. Wieso also eine Homogurke, wenn nur versucht wird, die Glaubwürdigkeit der Veranstaltung wenigstens im Ansatz zu bewahren. Ein Orden ist wohl eher angebracht!

    LG,
    René
  • Antworten » | Direktlink »
#2 SvenAnonym
  • 12.02.2009, 10:38h
  • Naja, so sinnlos ist die Charta nun auch net. Vielleicht ein bissl zu weit übers Ziel hinausgeschossen. Aber wenn ich so an meine CSD-Erfahrung zurückdenke, wo auf offener Straße im Beisein von Kindern der eine dem anderen ins Maul pisst, denke ich, dass die Charta schon ihren Sinn hat...
  • Antworten » | Direktlink »
#3 SaschaEhemaliges Profil
  • 12.02.2009, 10:58h
  • Antwort auf #1 von René
  • Schwuler Selbsthass und Prohibitionismus sowie Anstacheln zu widerwärtigem Denunziantentum, während sich die Heten rund um die Uhr durch alle Kanäle vögeln und sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zwanghaft mit ihrer Hetero(!)sexualität in Szene setzen - wenn das die "Bewahrung des Ansatzes" des CSD sein soll, dann ist es allerhöchste Zeit, dass wir uns Gedanken machen über wirkungsvolle Alternativen jenseits dieser zur heteronormativ und kommerziell getrimmten Posse verkommenen und jetzt offenbar endgültig von der Dominanzgesellschaft gleichgeschalteten Veranstaltung.

    Wer es nötig hat, sich als schwuler Junge oder Mann von selbsternannten (angeblich ebenfalls schwulen) Sittenwächtern gängeln und bevormunden zu lassen, kann den Schwachsinn ja mitmachen, aber alle anderen sollten mündig genug sein, sich von niemandem vorschreiben zu lassen, wie sie für die Gleichberechtigung von Anderssein (NICHT von Angepasstsein!) demonstrieren und wie nicht!!!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 provokateurAnonym
  • 12.02.2009, 11:07h

  • Schwule sind in der Gesellschaft also nur willkommen, wenn sie stromlinienförmig zur Gesellschaft passen?

    Ohne Lust zur Provokation hätten wir bis heute kein Stück von den Rechten, die wir heute haben.

    Ein ungezwungenerer Umgang mit sexueller Freizügigkeit ist eines der Merkmale schwuler Identität. Auch ein Grund warum der Streit mit lesbischen Strukturen wichtig war, aber leider nicht zu Ende geführt wurde. Schwule unterscheiden sich im Umgang mit Sexualität zu Lesben - welch überraschende Erkenntnis. Wo hier die Ursachen liegen, gesellschaftlich oder im Geschlecht begründet, ist an der Stelle nicht der entscheidende Punkt. Ich als schwuler Mann werde allerdings nicht aufgeben, für die Anerkennung meiner Art zu leben und für meine Bedürfnisse zu kämpfen. Wäre es darum gegangen, niemanden zu provozieren, hätten wir diesen Kampf schon vor 30 Jahren aufgeben müssen.. und eines muß auch klar sein: dieser Kampf für unsere Kultur war schon immer an der Grenze der gesetzlich Erlaubten! So kann ich z.B. bis heute die Argumentation "es sind doch auch Kinder am Rand der CSD-Parade" nicht nachvollziehen. Welchen Schaden nehmen Kinder beim Anblick nackter Ärsche? Das ist wohl eher ein Problem der Eltern, die sich in Erklärungsnot wähnen. Erklärt Euren Kinder was es da zu sehen gibt, sie nehmen sicher keinen Schaden, im Gegenteil: sie werden frühzeitig dazu befähigt, mit den Anforderungen des Lebens umzugehen.

    Was der Klust hier plant ist die Mutation der CSD-Parade zum zahnlosen Tiger.

    Lasst uns dagegen wehren und in 2009 mit einer Provokateuren-Gruppe am CSD teilnehmen! Dafür zeige ich auch gerne meinen bislang gut verhüllten Wackelarsch ;-)
  • Antworten » | Direktlink »
#5 IchAnonym
  • 12.02.2009, 11:29h
  • Ich habe die Berichte über die Charta nur am Rande mitgelesen...nun habe ich mir mal die Zeit genommen und die Charta gelesen. Und jetzt frage ich mich: Worüber regt ihr euch eigentlich auf???? Da steht nichts drin, was einem nicht schon der gesunde Menschenverstand sagen sollte. Also ehrlich, einige hier scheinen mal wieder maßlos überzureagieren weil ihnen igrnedjemand gesagt hat, daß es ja voll böse wäre.

    "Die persönliche Freiheit des Einzelnen endet da, wo die Freiheit des nächsten beginnt.", dieser Satz sollte doch jedem noch aus der Schulzeit im Ohr liegen. Leider gerät der imme rmehr in Vergessenheit (Werteproblem in unserer Gesellschaft). Diese Charta ist doch allerhöchstens eine freundliche Erinnerung.
    Sucht euch doch mal ein Hobby oder kümmert euch um echte Probleme, ihr vergeudet viel zu viel Energie für irgendwelchen Schwachsinn...
  • Antworten » | Direktlink »
#6 gerdAnonym
  • 12.02.2009, 11:42h
  • Schliesse mich auch als langjähriger CSD-Teilnehmer der CSD-Charta an, die ich für richtig und gut halte.

    Die Übertreibungen in den Folgewirkungen, die Christian Scheuß hier aufbaut, sind sicherlich nicht von den Organisatoren gewollt.

    Meines Erachtens stören mich insbesondere einige Vertreter der S/M Szene, die beispielsweise mit Hundenapf auf der Straße leerend umherrennen oder sich anpissen am Strassenrand, was ich auch schon beobachten durfte. Damit meine ich noch nicht einmal den Lederkerl in Chaps und mit Mütze, der ist mir herzlich willkommen und das Lederpaar noch viel mehr.

    Aber es gibt die Folsom-Street-Treffen und sonstigen diversen Fetischveranstaltungen im ganzen Jahr. Extreme Sexualpraktiken sind nicht Zentrum der CSD-Veranstaltungen und dies führt dann dazu, dass ich nicht einmal meine minderjährigen Nichten mehr mitnehmen mag und Familien dem Treiben fernbleiben. So geht es vielen anderen Menschen auch, mit denen ich mich im Laufe der Jahre hierüber unterhalten haben. Viele liberale, linksorientierte oder ökologisch orientierte Familien mit Kindern würden am Straßenrand stehen, wenn dort nur das bunte Treiben von Drag-Queens, schwulen Karnevals- und Gesangstruppen, Musikgruppen- und wagen sowie politische Gruppen mit den Forderungen nach Gleichstellung und entsprechenden Transparenten und Plakaten zu sehen wäre.

    Leider verderben meines Erachtens gerade Vertreter extremer Sexualpraktiken wie öffentliches, gegenseitiges Anpissen den Gesamteindruck.

    Leider führen auch allzu provokative Zurschaustellungen gerade der S/M-Szene dazu, dass Familien mit Kindern dem Publikum fernbleiben. Ich bedauere dies sehr, denn es gibt genügend Fetischveranstaltungen im Jahr verteilt. Der CSD hat die Aufgabe für die Rechte homosexueller Menschen und insbesondere für die Gleichstellung homosexueller Paare in der Gesellschaft zu werben und nicht für die exzessive Zurschaustellung extremer Sexualpraktiken einzutreten.

    Meines Erachtens ist die Charta richtig und der Artikel hier von Scheuß vollkommen überzogen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 SaschaEhemaliges Profil
  • 12.02.2009, 11:51h
  • Antwort auf #6 von gerd
  • Das haben wir von jemandem, der hier regelmäßig "religiöse" Propaganda betreibt und seine gutbürgerliche Kirche beschwört, ja auch ganz bestimmt nicht anders erwartet.

    Der Artikel ist nicht "überzogen", sondern sogar noch relativ zurückhaltend, wenn man insbesondere die widerliche Anstachelung zur Bespitzelung und zum Denunziantentum berücksichtigt, die zweifelsfrei Bestandteil der großmauligen Presseerklärung dieser selbsternannten Sittenwächter war.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 gerdAnonym
  • 12.02.2009, 12:28h
  • @sascha
    Auf Provokation bist du ja ständig hier aus im Form, wie ich bei Dir schon oft mitlesen durfte.

    Stimmt ich bin religiös und es stimmt auch, dass die altkatholische Kirche oder die lutherische/reformierten Landeskirchen der EKD beispielsweise homosexuelle Paare in ihren Kirchen willkommen heißen, Segnungsgottesdienste anbieten und homosexuelle Pfarrer dort mit ihren Partnern im Pfarrhaus leben dürfen und in Versorgung/Bezahlung gleichgestellt sind. Was daran also stört dich; du solltest dich freuen, dass dies in der lutherischen/reformierten Kirche der Fall ist. Gehe mir also nicht mit deinem Bashing gegen alle (!) Kirche hier ständig auf die Nerven und lerne endlich, dass sich christliche Kirchen sehr stark im Thema Homosexualität voneinander unterscheiden.

    Zur Charta stimme ich weiter gerne zu. Dort stehen Selbstverständlichkeiten drin und es geht "hier auch nicht um den nackten Arsch" und das Tragen von Chaps, wie Forumsteilnehmer Provokateur schreibt. Dies wird doch hier nur von Dir oder einem anderen Forumsteilnehmer überzogen vorgeschoben. Es geht hier um das öffentliche Zurschaustellen von gegenseitigem Anpissen am Strassenrand oder dem auf dem Boden knieenden, aus einem Hundenapf fressenden mit Maske tragenden S/M Sklaven. Das können Familien ihren Kindern nicht zumuten.

    Und das muss ich dort auch nicht auf dem CSD sehen, das kann gern in Fetischlokalen gemacht werden und auf Folsom-Street-Festen und anderen diversen Fetischveranstalgunen auch meinetwegen gern zelebriert werden, aber der CSD hat andere Zielsetzungen und diese extremen Vertreter führen dazu, dass Familien mit Kindern am Strassenrand fernbleiben. Dies wiederum ist für die Sache, dem Kampf um Gleichstellung homosexueller Paare, sehr schädlich und dies bedauere ich sehr.

    Es ist nicht zuviel verlangt, dass bestimmte Ausführungen von Sexualpraktiken (und davon schreibe ich hier!!!) auf Fetischveranstaltungen verlagert werden und nicht im CSD vertreten sind.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 SaschaEhemaliges Profil
  • 12.02.2009, 12:39h
  • Antwort auf #8 von gerd
  • Wenn irgend etwas "nicht im CSD vertreten sein" soll, dann Leute, die anderen diktieren wollen, was nach ihrem engstirnigen Verständnis nicht vertreten sein sollen! Und die zu diesem Zweck auch noch gemeinsame Stimmungsmache mit der Dominanzgesellschaft gegen ihresgleichen betreiben!
  • Antworten » | Direktlink »
#10 seb1983
  • 12.02.2009, 12:40h
  • Traurig wenn einige den CSD nur über Sex definieren, geht es nur um öffentliches Rumficken?

    Habe die Charta gelesen, das alles kann man sich mit gesundem Menschenverstand auch selbst denken.
    Beim CSD gild aber für viele: Heute darf ich alles, ab morgen spiele ich wieder den Hetero.
    Um den nackten Arsch gehts hier wirklich nicht, da müssen Sascha und Co, nicht wieder hysterisch überreagieren und von Bespitzelung faseln.

    Der CSD ist eine politische Demonstration für homosexuelle Rechte.
    Öffentliches Anpissen gehört nicht dazu!

    Ich sehe das eher als Orientierung auf die Kernziele des CSD. Und das auch noch ohne öffentlichen Druck, Skandal!
    Man sieht woher der Wind weht: Der CSD ist zu einer Fickveranstaltung verkommen dem man, wenn es so weiter ggeht, über kurz oder lang den Rang einer politischen Demo aberkennen wird.
  • Antworten » | Direktlink »