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Wirbel um lesbischen Kuss mit Kopftuch
- 31. Mai 2015,

23 Jahre hat es gedauert, bis das schwul-lesbische Stadtfest in Berlin zum ersten Mal ein Frauenmotiv auf dem Plakat zeigt - dennoch hagelt es Kritik von allen Seiten.
Grund der neuesten Szene-Empörung, die es so wirklich nur in der Hauptstadt gibt: Eines der Poster-Mädels trägt ein Kopftuch, scheint also - Skandal! - muslimisch zu sein. Im Vorwort des Programmhefts heißt es dazu: "Das Stadtfest ist ein Fest der Liebe. Deshalb haben Diskriminierung und Rassismus bei uns keinen Platz."
Zu den Kritikern des Kopftuch-Motivs von Johannes Mundinger gehört zum einen der Verein türkischstämmiger Queers GLADT e.V., der sich schon über schwul-lesbische Kiss-In in Kreuzberg beschwerte (queer.de berichtete) - in der neuen "Siegessäule" spricht er von einer "Instrumentalisierung" von Migranten. Auch LesMigras, der Antidiskriminierungs- und Antigewaltbereich der Berliner Lesbenberatung, findet das Motiv "problematisch": "Es geht nur um die eigene Selbstdarstellung und nicht um antirassistisches Engagement."
Abgewatscht werden die Stadtfestveranstalter zum anderen auch von rechts: Dass das Chinapfannen- und Caipirinha-Festival überhaupt ein Zeichen gegen Rassismus setzen will, stört etwa Ex-"Männer"-Chefredakteur David Berger: "War das Motzstraßenfest bislang ein rechtsextremistisches Kameradschaftstreffen?" fragt er in seinem Blog und wirft den Veranstaltern eine "Anbiederung an queere, linkspopulistische Kreise" vor.
Das schwul-lesbische Stadtfest findet am 20. und 21. Juni rund um den Berliner Nollendorfplatz statt. Muslimische Organisationen haben sich über den Kuss mit Kopftuch übrigens bislang nicht beschwert... (mize)
















