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Olivia Jones setzt in Landtag Zeichen gegen ein "braunes Deutschland"
- 16. November 2016,

Die Drag Queen hatte am Mittwoch einen großen Auftritt in Magdeburg - gegen die AfD und für Akzeptanz und Vielfalt.
Die Hamburger Drag Queen Olivia Jones hat am Mittwoch in der Kantine des sachsen-anhaltinischen Landtags aus ihrem Kinderbuch "Keine Angst in Andersrum" vorgelesen. Sie folgte damit einer Einladung der grünen Landtagsfraktion.
Anlass war die konstante Mobilmachung der Landes-AfD gegen einen Aktionsplan in Sachsen-Anhalt zur Akzeptanz von LGBTI, der auch eine Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt vorsieht. Die AfD hatte u.a. gegen eine vom Landesgleichstellungsministerium herausgegebene Aufklärungsbroschüre polemisiert, in der mehrere Kinderbücher zum Thema vorgeschlagen werden, darunter das von Jones. Der sachsen-anhaltinische Fraktionschef André Poggenburg hatte die Broschüre in sozialen Netzwerken zur Hetze gegen sexuelle Minderheiten genutzt und die Aufklärung letztlich mit Kindesmissbrauch verglichen. "Für uns zählen Wohlbefinden und seelische Unversehrtheit unserer Kinder mehr als unsinnige und übertriebene Forderungen von Schwulen- und Lesbenverbänden", so Poggenburg. Jones hatte daraufhin Strafanzeige gegen den Politiker gestellt (queer.de berichtete).
/ SchulzStep | Bilder von dem Auftritt in MagdeburgBeeindruckend: Olivia Jones liest im Landtag aus ihrem Kinderbuch: "Keine Angst in Andersrum." Witzige Texte gegen Diskriminierung. #ltlsa pic.twitter.com/YPIJupan9i
— Stephan Schulz (@SchulzStep) November 16, 2016
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Natürlich sei das Volksverhetzung gewesen, meinte die Dragqueen am Mittwoch im Landtag. "Uns, die die Bücher geschrieben haben, geht es nicht um Frühsexualisierung, sondern darüber zu sprechen mit den Kindern. Es geht um Toleranz und Respekt." Das könne man auch vermitteln, ohne ein einziges Mal das Wort Sex in den Mund zu nehmen: "Es geht einfach um Liebe." Die AfD verdrehe Wahrheiten, hetze und pauschalisiere und "gießt ganz einfach Öl ins Feuer der Diskriminierung." Das dürfe man nicht hinnehmen.
"Das Wichtigste ist, dass auch unsere Kinder beigebracht kriegen, dass auch Männer Männer lieben können und Frauen Frauen lieben können und das davon die Welt nicht untergeht", so Jones unter Applaus. Die AfD brauche "Nachhilfe in Toleranz", so Jones in der sicher in vielen Medien verbreiteten Botschaft, und übersehe Diskriminierung und Gewalt, mit der LGBT zu kämpfen hätten. Es gebe in Deutschland und weltweit zu Homo-Rechten eine Gegenbewegung, "die uns in die Steinzeit zurückbringen wollen. Und ich bin ganz einfach für ein buntes Deutschland und nicht für ein braunes Deutschland. Und dafür muss man kämpfen!"
Die Kollegin Eva von Angern sitzt in der ersten Reihe und streamt die Lesung. Gleich ist sie als Vorsitzende des Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. Teil des Podiums #olivialiest
Posted by Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt on Mittwoch, 16. November 2016
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Die Drag Queen wollte sich am Mittwoch zudem zu einem persönlichen Gespräch mit Poggenburg unter vier Augen treffen - einen Besuch der Lesung hatte er abgelehnt. Zu besprechen gäbe es viel: Erst am Dienstag hatte der Politiker auf einer Pressekonferenz im Landtag ein neues gemeinsames Hetz-Papier aller AfD-Landtagsfraktionen gegen Bildungspläne vorgestellt (queer.de berichtete). Auf Facebook schrieb er dazu am Mittwoch, das Papier sei "Auftakt einer langfristigen bundesweiten Kampagne, die zum Ziel hat, die Öffentlichkeit aufzuklären und in den Landesparlamenten gemeinsame Initiativen zu entwickeln um Frühsexualisierung in Kindertagesstätten und Schulen zu verhindern". (nb)

Dass sich Jones in Medien wie dem Hamburger Abendblatt gegen die AfD aufstellt, stößt auch den "Homosexuellen in der AfD" auf...
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