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Queere Kunstgeschichte
- 19. Juni 2017,
Gipsabguss des Torsos von Belvedere (Bild: punctum Fotografie / Bertram Kober)Im Schwulen Museum* Berlin läuft seit Freitag eine neue Ausstellung zum geheimnisumwitterten schwulen Kunsthistoriker Johann Joachim Winckelmann (1717-1768).
Die Schau "Winckelmann - Das göttliche Geschlecht" wurde parallel zur großen Sonderausstellung in Weimar konzipiert und beschäftigt sich ergänzend mit den homoerotischen Aspekten seines Lebens - Elemente, die von der heteronormativen Kunstgeschichtsschreibung seit langem ausgeblendet werden, die aber essentiell zu Winckelmanns Antikenrezeption dazugehören.

Winckelmann-Büste nach dem Original aus Goethes Besitz (Bild: Klassik Stiftung Weimar)
Anhand von rund 100 Skulpturen und Gipsabgüssen, Gemälden und Zeichnungen, Stichen und Druckwerken des 18. und 19. Jahrhunderts wird der von Winckelmann neu angestoßene Diskurs um den Kanon des Schönen nachvollzogen. Dabei erscheint die Beschäftigung mit und das Sprechen über Kunst stets auch als eine Möglichkeit - wenn nicht als wesentliches Moment - der Sublimierung erotischen Begehrens.
In Seitensträngen werden auch kulturhistorische Aspekte beleuchtet, etwa wie das Italien des 18. Jahrhunderts zum Sehnsuchtsziel homosexueller Reisender und Kunstsammler wurde.

Satyr und Hermaphrodit (Bild: Abguss-Sammlung Antiker Plastik Berlin)
Mehr Infos zur Austellung, die noch bis zum 9. Oktober zu sehen ist, gibt es auf der Homepage des Schwulen Museums*. (cw)


















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«Ihn erwartete sein Vaterland, ihm streckten seine Freunde die Arme entgegen, alle Äusserungen der Liebe, deren er so sehr bedurfte, alle Zeugnisse der öffentlichen Achtung, auf die er so viel Wert legte, warteten seiner Erscheinung, um ihn zu überhäufen. Und in diesem Sinne dürfen wir ihn wohl glücklich preisen, dass er von dem Gipfel des menschlichen Daseins zu den Seligen emporgestiegen, dass ein kurzer Schrecken, ein schneller Schmerz ihn von den Lebendigen hinweggenommen. Die Gebrechen des Alters, die Abnahme der Geisteskräfte hat er nicht empfunden, die Zerstreuung der Kunstschätze, die er, obgleich in einem andern Sinne, vorausgesagt, ist nicht vor seinen Augen geschehen, er hat als Mann gelebt und ist als ein vollständiger Mann von hinnen gegangen.»