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Von der Mutter nicht verstoßen

Ein neuer Stolperstein in Gelsenkirchen erinnert an das schwule NS-Opfer Lothar Keiner. Die Geschichte des Mannes, der mit 34 Jahren ermordet wurde, berührt ganz besonders.

Keiner, Jahrgang 1908, wurde 1940 wegen homosexueller Kontakte verhaftet und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach voller Verbüßung der Strafe kam er in sogenannte Vorbeugehaft und wurde anschließend in das KZ Neuengamme deportiert. Dort starb er am 27. November 1942.

Von Lothar Keiner konnte kein Foto gefunden werden. Ob seine Mutter Mary Keiner und sein Bruder Oswald Eduard Keiner, die in den USA lebten, jemals vom seinem Tod erfuhren, ist ungeklärt. Ebenso, ob möglicherweise Nachkommen in den USA leben. Der Aktivist Jürgen Wenke, der das Schicksal des Rosa-Winkel-Häftlings recherchiert hat, hofft, mit der Verlegung des Stolpersteins und der damit verbundenen Öffentlichkeit noch Verwandte zu finden.

In der überlieferten Gefangenenakte von Lothar Keiner finden sich u.a. zwei von der Gefängnisleitung abgefangene Briefe an seine Mutter. Gerade über diese zensierten Schreiben wird das ergreifende Schicksal dieses schwulen NS-Opfers lebendig. Wir lernen nicht nur einen gebildeten und sensiblen Mann kennen, der trotz des Unrechts seine Hoffnung nicht verlor, sondern erfahren auch von der Liebe seiner Mutter, die ihm regelmäßig schrieb und Geld schickte.

Keiner selbst hatte damit nicht gerechnet. "Vor allem möchte ich Dich hier um Verzeihung bitten, weil ich Dich in meinem letzten Briefe nicht verstanden habe", heißt es in einem Schreiben an seine Mutter. "Ich glaubte nämlich, d.h. da weiter keine Erklärung zu dem Inhalt war, mußte ich annehmen, daß Du mich auf Grund dieser Sache, deretwegen ich hier bin, sozusagen verstoßen würdest. Es war ein bitterer Gedanke von mir, den man nur hier bekommen kann."

In einem ausführlichen PDF-Dossier zum Schicksal von Lothar Keiner hat Jürgen Wenke Transkriptionen der handschriftlichen Briefe dokumentiert. Die grüne EU-Abgeordnete Terry Reintke, die aus Gelsenkirchen stammt, hat die Patenschaft für den am 23. Mai in der Kost-/ Ecke Johannastraße verlegten Stolperstein übernommen. (mize)


-w-

#1 Jürgen WenkeAnonym
  • 31.05.2018, 10:35h
  • Nach dem Beitrag auf queer.de hat sich bei mir Manuel Izdebski gemeldet, der die Einbürgerungsdokumente (USA) von Mutter Mary Keiner und Bruder Oswald Edward Keiner gefunden hat. Vielen Dank an Queer.de für den guten Beitrag und an Manuel I. für die Hilfe bei der Erforschung der Familie. Vielleicht finden sich ja doch noch lebende Nachkommen des Bruders. Die Spurensuche geht weiter.
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#2 Blacktiger1977Anonym