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Stuttgart würdigt den ersten und alle LGBTI-Aktivisten
- 12. Juli 2018,
Bild: Franziska KraufmannIn Stuttgart wurde am Mittwoch eine Gedenktafel für Karl Heinrich Ulrichs enthüllt - Deutschlands ersten bekannten Vorkämpfer für die Gleichstellung homosexueller Menschen.
Mit der Stele auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz soll "seine Person besonders hervorgehoben und ein Zeichen gesetzt werden für Vielfalt und Respekt in einem weltoffenen Stuttgart", heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Stadt. "Die Gedenktafel soll zudem das Engagement von Menschen würdigen, die sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgender, Intersexuellen und Queer einsetzen."
Den Lebenslauf Karl Heinrich Ulrichs prägte seine Liebe zu einem Mann in einer Zeit anderer Moralvorstellungen. Ulrichs wurde am 28. August 1825 in Westerfeld in Ostfriesland geboren. Nach dem Studium von Theologie, Jurisprudenz und Geschichte war er als Gerichtsassessor in Hildesheim tätig. Dort wurde 1854 ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet, weil Gerüchte aufkamen, dass er "widernatürliche Wollust mit anderen Männern treibe".
Homosexualität selbst war im Königreich Hannover damals zwar nicht unter Strafe gestellt, allerdings aber die damit verbundenen "öffentlichen Ärgernisse". Karl Heinrich Ulrichs verließ daraufhin den Staatsdienst und ließ sich in Burgdorf als Anwalt nieder. Doch auch diesen Beruf konnte er wegen eines Berufsverbots nicht lange ausüben. Ulrichs schlug sich als Journalist und Privatsekretär durch. Außerdem gab er Fremdsprachenunterricht - denn er galt als einer der besten Lateinkenner seiner Zeit.
Gleichzeitig forschte und publizierte er über die gleichgeschlechtliche Liebe. 1864 veröffentlichte er die erste von zwölf Schriften dazu. In ihnen stellt Ulrichs die Hypothese von der weiblichen Seele im männlichen Körper auf. Die gleichgeschlechtliche Liebe nannte er Uranismus, einen Mann, der Männer liebt, bezeichnete er als Urning - den Begriff der Homosexualität gab es damals noch nicht. Er ging von einer natürlichen, nicht krankhaften Veranlagung aus und forderte die Straflosigkeit homosexueller Handlungen. Er bekannte sich damit öffentlich zu seiner Veranlagung, was zu dieser Zeit einerseits unerhört war, aber auch gefährlich wegen der drohenden Strafverfolgung. Seine Publikationen, die in einigen Ländern verboten wurden, machten Ulrichs zu einem Pionier der Sexualwissenschaft. Seine Forderung nach der Straffreiheit für homosexuelle Handlungen trug er 1867 erstmals öffentlich auf dem Juristentag in München vor.
Von 1870 bis 1880 lebte Ulrichs in Stuttgart. Wegen der immer mehr um sich greifenden Verfolgung von Homosexuellen in Deutschland wanderte er jedoch anschließend nach Italien aus und ließ sich in Neapel nieder. Dort gab er eine kleine Zeitschrift heraus, die von Freunden des Lateinischen auf mehreren Kontinenten abonniert wurde. Im Juni 1883 zog Karl Heinrich Ulrichs nach L' Aquila um, wo er zwölf Jahre später am 14. Juli 1895 starb. (cw/pm)
















