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Vom Verbrecher zum Vorbild

Bild: Wilfried Laule

Seit vier Jahrzehnten kämpft die AG Schwule Lehrer in Berlin für Akzeptanz und Anerkennung - das Schwule Museum bedankt sich jetzt mit einer Sonderschau.

Bis zur Reform des Paragrafen 175 im September 1969 mussten homosexuelle Lehrer damit rechnen, aus dem Dienst entlassen zu werden. Noch 1974 sollte einem schwulen Lehrer in Berlin sein Beruf verboten werden. Homosexualität wurde im Lehrplan als "besondere Form geschlechtlichen Verhaltens" benannt, auf einer Stufe mit "Sodomie, Päderastie und sexueller Gewalt". Homosexuelle galten als "Triebverbrecher" mit "perversem Sexualverhalten".

Eine Gruppe schwuler Lehrer in Berlin war vor 40 Jahren nicht mehr bereit, das hinzunehmen. Sie beschlossen, sich gegen die Diskriminierung am Arbeitsplatz zu wehren und dafür zu kämpfen, dass Homosexualität als Lebensweise thematisiert und akzeptiert wird, in der Gesellschaft wie in der Schule. "Es war ein langer und harter Kampf", sagt Detlef Mücke, der die AG Schwule Lehrer damals mitgegründet hat. "Aber wir waren erfolgreich - und das ist, was zählt."

Die Schwulen Lehrer sehen sich in der Tradition von Magnus Hirschfeld, der schon Anfang des 20. Jahrhunderts für sexuelle Selbstbestimmung und Aufklärung in den Schulen eintrat. Heute wird die Pädagogik der Vielfalt langsam Realität - das Abgeordnetenhaus von Berlin hat 2009 eine "Initiative geschlechtliche und sexuelle Vielfalt" beschlossen. Die AG half dabei, die Maßnahmen im "Handlungsfeld Bildung und Aufklärung stärken" zu formulieren.

Trotzdem bleibt die Gefahr eines Rollbacks. Ultrakonservative, neurechte und religiös-fundamentalistische Gruppen treten mit Schlagworten wie "Frühsexualisierung" und "Genderwahn" auf und bekämpfen alle Fortschritte. "Auch deswegen wird und muss die Arbeit der Schwulen Lehrer weitergehen, zusammen mit den anderen pädagogisch engagierten Gruppen der queeren Community", sagt Mücke. "Damit Vielfalt nicht bloß ein Schlagwort bleibt."

Die Schau im Schwulen Museum findet im Rahmen der Ausstellung "Tapetenwechsel" statt und dokumentiert die Entwicklung des pädagogischen Widerstands von den Anfängen bis heute. "Die Schwulen Lehrer haben immens viel für die Community geleistet", sagt Kurator und Museumsgründer Wolfgang Theis. "Wir freuen uns, dass wir uns auf diesem Wege von ganzem Herzen bedanken können."

Am 3. Mai wird die Ausstellung im Rahmen eines Sektempfangs von den Schwulen Lehrern persönlich offiziell eröffnet. (cw/pm)



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#1 Ralph
  • 26.04.2019, 16:09h
  • Noch heute gibt es Eltern, die keine Bedenken haben, ihre Töchter heterosexuellen Lehrern anzuvertrauen, aber Ängste halluzinieren, sobald ihre Söhne einen schwulen Lehrer auch nur als Pausenaufsicht haben sollen. Gefährlicher sind allerdings diejenigen, die jede Aufklärungsarbeit zur gesellschaftlichen Akzeptanz im Unterricht verhindern wollen, weil ihr religiös begründetes Elternrecht, ihre Kinder zum Hass auf Schwule und Lesben zu erziehen, damit in Frage gestellt würde.
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#2 sozialAnonym
  • 26.04.2019, 22:15h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • So ist es leider auch bei Erzieher/innen, die nicht hetero sind. Da findet dasselbe statt.
    Und das nicht nur in den viel zitierten kirchlichen Kitas. Auch in nicht kirchlichen Kitas ist Diskriminierung zu finden.
    Ich weiß, wovon ich rede und ich bin nicht schwul. Das bedeutet: nicht nur Schwule haben Akzeptanz und Selbstverständlichkeit verdient, sondern die gesamte LSBTTIQ.

    ©BuntesUndSchönes
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