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Ein halbes Jahrhundert queerer Widerstand

Abschlussdemonstration des Pfingsttreffens der Homosexuellen Aktion Westberlin (HAW) im Jahr 1973 (Bild: Rüdiger Trautsch / Schwules Museum)

Im Berliner Schwulen Museum wurde am Donnerstag die neue Ausstellung "Love at First Fight!" über queere Bewegungen in Deutschland seit Stonewall eröffnet.

Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und der Bundeszentrale für politische Bildung - als etwa 100 Exponate umfassende Wanderausstellung, die mit einfachsten Mitteln überall auf der Welt gezeigt werden kann und soll.

Gezeigt wird manifestierter Widerstand: Plakate aus anderen Zeiten, Flyer, gedruckte Protestaufrufe, viele Fotos, Underground-Fanzines und Streitschriften. Die Ausstellung schaut dabei auch überall dorthin, wo es "geruckelt" hat in der Bewegung: zu den frühen Lederschwulen-Treffpunkten in Kreuzberg etwa oder zur feministischen Szene der DDR, zum legendären Tuntentstreit der linken Schwulen, zum so genannten Hexenprozess von Itzehoe, zur Gründung des Netzwerks Schwarzer Frauen in Deutschland oder auch zu den heutigen Protestaktionen der trans* Bewegung.

"Love at First Fight!" soll für mindestens sechs Monate im Schwulen Museum zu sehen sein und gilt als Ausgangspunkt für die lang erwartete neue Dauerausstellung. (cw)



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#1 Ralph
  • 19.07.2019, 11:37h
  • Dieses Foto befremdet. Was waren das für Leute, die meinten, die Gleichberechtigung von Schwulen lasse sich als Teil der bolschewistischen Weltrevolution interpretieren; die annahmen, Schwulenverfolgung sei eine Erscheinung des Kapitalismus? Was für ein Blödsinn. In den frühen 80ern brachte ich in einem Kreis von Linken -die meisten Mitglieder des SHB und des MSB- die Sprache auf die Unterdrückung der Schwulen in den meisten sozialistischen Ländern, voran in der Sowjetunion. Ich erinnere mich gut an die eisigen Gesichter und das eisige Schweigen. Als ich dann noch Stalins Wiedereinführung der zaristischen Schwulenverfolgung als Errungenschaft auf dem Weg zum Kommunismus in Russland namhaft machte, hab ich das wohl nur überlebt, weil diese ganzen Salonmarxisten denn doch davor zurückschraken, Stalin zu verteidigen. Die selben Leute hatten wenige Tage vorher noch anlässlich der Affäre Kießling Kohl und Wörner als Erfüllungsgehilfen eines schwulenfeindlichen Kapitalismus beschimpft. Nee nee, Schwulenbefreiung und linke Ideologie, dass passt nicht gut zusammen. Nicht umsonst verzettelten sich damals diese linken Schwulengruppen sehr schnell in den für Marxisten so typischen sektiererischen Grabenkämpfen. Als ich dann 1987 selbst in der Schwulenbewegung aktiv wurde, war die Zeit des spätsozialistischen Sektiertums und der vermeintlich schwulen Weltrevolution gegen den Kapitalismus (nicht aber gegen den Kommunismus) glücklicherweise schon vorbei. Wer heute das vermeintliche Spießbürgertum unter Schwulen beklagt und die vermeintliche Anpassungssucht, hat leider den Vulgärhomomarxismus der 70er und frühen 80er nicht kennengelernt. Befreiung nicht anerkannter und unterdrückter sozialer Gruppen innerhalb einer ungleichen Gesellschaft wird bedingt durch die Umgestaltung der Gesellschaft zu einer freiheitlichen und vielfältigen. Die Ausweitung der Unterdrückung auf alle durch Schaffung einer totalitären Ordnung nach marxistischem Vorbild beseitigt zwar die Ungleichbehandlung der Minderheit, bringt aber weder Fortschritt noch Freiheit.
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#2 LotiAnonym
  • 19.07.2019, 13:59h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • Wenn ich Deinen Kommentar lese, erinnere ich mich an meine Zeit in Münster Ende der 60er Jahre. Da gab es schon die HAM. Und die wurde zwar auch überwiegend von Studenten hervorgebracht, doch waren die recht aktiv. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich einmal von einer jungen, sehr mutigen Schwester angesprochen worden bin auf dem Hauptbahnhof, ich solle doch offen zu meinem Schwulsein stehen und mich nicht verstecken. Damals war der Bahnhof und die dortige Toilette ein großer Schwulentreff. Als ich 1972 fest nach Berlin zog, da wurde gerade im Hinterzimmer der Dennewitzklause Bülowstraße mit nur ein paar Leutchen über die Gründung der HAW diskutiert. Anfangs waren es sicherlich mehrheitlich Studenten. Das hat sich aber schnell anders entwickelt. Mein richtiges Coming Out und die erste wirklich große Demonstration erlebte ich 1975 in San Francisco. Das war ein Erlebnis, welches ich niemals mehr vergessen werde. Schon im August 75 ging ich gemeinsam mit unseren Schwestern für die Recht u. Gleichsetzung von Schwulen und Lesben bei der Polizei in S.F. auf die Straße. Was auch wenige Zeit später zum Erfolg geführt hatte.
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#3 IronikerAnonym
  • 19.07.2019, 15:36h
  • Kann mir mal jemand erklären, warum ausgerechnet der Kapitalismus daran interessiert sein sollte, echte Freiheit und echte Gleichheit für alle als Grundsatz zu haben?

    Ich klein Doofi hab' bis eben noch gedacht, der Kapitalismus lebe per se auf Basis von Ungleichheit und Unfreiheit, damit die immer reicher werdenden die immer ärmer werdenden immer mehr ausbeuten und unterdrücken können.

    Aber sicher kann mich da jemand aufklären - dass es sich in Wirklichkeit genau andersrum verhält? Ich lerne immer gerne dazu.
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#4 Ralph
  • 21.07.2019, 10:26h
  • Antwort auf #3 von Ironiker
  • Behauptet ja auch niemand. Nur dass Heterosexismus ein Alleinstellungsmerkmal des Kapitalismus sei, ist Blödsinn. Gerade totalitäre Diktaturen wie z.B. kommunistische sondern aus, was nicht ihrer Ideologie und dem gesellschaftlichen Mainstream entspricht, siehe Sowjetunion, siehe Fidel Castro, siehe Nicaragua usw. usf. Wie man da den Marxismus als Heilmittel gegen Ausgrenzung und Verfolgung von Schwulen propagieren kann, ist ein Rätsel. Insoweit gibt es ein Glaubensbekenntnis von Maxim Gorki, dem Hofdichter von Stalin: "Rottet die Homosexuellen aus, und ihr rottet den Faschismus aus." Der Marxismus ist eine grundsätzlich schwulenfeindliche Ideologie und daher alles andere als ein Rezept zu Befreiung der Schwulen von kapitalistischer Unterdrückung.
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