Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/b?2733

"Burqa Queens" beim CSD

Seit Anfang August gilt in den Niederlanden ein umstrittenes Verbot "gesichtsbedeckender Kleidung" im ÖPNV und in öffentlichen Einrichtungen - beim Amsterdam Pride wurde dagegen mit einer nicht minder umstrittenen Aktion demonstriert.

Zusammen mit fünf Freunden verkleidete sich der schwule Sozialdemokrat und Amsterdamer Stadtrat Hendrik Jan Biemond am ersten Augustwochenende als "Burqa Queens". Beim CSD trugen sie knallbunte Nikabs in den Farben der Regenbogenfahne und hielten dazu englischsprachige Schilder wie "My Burqa is my right and pride" ("Meine Burka ist mein Recht und mein Stolz") oder "No human is free until we are all free" ("Kein Mensch ist frei, bis wir alle frei sind").

Die Partij van de Arbeid teilte das Bild selbst auf Twitter und schrieb dazu: "Für die PvdA Amsterdam bedeutet Freiheit, dass man sein darf, wie man ist, und dass man tragen kann, was man will."

In sozialen Netzwerken sorgt das Foto seitdem für heftige Diskussionen, und auch erste deutsche Medien beschäftigten sich bereits mit den Amsterdamer "Burqa Queens". "Makaberer geht es kaum", kritisierte etwa die Frauenzeitschrift "Emma", schließlich sei die Burka "das Symbol des islamischen Fundamentalismus". Auch der "Humanistische Pressedienst" kritisierte die Aktion als "seltsam und weltfremd" und witterte bei den Sozialdemokraten einen Verrat der eigenen freiheitlichen Ideale.

Wer in niederländischen Schulen, Krankenhäusern, Ämtern oder in Bus und Bahn eine Burka oder einen Gesichtsschleier trägt, muss seit 1. August mit einer Geldstrafe von mindestens 150 Euro rechnen. Theoretisch. Denn schon jetzt haben mehrere Städte angekündigt, sie würden sich nicht an die Durchsetzung des Verbots halten. "Das Verbot hat in Amsterdam keine Priorität", sagte etwa die grüne Bürgermeisterin der Hauptstadt, Femke Halsema.

Der Streit um die Burka begann in den Niederlanden bereits vor rund 14 Jahren. 2005 hatte der Rechtspopulist Geert Wilders seinen ersten Erfolg im Parlament, als überraschend eine Mehrheit der Abgeordneten seinem Antrag für ein totales Burkaverbot zustimmte. Doch es vergingen Jahre, bis die Regierung tatsächlich einen Gesetzentwurf vorlegte.

Für viele Parteien war die Religionsfreiheit das Hauptargument gegen ein Vollverschleierungsverbot. Auch der Staatsrat hatte noch 2015 in einem Rechtsgutachten dringend davon abgeraten. Das höchste Beratungsorgan der Regierung sah "keine dringende Notwendigkeit, die eine Einschränkung der Religionsfreiheit rechtfertigen könnte".

Die meisten Niederländer sind Umfragen zufolge zwar für ein Verbot. Doch viele bezweifeln auch, dass es etwas bringt und sehen es als reine Symbolpolitik. Im gesamten Land mit gut 17 Millionen Einwohnern gibt es nämlich schätzungsweise nur rund 150 Frauen, die regelmäßig eine Burka oder einen Nikab tragen. (cw/dpa)



-w-

-w-
-w-
Newsletter
  • Unsere Newsletter halten Dich täglich oder wöchentlich über die Nachrichten aus der schwul-lesbischen Welt auf dem Laufenden.
Tagesbilder durchsuchen
Bild vorschlagen
#1 FredericAnonym
#2 goddamn liberalAnonym
#3 TheDadProfil
  • 18.08.2019, 21:43hHannover
  • Antwort auf #1 von Frederic
  • ""Keine kluge Aktion, da gebe ich Alice Schwarzer vollkommen Recht.""..

    ""kritisierte etwa die Frauenzeitschrift "Emma", schließlich sei die Burka "das Symbol des islamischen Fundamentalismus".""..

    Die Aussage einer Zeitschrift einer einzelnen Person zuzuschreiben entbehrt jeder Grundlage..

    Zumal an der Aussage selbst zu kritisieren ist, das sie keinen "Ist-zustand" beschreibt, sondern die "Emma" als Zeitschrift die Burka zu diesem "Symbol" erklärt hat, ohne sich damit im Grundsatz zu befassen..

    Wer sich zu solchen Plattitüden hinreißen läßt wie
    "der islam unterdrückt die frauen",
    der hat keine Ahnung über die Binnen-Beziehungen innerhalb von "muslimischen Familien"..

    Allgemeinplätze bilden Vorurteile aus, die nicht dazu geeignet sind Informationen zu verbreiten..

    Wer hier dann denkt
    "alle frauen in burkas sind unterdrückt"
    der kennt nicht alle Frauen die Burkas tragen, und hat keine Ahnung von den Gründen die dazu führen..

    Ich will weder jemandem vorschreiben was er tragen darf, NOCH will ich vorgeschrieben bekommen, was ich tragen soll !

    Beides geht NUR zusammen !

    Was nicht gleichbedeutend damit ist, muslimischen Frauen die unterdrückt sind nicht JEDE Hilfe zu gewähren um sich aus dieser Situation heraus zu befreien !

    Aber jemanden gegen seinen Willen von einer Freiwilligkeit zu befreien ist und bleibt
    "staatlicher terrorismus gegenüber dem bürger" !

    Was dann die inzwischen fast europaweiten Versuche von Burka-Verboten betrifft :
    Wann fangen wir mal an die Rolle des "Christentums" dabei zu klären, und öffentlich zu machen auf wie viel Populismus diese dabei setzen ?
  • Antworten » | Direktlink »
#4 TheDadProfil
  • 18.08.2019, 21:47hHannover
  • Antwort auf #2 von goddamn liberal
  • ""Heute können die blutig gefolterten Yezidinnen, aber auch sunnitische Muslimas im Nordirak berichten, was der Niqab des IS politisch bedeutet. Wenn sie denn überlebt haben...""..

    Der hier von verschiedenen Seiten der Politik gezogene Rückschluß ist einfach falsch !

    Nur weil das dort der Fall ist, ist das immer noch nicht gleichbedeutend damit, daß auch hier in der BRD oder in Europa eine Frau in einer Burka ein "unterdrücktes Wesen" ist, was auf "teufel komm raus" befreit werden muß !
  • Antworten » | Direktlink »
#5 komisch_umgesetztAnonym
  • 18.08.2019, 22:03h
  • Es ist etwas weit hergeholt, das Thema Burka mit der LSBTTIQ zu verbinden.
    Das ist ungefähr so, als ob jemand ein Video von einem Fallschirmspringer dazu verwendet, um Werbung für ein Treppengeländer zu machen, mit den Worten: "Nicht jede/r möchte fallen."
    ???

    Das mit dem Burka-Verbot ist so ne Sache. Weiß nicht so genau, was ich dazu denken soll. Einerseits sollte man niemandem vorschreiben, was jemand tragen soll oder nicht. Das Verbot kommt etwas pauschalisierend rüber. Dann müsste man konsequenterweise auch Lippenstift für Männer verbieten - und das wäre genauso eigenartig und genauso "einseitig erziehend."
    Das kommt rüber so nach dem Motto: "Wir wollen nicht, dass ihr so herum spaziert."
    Aber Niederlande ist doch ein freies Land, oder etwa nicht?
    Das erinnert mich an die Debatte über das Kopftuch.

    Nicht unter jedem Kopftuch steckt eine radikale Frau, und so steckt auch nicht unter jeder Burka eine Fundamentalistin.
    Etwas Differenzierung schadet nicht.

    ©BuntesUndSchönes
  • Antworten » | Direktlink »
#6 goddamn liberalAnonym
  • 18.08.2019, 23:04h
  • Antwort auf #5 von komisch_umgesetzt
  • Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

    Die Yezidinnen und auch die Muslimas, die von der Niqab-IS gequält und ermordet wurden, trugen und tragen meist auch Kopftuch.

    Jeder Mensch mit muslimischen Freundeskreis weiß aber, dass ein Niqab für maximale Zivilisationsverweigerung steht wie entsprechende Fascho-Symbole bei unseren Germanen auch.

    Alles andere anzunehmen, ist angesichts der historisch-politischen Faktenlage völlig naiv.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 goddamn liberalAnonym
  • 18.08.2019, 23:11h
  • Antwort auf #4 von TheDad
  • Von einem 'unterdrückten Wesen' habe ich nicht gesprochen. Der Niqab, der mit dem Islam nichts zu tun hat, steht für Unterdrückung im allgemeinen. Für unsereinen ist er ein Todessymbol.

    Überdies sind natürlich auch Motorradhelme, die das Gesicht verdecken, kriminologisch problematisch.

    Ich empfehle Dir übrigens Unterhaltungen mit Exil-Iraner*innen und kemalistischen Deutsch-Türk*innen wie Lale Akgün.

    Fazit: Man kann leider bestimmten Kulturkämpfen nicht entkommen.

    Den Niederlanden empfehle ich übrigens jetzt Zwangsimpfungen für Calvinisten (damit wir uns nicht falsch verstehen).

    www.spiegel.de/spiegel/print/d-9182671.html
  • Antworten » | Direktlink »
#8 IsaakAnonym
  • 19.08.2019, 01:05h
  • Antwort auf #5 von komisch_umgesetzt
  • Absolut nicht; tatsächlich ergänzen sich beide Themenbereiche sogar sehr gut, schliesslich geht es jeweils um Vorstellungen von Normalität und Ordnung innerhalb der weißen, bürgerlichen, heterosexuellen und christlich-europäischen Gesellschaften des Globalen Nordens. Da ist die Burka (bzw. hier: der Nikab) ebenso ein Symbol der Freiheit und der Vielfalt wie die Regenbogenflagge. In der Kombination dann umso mehr. In beiden Fällen wurden und werden Menschen wegen Ihrer privatesten Eigenheiten diskriminiert; nur einmal eben wegen Ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität und einmal wegen Ihrer religiösen Orientierung und persönlichen Spiritualität.

    Das linke obere Schild bringt es also schön auf den Punkt, auch wenn das Englisch grammatikalisch recht dubios ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 IsaakAnonym
  • 19.08.2019, 01:11h
  • Antwort auf #6 von goddamn liberal
  • Für maximale Zivilisationsverweigerung steht wohl eher Ihr blindwütiges Hau-Drauf-Denken, gegen alles was nicht Ihrem Idealbild von der aufgeklärten europäischen Moderne entspricht. Nehmen Sie aber zur Kenntnis, dass Ihre Privatmeinung und die Ihres wohl sehr intoleranten Freundeskreises für die Bewertung dieser Materie wohl kaum den selben Stellenwert hat, wie die von Abermillionen Muslima weltweit, für die die Körperverhüllung ein Ausdruck von persönlicher Lebensfreude, Spiritualität, Geborgenheit, Identität und nicht zuletzt auch Freiheit (!) (die Darstellung von Munira Ahmed trifft es da schon gut) ist. Die Damen wissen schon selbst was Sie wollen.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 IsaakAnonym
  • 19.08.2019, 01:21h
  • Antwort auf #7 von goddamn liberal
  • Wieder einmal ein Beitrag voller Unwissenheit. Erst einmal: Todessymbol - wie bitte? Eine Spur kleiner geht es aber nicht, oder? Zweitens: Natürlich hat die Burka/der Nikab/der Hidschab etwas mit dem Islam zu tun, nämlich mit dem gelebten Islam heute im Jahr 2019. Sie begehen einen logischen und kategorialen Denkfehler, wenn Sie einen Nullpunkt setzen, an dem es eine authentische und echte Religion gab und alles was an diesem Nullpunkt noch nicht da war als unechte Abweichung betrachten. Religion, wie jeder soziale Organismus, entwickelt sich und nimmt immer auch von der jeweiligen Kultur beeinflusste Ausdrucksformen an. Nur weil die Körperverhüllung also nicht explizit im Qur'an oder in den Hadithen erwähnt wird (und das meinen Sie vermutlich), sagt das noch lange nichts über Ihren kultischen Status in unserer heutigen Zeit aus. Am Ende entscheidet die Praxis: Wenn Muslima weltweit aus für Ihre eigene islamische Spiritualität relevanten Gründen ein bestimmtes Kleidungsstück tragen, dann ist das natürlich ein Bestandteil ihres religiösen Lebens und damit mittelbar auch ihrer Religion selbst. Keine religiöse Doktrin vielleicht, aber je nach Verbreitungsgrad durchaus im Range einer Norm befindlich.

    Freuen Sie sich doch einfach mit den Trägerinnen und feiern sie dieses Symbol der Freiheit. Sie sind doch, dem Vernehmen nach, "goddamn liberal"?
  • Antworten » | Direktlink »