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Warschau: Hassbus erneut blockiert

  • 30. April 2020, noch kein Kommentar

Zum zweiten Mal in wenigen Tagen verhinderten Bürger die Weiterfahrt eines Lautsprecherwagens einer homo- und transfeindlichen Initiative.

Der Wagen zur irreführend "Stop Pedofilii" genannten Kampagne fährt seit Tagen durch die polnische Hauptstadt und verbreitet über Lautsprecher Hetze und Falschinformationen, etwa dass Homosexuelle Schuld an Aids seien oder Kinder zu Sexabhängigen machen wollten.

Am Samstag hatten einige Bürger, für die in Corona-Zeiten Ausgeh- und Demonstrationsbeschränkungen gelten, davon genug: Ein Autofahrer stoppte den Hetzpropaganda-Wagen im Rahmen einer Art Festnahme nach Jedermannsrecht, rief die Polizei und blockierte mit weiteren Autofahrern die Weiterfahrt (queer.de berichtete). Auch wenn die Polizei später alle Beteiligten weiterfahren ließ, fand der spontane Widerstand viel Verbreitung und Zuspruch in sozialen Netzwerken.

Und Nachahmung: Am Mittwoch berichtete der Oppositionsabgeordnete Robert Obaz bei Twitter, quasi unter seinem Apartmentfenster sei es erneut zu einer solchen "Festnahme" gekommen. Das Mitglied der vom schwulen Politiker Robert Biedron gegründeten Wiosna-Partei veröffentlichte ein Foto, wie sich ein Auto vor den Hassbus gestellt hatte, und meinte, da erfreue sich das Herz und applaudiere.

Twitter / ObazRobert2

Medienberichten zufolge verhängte die herbeigerufene Polizei auch anders als am Samstag ein Bußgeld gegen den LKW-Fahrer wegen unerlaubter Lautsprecher-Nutzung. Zugleich werde geprüft, ob gegen die Frau, die den Wagen mit ihrem Auto blockierte, wegen Behinderns des Verkehrs ermittelt werde. Gegen den LKW-Blockierer vom Samstag wurde inzwischen laut Medien ein entsprechendes Bußgeldverfahren eingeleitet.

Der Hass-Bus gehört ähnlich wie Wagen mit Motiven gegen Abtreibung zur Organisation "Fundacja Pro", die im letzten Jahr mit Bussen mit homofeindlichen Motiven in vielen Städten gleichzeitig zu dort stattfindenden CSDs auftauchte. Bei Gegenveranstaltungen sammelte sie Unterschriften für eine selbst formulierte Gesetzesinitiative, die in der Praxis jegliche Sexualaufklärung an Schulen, in Medien oder durch Vertrauenspersonen unter Strafe stellen würde. Verkauft wird das als Gesetz gegen "Pädophilie", ist aber letztlich eine Art polnische Version eines "Homo-Propaganda"-Gesetzes - in der Begründung heißt es etwa, es sei ein "Mittel der LGBT-Lobby für politische Zwecke", Kinder per Sexualerziehung an Homosexualität zu "gewöhnen". Der Sejm hatte den Entwurf vor zwei Wochen in erster Lesung beraten und danach mit Regierungsmehrheit nicht abgelehnt, sondern in die Ausschüsse verwiesen (queer.de berichtete).

Unterstützung erhalten die Homo-Hasser auch von dem inzwischen regierungshörigen Staatssender TVP. Der stellte in einem Bericht zur Blockade vom Samstag einen LGBTI-Aktivisten und linken Politiker, der über die Szene berichtet hatte, praktisch als aggressiven Pädophilen-Aktivisten dar. Selbst seinen Arbeitgeber erwähnte der Bericht, der "Stop Pedofilii" und die dauerhafte Verknüfung von Homosexualität mit Pädophilie durch die Kampagne nicht kritisch hinterfragte. (nb)



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30. April 2020
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