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Volker Beck schenkt Schwulem Museum "Ehe für alle"-Konfetti

Noch einmal im Konfettiregen (v.l.n.r.): Ulle Schauws, Volker Beck, Birgit Bosold, Peter Rehberg (Bild: Paul Max Fischer / Schwules Museum)

Zum 3. Jahrestag der Ehe-Öffnung hat der Grünen-Politiker Volker Beck dem Schwulen Museum in Berlin das Konfetti überreicht, mit dem er am 30. Juni 2017 von seinen Fraktionskolleg*innen im Bundestag überschüttet wurde.

An jenem Tag war die Ehe für alle, die am 1. Oktober 2017 in Kraft trat, im Parlament beschlossen worden - Becks Herzensprojekt, für das er über 25 Jahre lang an vorderster Front gekämpft hatte. Die damalige Mitstreiterin Ulle Schauws, heutige queerpolitische Fraktionssprecherin der Grünen, hatte dafür gesorgt, dass die bunten Schnipsel aufbewahrt wurden. Nun fanden sie im Archiv des Schwulen Museums ein neues Zuhause.

Sammlungsleiter Peter Rehberg bedankte sich bei Beck für dessen Lebenswerk und versprach: "Dieses Konfetti wird daran mitwirken, die Geschichte der Ehe für alle auch für zukünftige Generationen weiterzuerzählen, als Forschungsgegenstand im Archiv des Schwulen Museums und als Objekt für künftige Ausstellungen." Wenig später stand Rehberg mit Beck selbst im Konfettinebel. Zwei Mitarbeiter*innen des Museums hatten die Kanonen gezündet.

Auch Ulle Schauws bedankte sich in einer Ansprache für Becks "unermüdliche Arbeit" - und bei Becks damaligen Büromitarbeiter*innen Charlotte Obermaier und Sebastian Brux, die den Plan ausgeheckt hätten und den Konfetti-Abschuss zuvor ohne dessen Wissen in Becks Büro geprobt hatten. "Es ging darum, das Bild des Tages zu erschaffen", sagte Schauws. "Hätten wir nicht das Konfetti gezündet, wäre vor allem das Bild von Angela Merkel gedruckt worden, wie sie mit ihrer roten Karte für Nein stimmte." Stattdessen sei ein positives, lebensbejahendes Bild um die Welt gegangen.

Beck selbst bedankte sich bei allen Kolleg*innen für die Unterstützung. 1989 habe sein Kampf für die Ehe für alle begonnen, gemeinsam initiiert mit dem ebenfalls anwesenden Kollegen Günter Dworek. "Es hat dann über 27 Jahre gedauert, den Ball ins Tor zu bekommen", sagte Beck. Es sei das schönste Geschenk gewesen, dass dieses Projekt ausgerechnet an Becks letzten Tag als Abgeordneter im Bundestag seine Vollendung fand.

Insgesamt haben sich gut ein Dutzend von Becks grünen Mitstreiter*innen im Museum versammelt, um Beck und die Konfetti-Übergabe zu feiern, darunter Renate Künast, Sven Lehman und Monika Lazar. Volker Beck saß von 1994 bis 2017 für die Grünen im Deutschen Bundestag und war unter anderem religions- und migrationspolitischer Sprecher der Fraktion. Von 2002 bis 2013 war er ihr Erster Parlamentarische Geschäftsführer. Die Durchsetzung der Ehe für alle wird in großen Teilen seinem Engagement zugerechnet.

Das Konfetti wird in Zukunft im Archiv des Schwulen Museums aufbewahrt und soll möglichst bald auch im Rahmen einer Ausstellung gezeigt werden. SMU-Vorstand Birgit Bosold sagte, sie wolle das Konfetti am liebsten per Fön in einer Vitrine wirbeln lassen, damit es immer in Bewegung bleibe, wie queerer Aktivismus eben auch. "Es ist schon ein sehr queerer Aspekt dieser Geschichte, dass ausgerechnet eine so alltägliche Sache wie Konfetti einen historisch so bedeutenden Moment erzähle", sagte Bosold. (cw/pm)



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#1 Ralph
  • 01.10.2020, 11:17h
  • Ich denke, da muss auch an das würdelose Verhalten des damaligen Bundestagspräsidenten Lammert erinnert werden, der zu Beginn der Sitzung die Abgeordneten ermahnte, beide Positionen, d.h. einerseits die Forderung nach Beachtung des Gleichbehandlungsgebots aus Art. 3 I GG auch gegenüber Schwulen und Lesben, andererseits deren Ablehnung und damit die Fortdauer der rechtlichen Behandlung von Schwulen und Lesben als Bürger/Bürgerinnen zweiter Klasse, seien gleichwertig und deshalb auch in gleicher Weise respektabel. Der selbe unwürdige Präsident rügte dann später den Konfettiregen als Angriff auf die Würde des Parlaments. Es war die letzte öffentliche Amtshandlung von Lammert, der mit der dann bevorstehenden Bundestagswahl aus dem Amt schied, und er hat mit seinem Verhalten bei dieser historischen Sitzung sein Ansehen belastet. Man sollte in der Erinnerung nicht nur seine brillanten rhetorischen Fähigkeiten behalten, sondern auch seine Aussage, dass die Benachteiligung und Schlechterstellung einer sozialen Gruppe genauso ehrenwert sei wie ihre Anerkennung und Gleichbehandlung vor dem Gesetz.
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#2 ursus
  • 01.10.2020, 17:48h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • Deiner scharfen Kritik an Lammert schließe ich mich an. Ich möchte ergänzen, dass er nicht der Einzige war, der Respekt für Diskriminierung einforderte. So weit ich mich erinnere, kamen solche Stimmen auch aus dem vermeintlich linken und liberalen Lager, und auch ich erinnere mich mit Ekel daran.

    Zu Lammerts Rüge ist vielleicht zu ergänzen, dass diese im Gegensatz zu obigem durchaus zu seinen Amtspflichten gehörte. Dazu Ulle Schauws im Nollendorfblog:

    "... es gab Vorbehalte, denn so wunderbar wie es am Ende war ist so eine Aktion im Plenarsaal verboten. (...) mir ist es gerade heute ein großes Anliegen zu betonen, dass Regeln im Plenum sehr nötig sind. Es ist wichtig, eine klare Ordnung für ein miteinander zu haben, an die wir uns alle halten müssen."

    www.nollendorfblog.de/?p=12147
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#3 Ralph
  • 02.10.2020, 10:39h
  • Antwort auf #2 von ursus
  • Das mit der klaren Ordnung ist im Prinzip richtig, und auch ich hatte diese Aussage bei Johannes Kram gelesen. Man muss aber auch bedenken, dass hier eine jahrtausendealte Diskriminierung beseitigt wurde, die ein Absehen vom Buchstaben der entsprechenden Regelung gerechtfertigt hätte. Zudem redete Lammert, der gerade wenige Stunden vorher die Verletzung der Menschenwürde von Schwulen und Lesben für in Ordnung erklärt und damit die Würde seines Amtes zutiefst in den Schmutz getreten hatte, jetzt auf einmal von einer Schädigung der Würde des Parlaments. Das durfte Übelkeit erregen. Die ausgelassene Freude im australischen Parlament, an die wir uns sicher erinnern, war also nach deutschen Maßstäben würdelos. Na ja, was soll man da noch sagen.
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#4 ursus
  • 02.10.2020, 17:20h
  • Antwort auf #3 von Ralph
  • "Zudem redete Lammert, der gerade wenige Stunden vorher die Verletzung der Menschenwürde von Schwulen und Lesben für in Ordnung erklärt und damit die Würde seines Amtes zutiefst in den Schmutz getreten hatte, jetzt auf einmal von einer Schädigung der Würde des Parlaments. Das durfte Übelkeit erregen."

    Da bin ich ganz bei dir.

    Ich wollte nur ergänzen, dass er die formelle Pflicht hatte, den Regelverstoß zu rügen, und dass das nicht etwa eine Willkürentscheidung war, wie manche vielleicht hätten denken können.
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