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Kein Regenbogen über der "Führerkanzel"

In Nürnberg bemalten Unbekannte die Steintribüne auf dem Zeppelinfeld des Reichsparteitagsgeländes mit einem "Regenbogen-Präludium" - das Hochbauamt ließ das Kunstwerk entfernen.

Mit dem Symbol der LGBTI-Bewegung im Hintergrund habe man u.a. verhindern wollen, dass Neonazis Selfies auf der "Führerkanzel" machen, begründete das anonyme Künstler*innen-Kollektiv die in der Nacht zu letztem Mittwoch ausgeführte Aktion. Verwendet habe man unschädliche Wasserfarben.

"Das Regenbogen-Präludium" verstehe sich zudem als Beitrag zur Debatte, wie mit dem Reichsparteitagsgelände weiter zu verfahren sei, heißt es in einer Pressemitteilung. "Wir sind die letzte Generation, die mit Zeitzeugen des Holocaust sprechen kann. Wir sind Kinder, Enkel und Urenkel dieser Zeugen eines schwer vorstellbaren Verbrechens gegen die Menschlichkeit", so die Künstler*innen. "Wenn wir vergessen, wiederholt sich die Geschichte."

Die "künstlerische Intervention" habe sie "persönlich sehr angesprochen und berührt", erklärte Nürnbergs Kulturdezernentin Julia Lehner (CSU) in einem Facebook-Post und machte den Künstler*innen ein Gesprächsangebot. Parallel rückte jedoch das Hochbauamt aus und ließ die Farbe am Donnerstag entfernen. Farbpigmente könnten in den Naturstein eindringen und so die Tribüne zerstören, hieß es zur Begründung. Das Liegenschaftsamt erstattete sogar Strafanzeige gegen Unbekannt.

Von den Grünen wurde die Entfernung und die Anzeige scharf kritisiert. Die Landtagsabgeordnete Verena Osygan sprach von einer "verpassten Chance". Der Denkmalschutz diene nur als "Feigenblatt, um sich der Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk nicht stellen zu müssen". Das Kunstwerk hätte der selbsternannten Stadt des Friedens und der Menschenrechte nur allzu gutgetan, kritisierten auch Uwe Scherzer und Uschi Unsinn von der Grünen-Fraktion im Stadtrat. "Die queere Community in Nürnberg begrüßt natürlich das Anbringen des Regenbogens gerade an diesem Bauwerk, denn die homosexuellen Männer mussten schließlich auch nach 1945 noch unter dem durch die Nazis verschärften Paragraph 175 bis 1969 Strafverfolgung und Ausgrenzung erleiden." (cw)



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#1 Uwe_RAnonym
  • 02.11.2020, 11:35h
  • "Farbpigmente könnten in den Naturstein eindringen und so die Tribüne zerstören"

    Ja nee, is klar... Wir kennen doch alle die tausende durch Graffiti eingestürzten Gebäude... Als wenn es gestern gewesen wäre.

    Richtig wäre eher, dass es Pigmente gibt, die sich nicht einfach rückstandslos auswaschen lassen, egal ob "Wasserfarbe" oder was anderes...

    Nun gut, eine Strafanzeige dürfte in so einem Fall obligatorisch sein. Ich hätte auch etwas dagegen, wenn jemand ungefragt mein Eigentum anmalt. Auch wenn ich hier die Aktion prinzipiell sympathisch finde.
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#2 RebeccaProfil
  • 02.11.2020, 12:36hBerlin
  • Antwort auf #1 von Uwe_R
  • Dieses von Nazis gebaute Gelände umzuwidmen und den Regenbogen dort zu plazieren finde ich gut.

    Aber die Frage ist die, es ist ein öffentliches Gelände, das dem Land gehört, also im Grunde der Bevölkerung und kein privates.

    Warum will Nürnberg das Gelände so erhalten, wie es ist ? Wollen sie neuen Nazis ein Gelände erhalten, damit die dort das was früher stattfand, nachspielen ?

    Genau das musss verhindert werden, das Gelände umgewidmet werden und das hätte der Regenbogen erledigen können.

    Hier liegt der Verdacht, daß Nürnberg den alten Geist dieses Gelände erhalten will. Die Frage ist nur, warum und für wen ?
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#3 Uwe_RAnonym
#4 Ralph
  • 02.11.2020, 13:31h
  • Zerstörung ist m.M.n. das beste, was man mit solchen Naziprotzbauten machen kann. Jedes Mal, wenn ich z.B. durch die Münchner Prinzregentenstraße fahre oder gehe und am "Haus der Kunst" vorbeikomme, das als endloser Granitsperrriegel den Blick auf den Englischen Garten verschandelt, wird mir übel.
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#5 CSD NürnbergAnonym
  • 02.11.2020, 17:33h
  • "Die von der Stadt Nürnberg behauptete Aussage, dass ein längeres Belassen der Farben auf dem Gestein eine Verbindung von Farbpigmenten und Gestein und damit Gefahr für das Gestein bedeuten würde, ist fachlich betrachtet schlichtweg falsch. Auch mit fortschreitender Zeit ist hierbei keine Verbindung zu erwarten: Die von den Künstlern verwendete Methode des Farbanstrichs mineralische Farb-Pigmente in Verbindung mit Methylzellulose (Kleister) ist eine zu 100 % reversible Maßnahme."

    Bastian Brauwer liefert als Vorsitzender des CSD Nürnberg und Steinmetz einen hochinteressanten Beitrag zur Debatte um das Regenbogen-Präludium.

    www.csd-nuernberg.de/post/kunstwerk-des-regenbogen-präludium
    -an-der-zeppelintribüne-stellungnahme-zur-entfernung
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#6 RebeccaProfil