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Cruising war seine Karriere

Bild: Peter Berlin

Der Bildband "Peter Berlin: Icon, Artist, Photosexual" feiert ein schwules Sexidol der Siebzigerjahre.

Der Deutsch-Amerikaner Peter Berlin, geboren 1942 als Armin Hagen von Hoyningen-Huene in Lodz, ist eine selbst erschaffene Ikone, die die schwule Erotik revolutioniert hat. Mit seinen hautengen, eigenhändig entworfenen Outfits, die er beim nächtlichen Cruising in Berliner Parks und Klappen trug, wurde er zu einem schwulen Sexsymbol und einem wandelnden Kunstwerk zugleich. Anfang der Siebzigerjahre wanderte er nach San Francisco aus.

Mit seiner Kamera nahm der Mann mit der typischen Pagenkopf-Frisur Tausende von Selbstporträts auf, die in zahlreichen Gay-Magazinen in aller Welt abgedruckt wurden. "Schon in den frühen Tagen der Pubertät war ich fasziniert von männlicher Sexualität, und seit ich selbst ein Mann war, war ich von meinem eigenen Bild begeistert", schreibt der Künstler im Vorwort. "Ich habe das getan, was Mädchen und Jungen auf der ganzen Welt heute mit ihren Smartphones millionenfach tun: das Objektiv auf mich selbst gerichtet und Fotos gemacht, die nun als 'Selfies' bezeichnet werden."

Der von Michael Bullock herausgegebene Bildband enthält auf 176 Seiten auch Arbeiten von Tom of Finnland, Robert Mapplethorpe und Andy Warhol, die Berlin als Vorlage nutzten, sowie mehrere Essays und O-Töne prominenter Zeitgenossen wie Armistead Maupin oder John Waters. "Peter Berlin: Icon, Artist, Photosexual" ist in Deutschland zum Preis von 31,39 Euro bei amazon.de erhältlich - für 621,50 Euro kann man eine signierte Sonderedition erwerben. Eine Auswahl der erotischen Selbstporträts zeigen wir in der unten verlinkten Galerie.

Ende des vergangenen Jahres stellte Armin Hagen von Hoyningen-Huene in einem Interview klar, dass Peter Berlin heute nicht mehr existiert. "Er ist weg. Es ist, als hätte ich einen Sohn, der in die Welt gegangen ist, und ich habe keinen Kontakt mehr zu ihm", sagte er im Gespräch mit dem Magazin "Another Man". Mit Ende 70 sei ihm die sexuelle Energie komplett abhandengekommen: "Ich lebe wie eine alte Dame. Ich passe auf meine Katze und meine Pflanzen auf. Ich gehe zur Bank im Park, beobachte die Hunde und füttere die Tauben. Das ist das Erbe von Peter Berlin." (cw)



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24. November 2020
3 Kommentare

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#1 KaiJAnonym
#2 IngoAnonym
  • 24.11.2020, 22:30h
  • Sehr selbstbewusst, sympathisch und realistisch wie er Peter Berlin hinter sich gelassen hat. Gefällt mir genauso wie die geilen Bilder der Ikone.
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#3 KumpelAnonym
  • 25.11.2020, 08:34h
  • Antwort auf #2 von Ingo
  • Kann ich nur zustimmen. Besonders der letzte Absatz stimmt mich auch recht positiv. Bin jetzt 69 Jahre alt und hatte wie Peter Berlin Mitte der 70 er Jahre meine Sachen gepackt und bin der Liebe wegen nach S.F. California. Dort hatte ich mein zweites Coming Out. Es war eine sehr aufregende Zeit damals in und um S.F. Peter Berlin kannte dort fast jeder.
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