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Eine queere Geschichte der Sexualität

  • 04. April 2021, noch kein Kommentar
Shreya, trans Frau, Indien (Bild: Jill Peters)

Die neue Ausstellung "Sex und Vorurteil" im Lübecker St. Annen-Museum zeigt u.a., dass Trans- und Intergeschlechtlichkeit in anderen Weltgegenden bereits seit Jahrhunderten ihren gesellschaftlichen Platz gefunden haben.

Der Fokus der zweiten Sonderausstellung der Lübecker Völkerkundesammlung liegt auf den drei Kontinenten Europa, Afrika und Asien. In einem zeitlichen Bogen von der Antike bis zur Gegenwart werden die unterschiedlichsten kulturellen Aspekte des Themas anhand zahlreicher erotischer Kunstwerke und Objekte aufgezeigt, wobei die Ausstellung auch Vorurteile und Klischees hinterfragt, die über das Liebesleben in anderen Ländern oder Kontinenten vorherrschen.

Dr. Lars Frühsorge, Leiter der Lübecker Völkerkundesammlung und Kurator der Ausstellung, betont, dass diese "keineswegs voyeuristisch" sei und vielmehr darauf abziele, die Geschichte der Sexualität in Kunst und Kultur respektvoll abzubilden. Es sei ihm wichtig, dabei gängige Klischees wie die des "gut bestückten Afrikaners oder der sinnlichen Haremsdame" auf ihre Herkunft zu untersuchen und kritisch zu hinterfragen. "Diese sagen oft mehr über uns aus als über die jeweilige Kultur", so Frühsorge. Doch auch die Themen rund um Homo-, Trans- und Intersexualität liegen ihm am Herzen, weswegen er sich insbesondere über die Kooperationspartner Christopher Street Day, Lübecker Aidshilfe und Lambda Nord freut. "So können wir auch aktuelle diesbezügliche Fragen und Probleme von Menschen der Hansestadt offen zur Sprache bringen."

Die Ausstellung ist thematisch in drei Räume gegliedert, die den drei dargestellten Kontinenten entsprechen, und startet mit Europa. Anhand von Objekten wie Keuschheitsgürtel wird ein Abriss der Geschichte der Sexualität seit dem Mittelalter dargestellt und bereits hier mit ersten Klischees aufgeräumt, da diese nach neuesten Forschungsergebnissen vielmehr als Sexspielzeug oder zum Schutz vor sexuellen Übergriffen in Gebrauch waren statt zur Erzwingung der Keuschheit der Trägerin. Auch der Geschichte der Prostitution in Lübeck wird nachgegangen. Dass Transsexualität und Homosexualität in vergangenen Epochen weitaus selbstverständlicher akzeptiert wurden als heute, stellen zum Beispiel Porträtfotos aus Albanien dar, die Frauen zeigen, die per Eidesschwur offiziell als Mann anerkannt wurden.


Stachelkugel als "Heilmittel" gegen weibliche Lust, Alpenraum (Bild: die LÜBECKER MUSEEN)

Der zweite Ausstellungsraum ist dem Kontinent Afrika gewidmet. Hier sind einige Skulpturen erotischer Kunst aus der Nachlassschenkung des verstorbenen Kieler Sammlers Muhlack zu sehen. Dazu gehören beispielsweise so genannte "Jenseits-Ehepartner", anhand deren Existenz man sich erotische Träume erklärte und die man daher figürlich darstellte. Auch Masken, die bei Pubertätsritualen zum Einsatz kamen, werden ausgestellt. Mit Literatur und Filmen soll dem aktuellen Trend des Sextourismus nachgegangen werden, bei dem Frauen der westlichen Welt im Afrikaurlaub sexuelle Dienstleistungen ortsansässiger Männer in Anspruch nehmen.


Jenseits-Ehepartnerin, Baule, Elfenbeinküste (Bild: die LÜBECKER MUSEEN)

Der letzte der drei Räume gilt schließlich dem Kontinent Asien. Hier gibt es unter anderem thailändische, von buddhistischen Mönchen gesegnete Amulette zur Unterstützung bei der Partnersuche oder zur Steigerung der Potenz, arabische Sexualhandbücher oder erotische Miniaturmalereien aus Indien zu sehen. Auch hier weisen Abbildungen von zweigeschlechtlichen Göttern abermals auf eine gewisse Kultur der Intersexualität hin. An einer Hörstation können sich die Besucher*innen mit den Inhalten des Kamasutra vertraut machen, welches die weltweite Vorstellung der sexuellen Gepflogenheiten in Indien maßgeblich geprägt hat.


Hijra, zweigeschlechtliche Gottheit, Indien (Bild: die LÜBECKER MUSEEN)

Als eines der Highlights der Ausstellung gilt die Sektion "Japan". Hier sind explizite, aus heutiger Sicht pornografisch anmutende Grafiken zu sehen, die bereits in vergangenen Jahrhunderten üblich und in Japan selbst durch Anspielungen auf Gedicht und Literatur vielmehr als hochgeistig angesehen waren. Durch die Kombination von Schrift und Bild erinnern diese Darstellungen an Comics und gelten daher als Vorläufer der heute weit verbreiteten Animes und Mangas sowie der Shōnen, der heute auf dem japanischen Markt am meisten vertretenen Manga-Gattung, die sich an ein jugendliches, männliches Publikum richtet und oftmals ebenfalls erotisch konnotiert ist. Auch hier sind inzwischen Shōnen, bei denen sich Männer in Männer verlieben, nicht mehr unüblich. Eine Installation erotischer Bücher aus Japan ist daher ebenso in "Sex und Vorurteil" vorhanden.

Die Ausstellung wurde am 26. März mit einer digitalen Vernissage eröffnet und ist noch bis zum 29. August 2021 im Lübecker St. Annen-Museum zu sehen. Hintergrundinformationen zu einigen Exponaten und Medieninhalten bietet ein eGuide. Darüber hinaus werden (zahlreiche queere) Fragen aus einer Dialogbox online beantwortet.



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04. April 2021
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