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"Eine Flagge, die es wert ist, verteidigt zu werden"

Auf der Titelseite der großen schwedischen Tageszeitung "Svenska Dagbladet" werben die schwedischen Streitkräfte mit einer Gruppe von bewaffneten Soldat*innen, von denen einer eine große Regenbogenfahne hält.

"Eine Flagge, die es wert ist, verteidigt zu werden", heißt es auf der unübersehbaren Werbung der Försvarsmakten in der Ausgabe vom 1. August. In kleinerer Schrift steht darunter: "Wir verteidigen die Menschenrechte, Gleichheit für alle und unser Recht, so zu leben, wie wir es möchten." Das Motiv, das zum Stockholm Pride geschaltet wurde, versetzte rechte Homo-Hasser*innen in sozialen Medien bereits in Schnappatmung.

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass sich die schwedische Armee für LGBTI-Akzeptanz einsetzt. Schon 2015 präsentierte sie eine Posterkampagne, die eine Soldatin mit Regenbogenfahne auf dem Tarnanzug und dem Slogan "Manche Dinge solltest Du nicht verstecken müssen" zeigte (queer.de berichtete). Mit den Plakaten, die im ganzen Land gezeigt wurden, warb die Armee gezielt um schwul-lesbische Berufssoldaten – die Wehrpflicht wurde in Schweden fünf Jahre zuvor ausgesetzt. Jeder Mensch sei willkommen, hieß es dazu in der Unterzeile: "Gleichberechtigung ist ein integraler Bestandteil einer Demokratie. Im Militär behandeln wir jeden mit Respekt und betrachten Vielfalt als Bereicherung."

2017 postete die Armee ein Foto von Kampfstiefeln mit Regenbogenschnürsenkeln (queer.de berichtete). Mit dem englischen Slogan "We don't always march straight" und Soldat*innen mit Tarnschminke in Regenbogenfarben meldeten sich die Försvarsmakten 2018 zum EuroPride zu Wort – die Botschaft: "Wir treten für die Werte ein, die wir verteidigen müssen" (queer.de berichtete). Seit vielen Jahren beteiligen sich die Streitkräfte jedes Jahr an der CSD-Parade in der Hauptstadt Stockholm. Das Verbot Homosexueller im schwedischen Militär war bereits 1976 aufgehoben worden.Im Jahr 2008 zeigte das Armeemuseum eine eigene LGBT-Ausstellung. (mize)


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#1 Taemin
  • 03.08.2021, 11:01h
  • Mir wird schlecht, wenn ich dieses Bild sehe. Nicht wegen der Idee, die dahinter steht. Ja, es ist gut, die Menschenrechte zu verteidigen, wenn nötig mit Gewalt. Es ist auch gut, dass in einer Armee schwule Soldaten und lesbische Soldatinnen sein dürfen und geachtet werden. Aber das ist wirklich nur in wenigen Armeen so. Ich war wehrpflichtig in einem Land, das eine Armee hat, die keine Schwulen haben will, und wenn doch welche hineinkommen sie mit einem Gesetz bedroht, das weiter ausgelegt wird als der Text reicht. Außerdem wird wer den Wehrdienst ablehnt ganz einfach ins Gefängnis gesperrt. Das hat nichts mit Sexualität zu tun, aber man erkennt daran, dass Grundrechte weniger schwer wiegen als Grundpflichten. Nach der Verfassung ist der Wehrdienst eine Grundpflicht. Jemand, der selbst die Musterung überlebt hatte und ausgemustert worden war, half mir vorher. Das war ein richtiges Training oder eine Generalprobe wie im Theater. Die stellen da einen Katalog von Fragen, darunter auch welche, bei denen sie an den Antworten erkennen können oder zu erkennen können glauben, dass der Wehrpflichtige schwul ist. Das kann man sich gar nicht vorstellen, auch wenn es einem vorher jemand beschrieben hat. Der Witz ist ja, die wollen den, den sie da verhören (befragen kann man das gar nicht nennen), nicht haben und der will ja auch gar nicht genommen werden. Aber dieses gemeinsame Interesse macht es nicht besser. Ich ging hinein in der Hoffnung, ausgemustert zu werden. Ich kam heraus und war ausgemustert. Und ich habe mich geschämt, dass ich nicht wert bin, die Nation zu verteidigen. Und wie steht jetzt meine Familie da. Das ist ganz anders als in Deutschland. Wenn der Sohn oder Enkel oder Bruder zum Militär geht, sind alle stolz. Auf mich war niemand stolz. Mein Bruder, der seinen Wehrdienst abgeleistet hatte, gab mir den Rat: "Du gehst besser nach Deutschland. Dort mögen sie solche wie dich." Das sagte er deutsch, wie immer, wenn er Abstand zwischen uns legen will. Ob er Schwule oder Ausgemusterte meinte, blieb unklar. Wahrscheinlich beides. Nach dem Ausbildungsabschluss folgte ich seinem Rat und wurde in Frankfurt von der Familie meiner Mutter begrüßt, die ich nur von ein paar Besuchen kannte. Der erste Satz, den ich hörte, war: "Du bist willkommen, aber mache uns keine Schande." Das war koreanisch, in Sprache und Inhalt. Die wussten also auch schon alles.
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#2 KaiJAnonym
  • 03.08.2021, 11:06h
  • Endlich 'ne Fahne, für die's zu kämpfen lohnt.
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#3 SakanaAnonym
  • 03.08.2021, 11:43h
  • Antwort auf #1 von Taemin
  • Ich vermute, du spielst auf den Artikel 92-6 des Military Criminal Acts an:

    "Despite a military directive passed in 2009 calling for greater protections for gay soldiers, LGBT conscripts still face suspicion, harassment and prosecution under Article 92-6 of the Military Criminal Act, which makes sexual activity between men punishable by up to two years in prison."

    Quelle:
    edition.cnn.com/2019/07/10/asia/south-korea-military-lgbt-in
    tl-hnk/index.html


    Mich erinnert die Situation im südkoreanischen Militär streckenweise an diejenige in der Bundeswehr von 1955 bis 2000 im Hinblick auf die "Behandlung" von LSBT-Soldat:innen, die auch ausgemustert werden konnten oder keine Aufstiegschancen im Apparat bekamen. Da sich Nord- und Südkorea immer noch im Kriegszustand befinden, wird ja jeder Abschaffungsversuch des 92-6 schon fast als "Schwächungsversuch der Truppe" verunglimpft und abgeschmettert (besonders auf der konservativen Seite des Parlaments, aber die Minjoodang lasse ich da auch nicht vom Haken). Ich denke auch, dass das noch viel mit dem Männer- und Geschlechterbild der Soldaten aus dem Koreakrieg zusammenhängt, die sich auch im Vietnamkrieg regelrecht enthemmt haben mit Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung und dem Wirtschaftaufschwung unter Park Chung-Hee in den 1970ern, der das hierarchische Männerbild in der Wirtschaft nochmals zementiert hat. Meines Wissens nach werden Männer in südkoreanischen Unternehmen immer noch nach ihrer Trinkfestigkeit eingestellt.

    Dann ist es auf jeden Fall für dich besser, wenn du diesem Gesellschaftssystem soweit "entkommen" bist, auch wenn das Leben für schwuler Koreaner in Deutschland auch nicht frei von Schwierigkeiten ist. Ich hoffe halt nur, dass sich in Südkorea auch wieder was tut und die Gesellschaft nicht regrediert. Mollaeyeo.
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